Wie gerne würde VfB-Trainer Tayfun Korkut die Stärken der Stuttgarter regelrecht wieder „einfangen“ Foto: Baumann - Baumann

Fehlstart statt Erfolgsserie

StuttgartEs war ein Tag im Frühling, der VfB Stuttgart empfing in der Fußball-Bundesliga RB Leipzig und sah dem Aufeinandertreffen zufrieden und gelassen entgegen. Weil der Club unter dem damals neuen Trainer Tayfun Korkut zuvor vier Spiele gewonnen und eines unentschieden gespielt hatte. Nun ist September, der VfB Stuttgart trifft wieder auf RB Leipzig – aber unter ganz anderen Vorzeichen. Vier Spiele sind absolviert in dieser Bundesligasaison, der VfB hat noch keines gewonnen und ist überdies im Pokal ausgeschieden. Die Rückrunde der Saison 2017/2018 war ein Traum – der Start der Saison 2018/2019 ist bislang ein Graus. Dabei setzt der Coach auf die Faktoren und Systeme, die den VfB zuletzt stark gemacht hatten. Was also ist nun anders?

Das fehlende Spielglück: Wer es sich ganz einfach machen will, wählt diese Erklärung: Das Glück ist dem VfB nicht mehr hold. Nach seinem Amtsantritt hatte Korkut seinem Team Stabilität verpasst - und es war klar: Die wenigen Chancen, die sich vorne bieten, sollten genutzt werden. Was prächtig gelang. Das Team ging meist in Führung, konnte sich dann darauf konzentrieren, den Vorsprung ins Ziel zu retten und zog so die engen Partien auf seine Seite. „Wir mussten nicht aufmachen“, erinnert sich Korkut, „sondern haben oft lange geführt.“ Was wiederum nicht nur ein glücklicher Umstand war. Die Führung fiel schließlich nie vom Himmel – was zu Unterschied Nummer zwei führt.

Die mangelnde Torgefahr: Mit der Zahl der herausgespielten Chancen ist der Trainer im Grunde ganz zufrieden. „In der letzten Saison hatten wir teilweise weniger“, sagt Korkut. Doch seinerzeit saß oft der erste oder zweite Versuch. Das ist nun anders. „Uns fehlt gerade die Effektivität“, klagt der Coach und versichert: „Daran werden wir arbeiten.“ Eines dürfe dagegen nicht passieren: „Dass wir anfangen zu zweifeln.“ Gerade seinen Angreifern gibt er dies mit auf den Weg: „Stürmer brauchen Vertrauen, das bekommen sie von mir.“ In Daniel Ginczek fehlt allerdings einer, der viel für und mit Mario Gomez gearbeitet hat. Nun spielt Neuzugang Nicolas Gonzalez an Gomez’ Seite – und Korkut sagt auch mit Blick auf dieses Duo: „Wir sind im Prozess, dass die Spieler zueinander finden.“ Ein Satz, der zu Unterschied Nummer drei führt.

Das unfertige Personalpuzzle: Ein Plus der vergangenen Rückrunde war: Korkut fand zügig eine erfolgreiche Startformation. Durch die positiven Ergebnisse habe sich „schnell eine Dynamik entwickelt“, erinnert sich der Coach, „Vieles war schnell klar“. Aufgrund dieser Erfolge setzte Korkut auch in der Vorbereitung auf die Festigung des etablierten Systems statt auf eine Erweiterung des Repertoires. Nur: Plötzlich funktionieren die Abläufe nicht – obwohl größtenteils dieselben Spieler am Ball waren. Also versuchte Korkut sein Glück mit personellen Veränderungen und – gezwungen durch Rückstände – offensiven Auswechslungen. Bis auf Marc-Oliver Kempf und David Kopacz wurden bereits alle Feldspieler eingesetzt. Korkut erklärt das trotz nahezu identischem Stammpersonal mit einer „Findungsphase“, in der auch andere Teams steckten. Was auch mit Unterschied Nummer vier zu tun hat.

Die Dynamik im Kader: Wie gesagt: In der Rückrunde waren die Rollen schnell klar verteilt, das gemeinsame Ziel Klassenverbleib einte alle Beteiligten, die erfahrenen Haudegen spielten Hauptrollen. Doch nach der Sommerpause galt das Motto: Neue Saison, neues Glück. Oder: Neue Erwartungen. Bisherige Bankdrücker drängen ins Team. Die Neuen sind auch nicht gekommen, um nur die Bank zu wärmen. Und junge Spieler müssen herangeführt werden. „Es ist viel mehr Bewegung im Kader“, hat der Chefcoach festgestellt – und ist mehr als zuletzt gefordert, die Stimmungen und Erwartungen zu moderieren. „Damit müssen wir klarkommen“, sagt Korkut und weiß, was dabei helfen würde: „Positive Ergebnisse bewirken etwas in einer Gruppe.“

Zwei Chancen gibt es noch in dieser Woche, diese Effekte herbeizuführen – erst in Leipzig, dann gegen Werder. „Wir bleiben auf dem Weg, den wir eingeschlagen haben“, sagt Korkut, die Schwierigkeiten seien „nullkommanull außergewöhnlich“. Im Gegensatz zu einem Sieg in Leipzig - der nach dem 0:0 im März ein fünfter Unterschied wäre.

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