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Einen Herzinfarkt schnell erkennen, kann Leben retten. So deuten Sie Herzinfarkt-Anzeichen richtig.

Herzinfarkt erkennen: Anzeichen schnell und richtig deuten

Fast 40 Prozent aller Sterbefälle sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Und knapp 50.000 Menschen sterben bei uns jährlich an einem Herzinfarkt (auch: akuter Myokardinfarkt). Den Herzinfarkt erkennen und die Anzeichen richtig einordnen, kann Leben retten.

Bei Frauen sind Herzinfarkt-Anzeichen schwerer zu erkennen

Ein Herzinfarkt entsteht durch einen Verschluss der Herzkranzgefäße, hinter dem häufig ein Blutgerinnsel steckt. Der Herzmuskel wird dadurch nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und das Gewebe wird zerstört. Die Folgen können, je nach Größe des beschädigten Areals, gravierend sein. Gefährlicher Zeitverlust entsteht beispielsweise häufig durch die Verwechslung mit Herzrhythmusstörungen. Umso wichtiger ist es, die Symptome eines Herzinfarkts zu erkennen und beim geringsten Verdacht zu reagieren. Typische Herzinfarkt-Anzeichen sind:

  • Starkes Engegefühl in der Brust
  • Heftige, langanhaltende Schmerzen hinter dem Brustbein (können bis in den linken Arm, die Schultern oder den Kiefer ausstrahlen)
  • Ausgeprägtes Angstgefühl
  • Kalter Angstschweiß
  • Starke Oberbauch-Schmerzen
  • Brennen im Brustkorb
  • Atemnot
  • Bewusstseinsverlust
  • Blutdruckabfall
  • Blasse Haut

Vor allem bei Frauen macht sich ein Herzinfarkt auch durch Anzeichen bemerkbar, die nicht so leicht zu deuten sind. Übelkeit, Schwindel, Erbrechen oder Schmerzen im Rücken. Typische Beschwerden, die auch bei harmloseren Krankheiten auftreten, wodurch sie oftmals zu spät ernst genommen werden. Die Frage Herzinfarkt oder Arrhythmie bzw. Notarzt ja oder nein stellt sich also erst gar nicht, wenn Sie die möglichen Beschwerden kennen.

Notrufnummer 112 - jede Minute ist kostbar, wenn es ums Überleben geht

Nicht immer tritt ein Herzinfarkt nur nach schwerer körperlicher Anstrengung oder in Stresssituationen auf. Auch frühmorgens, direkt nach dem Aufstehen, sind Herzinfarkte möglich. Alarmieren Sie bei einem Verdacht den Rettungsdienst – auch am Wochenende oder nachts. Das kann Leben retten, denn jeder Herzinfarkt kann einen plötzlichen Herzstillstand hervorrufen. Bewahren Sie Ruhe und beantworten Sie die Fragen der Leitstelle sorgfältig. Es passiert immer wieder, dass der Notarzt nicht genau weiß, wo der Notfall stattfindet und so wertvolle Minuten verloren gehen. Die Therapie beginnt in dem Moment, in dem der Notarzt eintrifft. Er erkennt die Herzinfarkt-Anzeichen sofort und kann durch schnelles Handeln oft die nicht durchbluteten Teile des Herzmuskels retten. Solange Sie auf den Arzt warten, beruhigen Sie den Betroffenen, lagern den Oberkörper hoch und lockern gegebenenfalls zu enge Kleidung (etwa Krawatte oder Kragen). Bei Bewusstlosigkeit und fehlender Atmung, leiten Sie sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen ein.

Wie entsteht ein Herzinfarkt?

Ein sogenannter akuter Myokardinfarkt kommt nicht ohne Vorwarnung. Allein beim Betrachten des Lebensstils lässt sich eine Herzinfarkt-Gefahr erkennen:

  • Stress
  • ungesunde Ernährung
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • und zu wenig Bewegung

können langfristig Auslöser sein. Genau wie das Rauchen. Zusätzlich gibt es unbeeinflussbare Faktoren wie eine erbliche Vorbelastung oder das Alter. Männer haben im mittleren Alter ein erhöhtes Risiko, Frauen sind hier noch durch Hormone geschützt. Nach den Wechseljahren nimmt aber auch ihr Risiko zu.

In manchen Fällen ist es aufgrund unspezifischer Symptome schwer, Herzinfarkt-Anzeichen richtig zu deuten. Manchmal dauert es Tage oder Monate bis diese erkannt werden. Man spricht hier von „stummen Infarkten“, die oft auch im Zusammenhang mit Diabetes mellitus auftreten. Ein solcher stiller Infarkt ist einer der Hauptgründe, warum ein Herzinfarkt langfristig zum Tod führen kann. Das Gewebe ist vernarbt, die Belastbarkeit sinkt. Bei häufigem Auftreten von Symptomen wie Schmerzen in der Brust, Schwindel, Atemnot und dauernder Müdigkeit ist es sinnvoll, die Herzaktivität kontrollieren zu lassen. Besteht ein Verdacht, dann können Ärzte einen Herzinfarkt erkennen – auch im Nachhinein: durch ein EKG oder durch Herzenzyme. Diese werden bei einer Schädigung von Herzmuskelzellen freigesetzt und können im Blut nachgewiesen werden.

So beugen Sie einem Herzinfarkt vor

Bei einem Herzinfarkt ist ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig. Angewandt werden verschiedene Methoden wie Stents oder Bypässe, um die Gefäße offen zu halten. Durch die zahlreichen Behandlungsmethoden, die es heute gibt, kann das Sterberisiko nach einem Herzinfarkt stark gesenkt werden. Nach der Behandlung der akuten Symptome müssen die Betroffenen meist lebenslang Medikamente einnehmen, um einen erneuten Gefäßverschluss zu vermeiden.

Doch Medikamente allein genügen nicht. Neben dem Verzicht von Genussmitteln wie Alkohol oder Zigaretten, der Reduktion von Übergewicht und einer entspannteren Lebensweise, ist Bewegung das Wichtigste zur Vorbeugung eines (erneuten) Herzinfarkts. Allerdings sollten Menschen, die bereits Herzprobleme haben, sich vorab von einem Kardiologen beraten lassen und zum Beispiel in speziellen Koronarsportgruppen kontrolliert Sport treiben.

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