Beim VfB haben sich alle lieb, es gibt keine ausgeprägte Hackordnung. Foto: dpa - dpa

Der aktuelle VfB ist ein Team mit flachen Hierarchien. Eine ausgeprägte Hackordnung gibt es nicht. Stenzel, Castro, Gomez – alles Männer der leisen Töne.

StuttgartDer Star ist die Mannschaft – dieses unter Fußballtrainern weit verbreitete Credo besitzt auch bei Tim Walter oberste Priorität. „Es ist schwierig, in meinem Team von Säulen zu sprechen“, sagt der Chefcoach, wenn er nach den Leistungsträgern unter seinen Spielern gefragt wird: „Jeder erfüllt seine Aufgabe, es gibt auch schwächere Phasen - aber insgesamt ist die Entwicklung positiv. Die ganze Truppe hat ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Die Ansage macht der Trainer

Tatsächlich präsentiert sich der VfB in seiner Version 2019/20 bisher als ein Team ohne Sonderlinge der Marke Pablo Maffeo, der bis zur seiner Demission im Sommer zum FC Girona bekanntlich quer im Stall stand. Vielmehr ist das aktuelle Stuttgarter Team eines mit einer ausgeprägt flachen Hierarchie. „Die Ansagen mache ich“, sagt Tim Walter ja gerne.

Doch das Fehlen einer ausgeprägten Hackordnung hat auch andere Gründe. Es liegt zum einen daran, dass mit dem Edelreservisten Mario Gomez und dem derzeit verletzten Daniel Didavi zwei Führungsfiguren der Vorsaison ihre ganz persönlichen Probleme haben – und andere Leitwölfe von einst, wie etwa der langjährige Kapitän Christian Gentner und der meinungsstarke Ron-Robert Zieler, inzwischen nicht mehr in Stuttgart spielen.

Doch auch innerhalb des auf 20 Positionen neu zusammen komponierten VfB-Teams, das den direkten Wiederaufstieg als klares Saisonziel mit auf den Zweitliga-Weg bekommen hat, konnten sich bereits einige Stützen heraus kristallisieren. Und dies, obwohl Tim Walter bisher bereits 25 Profis eingesetzt hat, es für viele Akteure also häufiger rein und raus ging.

Männer der leisen Töne

Sämtliche 14 Pflichtspiele hat bisher lediglich der rechte Verteidiger Pascal Stenzel bestritten, der zudem auch auf die meisten Ballkontakte beim VfB kommt. Doch Stenzel ist zwar ein Profi mit einer klaren Meinung, schlägt aber lieber die leiseren Töne an.

Wie Stenzel hat auch Marc Oliver Kempf eine Freiburger Vergangenheit. Der 24-Jährige hat sich nach rund einem Drittel der Saison als eine wichtige Säule im Team erwiesen. Lediglich zwei Spiele hat der Innenverteidiger wegen Oberschenkelproblemen verpasst, dem als Kapitän naturgemäß eine tragende Rolle zukommt. „Wenn er fit ist, spielt er immer“, sagt Tim Walter – wohlwissend, dass auch Kempf vom Naturell her anders als in den Zweikämpfen auf dem Platz ein eher zurückhaltender Typ ist.

Geht es auf der Suche nach den Leistungsträgern beim VfB um das Charisma, ist der kantige Holger Badstuber der klare Chef im Ring. Sportlich ist der stark aufspielende Holger Badstuber in dieser Spielzeit – anders als in der Abstiegssaison – über jeden Zweifel erhaben.

Der Innenverteidiger ist nicht nur ein stabilisierendes Element in der Viererkette, er verdient sich auch gute Noten im Aufbauspiel – und kann sich aktuell wie im Spiel gegen Kiel mit seiner „Muschi“-Affäre nur selber stoppen. Logisch, dass der Routinier im Gastspiel an diesem Samstag in Osnabrück in die Startelf zurückkehrt.

Noch stillere Oberhäupter

Doch es gibt auch stillere Oberhäupter beim VfB: Gonzalo Castro zum Beispiel, der sich als fachfremder Linksverteidiger in den Dienst der Sache stellt – und der von Trainer Walter dafür schon fast Dankbarkeit erntet. „Er macht das fantastisch“, lobt der Chefcoach, dem für links hinten derzeit die Alternativen fehlen.

Doch auch aus dem Kreis der Jungen tun bislang sich zwei Akteure besonders hervor: Da ist zunächst der Torhüter Gregor Kobel, der ein zuverlässiger Rückhalt ist – und da ist Nicolas Gonzalez. Der Chancentod von einst hat sich bereits zum Nationalspieler Argentiniens gemausert.

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