Herzogin Meghan musste ein traumatisches Erlebnis verarbeiten: Im Sommer verlor sie ihr ungeborenes Kind. Foto: AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS

In einem emotionalen Beitrag für die „New York Times“ schildert Herzogin Meghan, wie schmerzhaft es ist, ein Kind zu verlieren. Sie appelliert für mehr Mitgefühl und Offenheit im Umgang mit traumatischen Erlebnissen.

Santa Barbara - „Als ich Archie die Windel wechselte, spürte ich einen heftigen Krampf. Ich sackte zu Boden mit ihm in den Armen und summte ein Schlaflied, um uns beide zu beruhigen. [...] Während ich mein erstgeborenes Kind umklammerte, wusste ich, dass ich mein zweites gerade verliere.“ Mit einem emotionalen Essay in der „New York Times“ hat Herzogin Meghan jetzt öffentlich gemacht, dass sie im Sommer eine Fehlgeburt erlitten hatte.

Warum die 39-jährige Frau des britischen Prinzen Harry ihren persönlichen Schicksalsschlag nun mit der Welt teilt? Um auch andere zu ermutigen, über traumatische Erlebnisse zu sprechen: „Wenn wir ermutigt werden, unseren Schmerz zu teilen, können wir zusammen die ersten Schritte Richtung Heilung gehen.“

„Ich hielt die Hand meines Mannes. Ich fühlte, wie klamm sie war“

Was als ganz normaler Tag begann – Frühstück machen, die Hunde füttern, aufräumen – , endete Stunden später in einem Krankenhausbett: „Ich hielt die Hand meines Mannes. Ich fühlte, wie klamm sie war und küsste seine Fingerknöchel, die nass waren von unser beider Tränen“, erinnert sich die Herzogin von Sussex. „Ich starrte die kalten weißen Wände an und meine Augen wurden glasig. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie wir heilen würden.“

Die 39-Jährige schrieb in dem Gastbeitrag für die Zeitung, mit ihrer Geschichte wolle sie das Tabu um Fehlgeburten brechen. „Ein Kind zu verlieren, bedeutet, eine fast unerträgliche Trauer zu tragen, die viele erleben, aber über die nur wenige sprechen.“ In einem Raum mit 100 Frauen hätten zehn bis 20 Fehlgeburten erlebt, schrieb Meghan; dennoch spreche kaum jemand darüber – aus unbegründeter Scham, ein Teufelskreis aus einsamer Trauer. „Manche haben den Mut gehabt, ihre Geschichte zu teilen. Sie haben eine Tür geöffnet.“

Chrissy Teigen und Michelle Obama machten Fehlgeburten öffentlich

Herzogin Meghan ist nicht die erste Prominente, die offen über ihre Fehlgeburt spricht: Anfang Oktober machten der Musiker John Legend und seine Frau Chrissy Teigen öffentlich, dass sie ihr drittes Kind, einen Jungen, verloren hatten. „Wir sind geschockt und empfinden Schmerz, wie man ihn sonst nur vom Hörensagen kennt. Die Art von Schmerz, die wir noch nie zuvor gefühlt haben.“ Dazu stellte das Model herzzerreißende Bilder aus dem Krankenhaus auf ihren Instagram-Account. In ihrer Autobiografie „Becoming“ schilderte Michelle Obama, die frühere First Lady der USA, wie sie erst eine Fehlgeburt erlitt, bevor sie mit Hilfe künstlicher Befruchtung Mutter ihrer beiden Töchter Malia und Sasha wurde. Zeitgleich mit Meghan teilte am Mittwoch die Sängerin Christina Perri („Jar of Hearts“) mit, dass sie eine Totgeburt erlitten hat.

Der Buckingham-Palast wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Es handele sich um eine sehr persönliche Angelegenheit, sagte ein Sprecher. Harrys Onkel, Dianas Bruder Charles Spencer, sagte hingegen dem Fernsehsender ITV, dass alles sei„sehr, sehr traurig“. Britische Gesundheitsexperten lobten Meghans Artikel: Fehlgeburten kämen oft vor, seien aber immer noch ein Tabu-Thema, sagte Christine Ekechi vom Königlichen College für Geburtshelfer und Gynäkologen. Offene Diskussionen darüber seien willkommen.

Der Weg zur Heilung beginnt mit einer Frage

In ihrem Artikel appellierte Meghan an die Leserinnen und Leser, häufiger zu fragen, wie es dem anderen geht. Als sie in dem Krankenhausbett gelegen habe und „meinen Ehemann sah, dem das Herz brach, während er versuchte, die zerbrochenen Stücke meines Herzens zu halten“, habe sie erkannt: Die Frage „Are you OK?“ („Geht es dir gut?“) sei der einzige Weg, mit Heilung anzufangen.

Sie habe sich an die Reise im Auftrag der Krone erinnert, die Harry und sie 2019 durch Südafrika gemacht hatten: Als Mutter eines Neugeborenen sei sie erschöpft gewesen und habe doch versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Damals habe ihr der Fernsehjournalist Tom Bradby die Frage gestellt. Dass ihre ehrliche Antwort auf so viel Resonanz bei anderen Müttern gestoßen sei, habe sie nicht erwartet: „Danke, dass Sie fragen. Nicht viele Leute haben gefragt, wie es mir geht.“ Nur wenige Monate später verkündeten Prinz Harry und Herzogin Meghan ihren Rückzug von allen royalen Aufgaben. Inzwischen lebt das Paar mit dem 2019 geborenen Archie in Kalifornien.

In den USA wird an diesem Donnerstag Thanksgiving gefeiert. „Wir alle bereiten uns auf ein Thanksgiving vor, wie wir es noch nie erlebt haben. Wir alle sollten einander fragen: ‚Are you OK?’ Auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sein sollten, auch wenn wir weit entfernt sind, in Wahrheit sind wir stärker miteinander verbunden denn je, dadurch, was wir alle gemeinsam durchlebt haben in diesem Jahr.“ Und so endet Herzogin Meghans Artikel mit der Antwort auf die Frage „Are we OK?“: „We will be.“

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