Protest gegen mögliche Werkschließungen bei Renault. Der Autobauer ist angesichts der Corona-Pandemie tief in die Krise gerutscht. Der Staat will den französischen Unternehmen nun mit Kaufprämien helfen. Foto: AFP/FRED TANNEAU

Mit dem Programm soll den in der Corona-Krise angeschlagenen Autokonzernen unter die Arme gegriffen werden. Gefördert werden vor allem E-Fahrzeuge.

Paris - Die Corona-Krise trifft die französischen Autobauer mit voller Wucht. Der Verkauf von Neuwagen ist dramatisch eingebrochen. Im April wurden im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr rund 90 Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt. Aus diesem Grund plant die Regierung nun eine Kaufprämie für Neuwagen – mit einer starken Umweltkomponente. „Wir müssen die Krise nutzen, um den ökologischen Umbau voranzutreiben, und die Franzosen dazu ermuntern, Fahrzeuge zu kaufen, die für sie im Moment vielleicht noch zu teuer sind“, sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Wochenende in einem Interview mit dem Nachrichtensender „France Info“.

Hoher Zuschuss beim Kauf eines Elektroautos

Konkret bedeutet das, dass es beim Kauf eines Elektroautos einen Bonus von bis zu 8000 Euro geben soll. Diese lag bisher bei maximal 6000 Euro. Im Fall von Geschäftswagen ist geplant, die Fördersumme von 3000 auf bis zu 6000 Euro zu erhöhen. Hybridfahrzeuge sollen in Zukunft mit 2000 Euro bezuschusst werden. Aber auch wer sich kein Elektroauto leisten kann, soll nicht leer ausgehen. Im Fall von einkommensschwachen Haushalten will die Regierung zwischen 1500 und 4000 Euro drauflegen, wenn sie von einem sehr alten Auto auf ein neues, wesentlich umweltfreundlicheres umsteigen.

Auch in Deutschland werden solche Programme für Neuwagen diskutiert. Gestritten wird aber darüber, welche Fahrzeugtypen bezuschusst werden sollen. Kritik gibt es an Forderungen der Autobranche nach Kaufprämien auch für Benziner und Dieselautos. Dem gegenüber stehen Forderungen, dass das Konjunkturprogramm in diesem Bereich mit einer „Mobilitätswende“ verbunden werden müsse.

Renault in einer bedrohlichen Lage

Die schnelle Entscheidung der französischen Regierung, den Kauf von Neuwagen zu unterstützen, fällt auch angesichts der bedrohlichen Krise bei Renault. Das Unternehmen, an der dem französische Staat 15 Prozent der Anteile besitzt, kämpfe nach den Worten von Wirtschaftsminister Le Maire „ums Überleben“. Am Freitag will Renault Einzelheiten zu einem Maßnahmenpaket bekannt geben, durch das in den nächsten Monaten mindestens zwei Milliarden Euro eingespart werden sollen. Dazu zählen wohl auch Werkschließungen in Frankreich.

Renault muss in Frankreich bleiben

Bruno Le Maire hat allerdings bereits deutlich gemacht, dass dies nicht in einen Kahlschlag münden könne. Frankreich müsse das „weltweite Zentrum für Renault“ bleiben, forderte der Minister. Inzwischen heißt es, dass die französische Regierung den angeschlagenen Autobauer zur Teilnahme an dem gemeinsamen Batteriezellenprojekt mit Deutschland verpflichten könnte. Le Maire machte deutlich, dass dies eine der Auflagen für eine staatliche Kreditbürgschaft in Höhe von fünf Milliarden Euro für Renault sei.

Die Staatshilfen haben Frankreich laut Bruno Le Maire seit Mitte März bislang insgesamt 450 Milliarden Euro gekostet – die in Aussicht gestellten Hilfen für die Autobauer noch nicht eingerechnet.

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