Herzogin Meghan und Prinz Harry haben im Sommer ihr ungeborenes Kind verloren. Foto: dpa/Chris Jackson

In einem aufwühlenden Artikel für die „New York Times“ hat Herzogin Meghan über ihre Fehlgeburt geschrieben. Unter dem Hashtag #AreYouOK schildern auch andere Frauen, wie es war, ein ungeborenes Kind zu verlieren.

Santa Barbara - „Are you OK?“ Mit dieser Frage, schreibt Herzogin Meghan in ihrem emotionalen Artikel für die „New York Times“, habe für sie der Weg der Heilung begonnen. Die Herzogin von Sussex und ihr Mann Prinz Harry haben im Juli ihr ungeborenes Kind durch eine Fehlgeburt verloren. In ihrem Beitrag für die renommierte US-amerikanische Zeitung forderte die 39-Jährige die Leserinnen und Leser dazu auf, genauer hinzuhören und das Umfeld zu fragen: „Geht es dir gut?“ Nur dann könne der Teufelskreis aus einsamer Trauer durchbrochen werden.

Genau das tun jetzt etliche Frauen auf Twitter. Unter dem Hashtag #AreyouOK erzählen sie ihre ganz persönliche Geschichte: Über das tote Kind, das viele nie in ihren Armen halten konnten – und das sie auch nach Jahren noch vermissen.

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Es sind Schicksale, die tief betroffen machen: „Vor etwa drei Wochen verlor ich meine Drillinge. Es ist nicht meine erste Fehlgeburt, aber die schwierigste. Wenn Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, aufstehen und von ihren Erfahrungen berichten, bestärkt und tröstet uns das alle. Danke, Meghan Markle“, schreibt diese Frau.

Eine andere Frau schreibt: „Ich habe auch eine Fehlgeburt erlitten. Obwohl ich stark blutete, wurde ich nicht im Krankenhaus aufgenommen. Ich ging nach Hause und hatte die Fehlgeburt in meiner Badewanne. Ich weinte. Mein Mann, der nach Hause geeilt war, weinte. Uns ging es nicht gut. Wir sagten es niemandem. Jahre später bekamen wir zwei [Kinder]. Jetzt geht es uns gut.“

Es sind Geschichten, die auch Hoffnung machen – in all ihrer bittersüßen Tragik: „Ich hatte eine Fehlgeburt und ging ins Krankenhaus. Auf dem Ultraschall erkannte der Arzt, dass es Zwillinge waren. Wir hatten ein Baby verloren, aber eines war am Leben und lebensfähig. Ihr kennt alle unsere Hazel. Sie ist jetzt sieben Jahre alt.“

Auch Männer fanden auf Twitter den Mut, ihre Erfahrungen zu teilen: „Vor 30 Jahren verlor meine Frau unser erstes Kind. Wir waren beide am Boden zerstört.“ Der Mann verurteilte die teils harschen Kommentare und die Schadenfreude, mit der in Teilen des Internets auf Herzogin Meghans Geschichte reagiert worden war. „Im Gegensatz zu Meghan war meine wunderbare Frau nie diesen fürchterlichen Schmähungen ausgesetzt, die heute aus den Tastaturen dieser Rassisten quollen.“

In ihren Tweets forderten viele User, das Stigma des Themas Fehlgeburten zu beenden: „Sprecht darüber! Es ist ok, sich seinem Umfeld und der Gesellschaft zu öffnen und Trost zu suchen. Ihr seid nicht unzulänglich. Schämt euch nicht. Sprecht über eure Gefühle im Bezug auf Fehlgeburten oder wenn Ihr keine Kinder bekommen könnt.“

Eine Frauenärztin schrieb: „Als Frauenärztin ist die Nachsorge nach einem solchen Verlust eine meiner wichtigsten und ehrenvollsten Aufgaben. [...] Danke, Meghan und Harry, dass Ihr so mutig dazu beigetragen habt, diese Gespräche einfacher zu machen.“

Hilfsorganisationen, die Familien mit ähnlichem Schicksal unterstützen, lobten Herzogin Meghan für ihren Tabubruch. Sie zolle „Meghan Beifall für ihren Mut“, andere Menschen auf so „ausdrucksstarke Weise“ an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen, sagte die Leiterin von Mariposa Trust, Zoe Clark-Coates.

Markle gebe „Einblick in ein Thema“, über das oft nicht gesprochen werde, sagte Clark-Coates, deren Stiftung sich um Familien kümmert, die über eine Fehlgeburt oder den Verlust eines Kindes hinwegkommen müssen. Jedes Mal, wenn Prominente über Fehlgeburten sprächen oder eine Fernsehsendung das Thema behandle, meldeten sich deutlich mehr Betroffene als sonst und bäten um Unterstützung, fügte sie hinzu.

Eltern fühlen sich „weniger allein“

Ausdrücklich lobte Clark-Coates auch Markles Beschreibung von Prinz Harrys Schmerz und seinem offenen Umgang damit. Viele Paare hätten das Gefühl, über ihre Trauer nicht sprechen zu können, insbesondere, wenn sie bereits ein gesundes Kind hätten, sagte sie. Der „New York Times“-Beitrag sorge dafür, dass sie sich nun „weniger allein“ fühlten.

Das Stigma einer Fehlgeburt hindere viele Betroffene daran, sich Hilfe zu suchen, sagt auch Karen Burgess, deren Organisation Petals Menschen nach dem Verlust eines Babys berät. Burgess hofft, dass Markles freimütige Schilderungen anderen Menschen „das Gefühl gibt, dass sie dasselbe tun können“.

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