Der Heimerdinger Förster Steffen Frank hegt und pflegt im Strohgäu gut 1000 Hektar Wald. Stets an seiner Seite ist die Dackeldame Dana. Foto: Simon Granville

Der Wald ist seine zweite Heimat: Steffen Frank ist seit mehr als drei Jahrzehnten der Chef des Forstreviers Heimerdingen. Manche Sorge bereitet ihm schlaflose Nächte.

Dackeldame Dana macht es sich im Fußraum des Beifahrersitzes bequem, wenn sie mit Steffen Frank ins Grüne fährt. Und das täglich, denn ihr Herrchen ist Herr über gut 1000 Hektar Wald: Seit mehr als drei Jahrzehnten leitet Steffen Frank das Forstrevier Heimerdingen, wo er fast jeden Baum kennt. „Hat ein Förster sein Revier gefunden, schlägt er Wurzeln. Das ist jedenfalls in unserer Generation so.“ Im Wald sei er oft mit Praktikanten oder Studenten unterwegs – aber auch viel allein. Steffen Frank blickt zu Dana, dem inzwischen dritten Dackel der Familie. „Einen Begleiter zu haben, ist schön. Ich bin mit Dackeln aufgewachsen“, erzählt er. Die achtjährige Dana ist derweil zwischen Weizenhalmen verschwunden.

Dort, auf Hemminger Gemarkung, haben die Gemeinde und die Stadt Ditzingen als Ausgleichsmaßnahme für laufende und baldige Bauprojekte zweieinhalb Hektar Ackerland aufgeforstet. Steffen Frank, beteiligt an Planung und Umsetzung, freut sich: „Es ist eine Fläche von drei Fußballfeldern an neuem Wald entstanden, der auch CO2 bindet.“

Der Klimawandel macht dem Wald zu schaffen – und dem Förster

13 310 Bäume und Sträucher wurden gepflanzt: Traubeneichen, Hainbuchen, Winterlinden oder Elsbeeren, „besonders trockenresistente und somit zukunftsfähige Baumarten“. Der Weizen schützt die jungen Bäume etwa vor Brombeeren, damit sie nicht überwuchert werden. Die Wiederbewaldung landwirtschaftlich genutzter Flächen – zumal in dieser Größe – gilt im waldarmen Landkreis Ludwigsburg als Seltenheit. Wald, sagt Steffen Frank, werde es immer geben. Jedoch verändere er sich wegen des Klimawandels. „Es wird wärmer und trockener.“ Das macht den Bäumen zu schaffen. So sterbe die Fichte aus, die letzten Pflanzungen im Revier gab es vor mehr als 25 Jahren. Ebenso treibt das Wetter den Förster um. Er sei angespannt, in manchen Nächten auch schlaflos. „Da hängt man emotional mit drin.“ Perfekt für den Wald sei ein „schöner verregneter Mai und Juni“. Der dringend nötige Regen kam jetzt im Juli. Frank: „Der Juli rettete uns den Kopf. Der Regen kam den Altbäumen zugute, sodass sie dieses Jahr nicht unter Stress stehen.“

Sein Revier, zu dem der kommunale und private Wald Ditzingens, Hemmingens und Eberdingens gehört, besteht zu 85 Prozent aus Laubholz. Der Rest sind Nadelbäume. Angesichts des Klimawandels setze man auf Verjüngung samt Jungbestandspflege und einen Mix aus trockenresistenten Baumarten. Da müsse man den Blick auch auf Fremdländer wie die Libanon-Zeder richten, sagt Steffen Frank. Zedern würden im Strohgäu bisher nur versuchsweise gepflanzt; im Frühjahr soll der Wald um 600 Libanon-Zedern reicher sein.

Der Wald im Forstrevier Heimerdingen besteht zu 85 Prozent aus Laubbäumen. Der Rest sind Nadelbäume wie Zedern. Foto: Simon Granville

Der Wald als Spielwiese: Hier werden Bäume auch versuchsweise gepflanzt

In gewissem Maß ist der Wald für den diplomierten Forstwirt also auch eine Spielwiese: Steffen Frank pflanzt neben bewährten Arten neue und wartet, wie sie gedeihen. In Stuttgart hat er etwa den Zirkelbaum entdeckt. Und daraufhin je 100 Stück für Schöckingen und Eberdingen besorgt. „Förster sind immer neugierig.“

Steffen Frank liebt es, die Natur gestalten zu können und dem Wald seine Handschrift zu verpassen. Es gelte, ihn zu formen und zu prägen und ihn der Nachwelt in einem noch besseren Zustand zu hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat.

Gleichwohl, für die dicken Eichen könne er, Frank, nichts, die hätten die Vorgänger gepflanzt. „Sie stehen noch, wenn es uns nicht mehr gibt.“ Förster denken in langen Zeitabschnitten. „30 Jahre sind nichts für einen Wald. Wir sind auf 150 Jahre festgelegt.“ Zudem habe er in den letzten Jahren viel reagieren müssen wegen Stürmen und Trockenheit. „Förster ist kein Job, das muss man mit Passion sein.“

Der Förster spricht von einem „Forst-Gen“ in seiner Familie

Schon als Kind wollte Frank Förster werden. Wie sein Vater, ein leidenschaftlicher Jäger, der dann aber den Elektrobetrieb übernahm. „Das Forst-Gen ist bei uns ein bisschen drin“, meint Steffen Frank und lacht. Seine zwei Söhne sind auch in dem Bereich tätig. Der Nachwuchs ist wichtig: In den nächsten Jahren gibt es laut Frank viele Pensionäre, ihn inklusive. „Wir bilden im Landkreis aus, denn wir brauchen für die Zukunft gute Forstleute.“ Revierleiter im gehobenen Dienst sei ein begehrter Job, dagegen seien Forstwirte etwas schwieriger zu finden – die Konkurrenz durch die Autobranche sei groß.

Die Digitalisierung hält auch im Forstbereich Einzug. Die Verwaltung erfolgt am Computer. Steffen Frank zeigt auf dem Smartphone Waldkarten. Die Markierungen und Zeichen lassen Forstarbeiter vor Ort problemlos die vom Borkenkäfer befallenen Bäume finden oder auch Ameisenhügel – die grünen Punkte auf der Karte. „Viele Kleinigkeiten haben sich verändert“, stellt Frank fest: Der Schutz der Waldameisen wurde verstärkt, die Zeiten für gewisse Mäharbeiten wurden verschoben.

„Ohne Wald geht’s nicht“, sagt der Förster

Steffen Frank ist Förster mit Leib und Seele. Ist er nicht jobbedingt im Wald, sucht er das Grüne privat. „Ohne Wald geht’s nicht“, sagt er, der sich in drei Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Und wohl auch dann dieses Problem, wie er es nennt, nicht lösen wird: „Ich kann nicht mehr unbefangen durch einen anderen Wald gehen.“

Lukrativer Holzverkauf?

Holzverkauf
Der Holzverkauf ist die einzige Einnahmequelle der Waldbesitzer, die bezogen auf das Forstrevier Heimerdingen vorwiegend die Kommunen Ditzingen, Hemmingen und Eberdingen sind. „Trotz dieser Einnahmen sind wir bei den Gemeindehaushalten mal bei einer roten Null, wenn es gut läuft auch mal bei einer schwarzen Null, das heißt, die Haushalte sind in etwa ausgeglichen“, sagt der Revierförster Steffen Frank. Angewiesen auf derlei Einnahmen seien die Kommunen nicht. Zumal der Wald für die Bevölkerung noch andere – bedeutsamere – Funktionen habe. „Viel wichtiger ist er als Erholungsraum, Erosionsschutz, Wasser- und CO2-Speicher. Die monetäre Seite kann man – zumindest hier im Ballungsraum – getrost vernachlässigen.“

Holzbedarf
In den vergangenen 20 Jahren hat der Brennholzbedarf der Bevölkerung laut Frank wieder deutlich zugenommen. „Holz ist heimelig und auch preiswert, sofern man die Arbeit nicht scheut, das erworbene Brennholz-lang oder die Flächenlose selbst kleinzusägen und abzutransportieren.“ Die jährlich einzuschlagende Holzmenge gebe das Regierungspräsidium vor. „Wir nutzen den Wald mit all seinen Funktionen nachhaltig“, sagt Frank. Den Begriff habe vor gut 300 Jahren die Forstverwaltung geprägt.