Die Herrenbergerin Manuela Sebastian erfüllte sich mit dem Besuch des Wintermarkts in Jokkmokk einen Traum. Foto: Privat

Seit Manuela Sebastian das erste Mal nach Nordschweden gereist ist, lässt der hohe Norden sie nicht mehr los. Nun hat sie sich einen Traum erfüllt.

Temperaturen unter minus 20 Grad? Für Manuela Sebastian kein Problem. Die Herrenbergerin hat sich jüngst einen Traum erfüllt und eine ganz besondere Veranstaltung besucht: den Samenmarkt in Jokkmokk in Nordschweden. Die Samen sind das indigene Volk Lapplands, ihr Siedlungsgebiet umfasst den Norden Norwegens, Schwedens, Finnlands und Teile Russlands.

In Jokkmokk, das etwa fünf Kilometer nördlich des Polarkreises liegt, kommen viele Samen einmal im Jahr auf dem Wintermarkt zusammen. Die Gemeinde schreibt auf der Veranstaltungshomepage von einer mehr als 400-jährigen Tradition, die zahlreiche Gäste anlocke. Vergangenes Jahr hätten demnach 53 500 Menschen die normalerweise nur 3000 Einwohner zählende Gemeinde besucht. Dieses Jahr mit dabei: Manuela Sebastian und ihre drei Reise-Gefährtinnen.

Auf der Suche nach Einfachheit und Ruhe

Manuela Sebastians Herz schlägt für den hohen Norden, die Freundlichkeit der Menschen und die Abgeschiedenheit, die sie dort findet. In der Unterkunft, etwa 65 Kilometer von Jokkmokk entfernt, in der die kleine Reisegruppe in diesem Jahr untergekommen war, gab es kein fließend Wasser und keinen Strom, erzählt die Herrenbergerin rückblickend. „Das ist für mich ein ganz besonderer Ort, er strahlt so eine Ruhe aus“, sagt sie.

Bereits zweimal ist die 68-Jährige im Sommer nach Nordschweden gereist, um für jeweils drei Wochen Freiwilligenarbeit zu leisten, wie sie 2024 in unserer Zeitung berichtet hatte. Sie arbeitete in einem kleinen Café, bediente Kunden, buk Kuchen und lernte die samische Kultur kennen.

Sebastian, die Erzieherin und Fachwirtin für Sozialwesen war, mag den Kontakt zu den Menschen dort. Das habe ihr auch bei ihrer aktuellen Reise am besten gefallen: die Gespräche vor Ort. Fotos, die sie mitgebracht hat, zeigen Menschen in bunten, reich verzierten Trachten, eine dick eingemummelte Manuela Sebastian und viele Rentiere.

Kunsthandwerk, aber auch „billiger Ramsch“

Rentiere als Zuchttiere der Samen spielen auf dem Wintermarkt ein zentrale Rolle. Bei Sebastian hat vor allem ein Rentierrennen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Da legt man sich bäuchlings auf einen Schlitten, der von Rentieren gezogen wird, und die Rentiere rennen in Windeseile los.“

Die Herrenbergerin Manuela Sebastian hat im hohen Norden einen Sehnsuchtsort gefunden. Foto: Anke Kumbier

Das Programm des Wintermarkts ist ansehnlich: Es gibt Vorträge zu Gegenwart und Geschichte der Samen, Konzerte, Ausstellungen und Stände mit Kunsthandwerk – aber auch viele mit „billigem Ramsch“, wie Sebastian, die selbst upgecycelte Produkte auf Märkten verkauft, etwas ernüchtert feststellt.

Joiken – ein traditioneller Gesang der Samen

Als einen der Höhepunkte bezeichnet Manuela Sebastian den Besuch eines Joik-Konzerts. Joiken ist der traditionelle, kehlige Gesang der Samen. Er war lange Zeit verboten und wurde unterdrückt, heute ist er wieder zu hören. Bereits in ihrer Unterkunft im Wildnisdorf Solberget habe ein Same ihnen die Bedeutung des Joikens erklärt, sagt Sebastian. „Man joikt nicht über etwas, sondern man joikt etwas.“ So habe der Same verschiedene Tiere gejoikt, beispielsweise einen Hasen – und tatsächlich hätten sie nach einer Weile zumindest manche Tiere zuordnen können.

Die nächste Reise in den Norden hat Sebastian noch nicht gebucht, sagt aber: „Vom Gefühl her war ich nicht zum letzten Mal dort oben.“ Vor allem der Winter hat es ihr angetan – trotz Temperaturen um minus 27 Grad bei Nacht und minus 14 Grad am Tag. Dafür gäbe es keine Mücken, die sie im Sommer beinahe aufgefressen hätten, sagt sie schmunzelnd – stattdessen strahlend blauen Himmel, Sonnenschein und glitzernden Schnee.