Parteien und Organisationen bezogen auf dem Markt Stellung. Foto: Kerstin Dannath

In Ostfildern haben verschiedene Parteien und Organisationen mit der Aktion „Herz statt Hass“ Position gegen Rechts bezogen.

Ostfildern - Die politische Stimmung in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Rassismus wird wieder salonfähig und rechtsextreme Ausschreitungen werden immer häufiger. Jüngst tötete ein 43-Jähriger in Hanau aus rassistischen Motiven neun Menschen, danach erschoss er seine Mutter und sich selbst. Grund genug für den Ostfilderner Ortsverein von Bündnis 90/Die Grünen, mit einer überparteilichen Aktion unter dem Motto „Herz statt Hass“ auf dem Ostfilderner Wochenmarkt Flagge gegen Rechtsextremismus zu zeigen.

„Wir wollen mit der Aktion ein Zeichen setzen“, sagt Kerstin Gärtner, Vorstandsmitglied der Ostfilderner Grünen, die die Idee zu der Aktion hatte und parteiübergreifend auf Zustimmung stieß. Innerhalb weniger Tage war alles organisiert, nur mit der Kommunikation unter den Parteien haperte es anfangs ein wenig. Dennoch waren Vertreter so ziemlich aller Fraktionen gekommen, zudem suchten Mitglieder des Freundeskreises Asyl und der Bürgerstiftung das Gespräch mit Passanten vor dem Stadthaus. „Wir wollen den Rechtsstaat unterstützen und halten es für unsere Aufgabe, Aktionen wie diese offensiv mitzutragen“, sagte Sonja Abele von der Bürgerstiftung. „In Ostfildern leben Menschen aus 124 Nationen miteinander“, betonte Ulla Zitzler, die Vorsitzende des Freundeskreis Asyl. „Da ist es umso wichtiger, Flagge zu zeigen. Denn auch unter den Geflüchteten wächst die Angst nach solchen Vorkommnissen wie in Hanau.“ Auch Thomas Hüsson-Berenz, Vorsitzender der SPD in Ostfildern, war dabei. Seine Partei habe viele Mitglieder, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, aber einen Migrationshintergrund haben. „Die haben nach den Ereignissen in Hanau Angst, auf die Straße zu gehen“, so Hüsson-Berenz betroffen. Für ihn gehöre die Freiheit zu den wichtigsten Grundrechten: „Und Freiheit heißt, ohne Furcht hier bei uns leben zu können.“

„Keinen Zentimeter Raum für diejenigen, die Hass säen“

Die Deutschen müssten begreifen, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei, ergänzte Zitzler. Für Ludger Eltrop von den Grünen heißt es deswegen, klare Kante gegen Rassismus zu zeigen: „Wir in Ostfildern wollen unsere Stimme erheben. Wir wollen zeigen, dass wir über alle Nationalitäten hinweg gern hier miteinander leben und es keinen Zentimeter Raum für diejenigen, die den Hass säen, gibt.“

Auch Marc Dreher, der für die Ostfilderner Linke im Kreistag sitzt, war dabei: „Der Anschlag von Hanau hat alle tief getroffen. Jetzt ist keine Zeit für parteipolitische Spielchen, es ist wichtig, ein klares Zeichen gegen Rechts zu setzen.“ Für ihn gehört der Anschlag am 19. Februar in eine lange Reihe rechtsextremistischer Taten, der seit den 1990er-Jahren in Deutschland mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. „Der Rechtsextremismus wurde viel zu lange verharmlost. Wir müssen den Kampf dagegen jeden Tag aufs Neue annehmen.“ Dass der Täter von Hanau sich Shisha-Bars ausgesucht habe, sei ein klares Zeichen: „Den Rechtsextremisten sind diese Bars ein Dorn im Auge. Denn sie sind ein wichtiger Bestandteil einer neuen Jugendkultur, die migrantisch geprägt ist.“

Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay lobte die Aktion: „Es ist wichtig, dass hier alle demokratischen Kräfte zusammenstehen und gemeinsam ein Zeichen setzen für ein weltoffenes Ostfildern.“ Er wies in diesem Zusammenhang auf erstmalige Teilnahme der Stadt an den bundesweiten Wochen gegen Rassismus vom 16. bis 29. März unter dem Motto „Gesicht zeigen – Stimme erheben“ hin.

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