Lena Leukert (Mitte) wird gestoppt. Neun Mal aber setzt sich die beste Nellingerin aus dem Spiel heraus durch. Foto: Herbert Rudel - Herbert Rudel

Den Nellingerinnen fehlen Ruhe, Konzentration und Beherztheit, um einen an diesem Tag ebenfalls schwachen Gegner zu besiegen.

OstfildernEs war eines dieser Spiele, die man später in einen Lernprozess einordnen wird. Zunächst einmal herrschte bei den Drittliga-Handballerinnen des TV Nellingen nach der 29:31 (18:17)-Niederlage gegen den HCD Gröbenzell einfach nur Enttäuschung. Darüber, dass es das Team verpasst hatte, durch einen Sieg gegen einen Tabellennachbarn und Konkurrenten im Abstiegskampf einen Sprung nach vorne zu machen. Darüber, dass bei den Nellingerinnen in einem von Fehlern geprägten Spiel noch mehr schief gegangen war als bei den Gegnerinnen. Darüber, dass bei mehr Ruhe, Konzentration und Beherztheit ein Erfolg nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich gewesen wäre.

Wäre ein verspäteter Zuschauer etwa zehn Minuten vor dem Spielende erst in die Halle gekommen und hätte nicht auf die Uhr geschaut, er hätte glauben können, es seien beim Spielstand von 25:26 nur noch wenige Sekunden zu spielen. So hektisch und kopflos agierten die Nellingerinnen in Richtung Tor. Dabei waren sie während der Begegnung einige Male zurückgelegen, hatten einige Male aufgeholt, hatten kurzzeitig die Führung übernommen. Weil die Gröbenzellerinnen genauso schwach in der Abwehr agiert und – fast – genauso viele Fehlwürfe und Abspielfehler fabriziert hatten. Schön war es nicht anzusehen, dieses Drittligaspiel.

Nellingens Spielmacherin Chiara Baur hatte in der Schlussphase eine Sonderbewachung bekommen, und den Mitspielerinnen fielen keine Lösungen ein. Obwohl das keine neue taktische Variante des Gegners war. „Da merkt man die fehlende Struktur, die fehlende Hierarchie“, analysierte Trainerin Veronika Goldammer gewohnt sachlich. Und machte wie gewohnt keinen Vorwurf. Die Spielerinnen sind jung. Im Gegensatz zu Begegnungen mit gestandenen Top-Teams, in denen sie befreit aufspielen und ihr Talent zeigen konnten, hatten sie diesmal den Druck, gegen einen punktgleichen Gegner in eigener Halle gewinnen zu sollen. „Überraschenderweise hat auch die Aggressivität gefehlt“, sagte Goldammer – für die es dann doch nicht so überraschend war: „Man hat den Druck schon gespürt.“

Wie schwankend die Leistung bei beiden Teams ist, war zumindest 50 Minuten lang zu spüren. Beide offenbarten in der Abwehr große Lücken, was beide aufgrund der Abschlussschwäche aber nicht konsequent nutzten. Nur in der Schlussphase gewann ein Team an Sicherheit – das aus Gröbenzell. Auf Nellinger Seite hatten lediglich bei Lena Leukert die Aktionen meistens den nötigen Druck.

Jetzt in Möglingen gefordert

Die Enttäuschung war da, und sie war verständlich. Die Spielerinnen wissen, dass sie besser Handballspielen können. Und dass sie aus solchen Spielen lernen müssen. Und werden. „Wir haben zu viele Fehler gemacht und waren am Ende zu unkonzentriert“, sagte Caroline Maier, in Sachen Zupacken eine der Vorangeherinnen, selbstkritisch. Am kommenden Samstag tritt das jetzt mit 5:11 Punkten auf Platz acht stehende Team beim Vorletzten TV Möglingen an. Da haben die Nellingerinnen wieder den Druck des Gewinnensollens. Wenn nicht gar des Gewinnenmüssens. Maier hatte den Kopf wenige Minuten nach dem Spielende schon wieder oben: „In Möglingen werden wir gewinnen.“

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