Ein ungewohnter Anblick: Die Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn und der Nabu haben eine Führung durch den Tunnel bei Hirsau organisiert. Foto: Simon Granville

Nach weiteren Verzögerungen ist klar, dass die Hermann-Hesse-Bahn doch erst kommendes Jahr in Betrieb genommen werden kann. Inzwischen sind mehrere Teilprojekte wie der Iris-Tunnel sowie die neuen Bahnsteige in Renningen und Weil der Stadt weitgehend abgeschlossen.

Dass Großprojekte zum geplanten Termin fertiggestellt werden, ist inzwischen eher die Ausnahme als der Standard. Die Hermann-Hesse-Bahn reiht sich nahtlos ein: Als feststand, dass die Eröffnung der Zugstrecke 2023 nicht mehr möglich sein wird, setzten die Beteiligten im Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn ihre Hoffnung auf 2024 – doch auch daraus ist nichts geworden. Stattdessen ist die Inbetriebnahme der neuen Bahnverbindung zwischen Calw und der Region Stuttgart nun für Ende 2025 vorgesehen.

Was bisher geschah...

Die Hermann-Hesse-Bahn soll die Trasse der einstigen Schwarzwaldbahn wiederbeleben, die 1988 stillgelegt worden ist. Bereits 1994 erwarb der Landkreis Calw die Strecke zwischen Calw und Weil der Stadt. Danach dauerte es aber noch viele Jahre, bis aus den ersten Ideen zu einer Reaktivierung ein fertiges Konzept wurde. 2017 schließlich wurde der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn gegründet, der das Projekt verwaltet, als ein Zusammenschluss des Landkreises Calw sowie der Kommunen Calw, Althengstett und Ostelsheim. 2020 begannen die Bauarbeiten.

Vor allem die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Projekts hatte in der Vergangenheit böses Blut hervorgerufen. Wirtschaftlich sei die Hesse-Bahn nämlich nur, wenn deren Züge nicht nur bis Weil der Stadt fahren, sondern weiter bis Renningen, hieß es in den Untersuchungen. Der Landkreis Böblingen befürchtete Verspätungen der S-Bahn, wenn diese sich den Abschnitt zwischen Weil und Renningen mit der Hesse-Bahn teilt. Der Kompromiss: Die Hesse-Bahn fährt nur außerhalb der Hauptverkehrszeiten bis Renningen und endet ansonsten in Weil der Stadt. Der Kreis Calw ist mit diesem Kompromiss verständlicherweise nicht zufrieden.

Holger Schwolow, Technischer Geschäftsführer des Zweckverbandes Hermann-Hesse-Bahn, erläutert den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Führung das Projekt. Foto: Simon Granville

Viele Bauabschnitte sind inzwischen abgeschlossen oder stehen kurz vor der Vollendung. An anderen Stellen stehen aber immer noch Genehmigungen von höheren Behörden aus, was bereits vor Jahren Schwierigkeiten mit Blick auf den vorgesehenen Starttermin bereitete. Auch Lieferengpässe hatten in der Vergangenheit zu Verzögerungen geführt.

Aktueller Baufortschritt

„Das Projekt schreitet weiter gut voran“, sagt Valerie Nußbaum, Sprecherin des Kreises Calw. Aktuell werden Schienen auf der kompletten Trasse verlegt. Dabei handelt es sich allerdings um sogenannte „Arbeitsschienen“, der eigentliche Schienenausbau folgt im September. Parallel zu den Gleisarbeiten wird am Rettungskonzept gearbeitet, also an den Signalanlagen und den Funkanlagen in den Tunneln.

„Der Starttermin wurde nach 2025 verschoben, da wir aktuell noch Ausschreibungen zu verschiedenen Ausbauarbeiten laufen haben sowie auf die Planfeststellungsbeschlüsse aus Karlsruhe warten“, erklärt Valerie Nußbaum. „Diese wurden uns seitens des Regierungspräsidiums aber in Aussicht gestellt.“ Um zeitnah weitermachen zu können, hat der Zweckverband bereits einen Antrag auf vorzeitigen Baubeginn gestellt, vor allem mit Blick auf die Tunnel.

Wie weit sind die Tunnelarbeiten?

Zu den bekanntesten Teilprojekten der Hermann-Hesse-Bahn zählen die diversen Tunnel auf der Strecke. Der neue 500 Meter lange Iris-Tunnel mitten durch den Hacksberg bildet das größte Einzelprojekt der Hermann-Hesse-Bahn. Er verbindet auf direktem Weg Ostelsheim und Weil der Stadt, wodurch die sogenannte Hacksbergschleife um den Berg herum obsolet wird.

In den Bestandstunneln haben sich zwischenzeitlich Fledermäuse angesiedelt, die nicht gestört werden sollen. Foto: Simon Granville

Die Arbeiten am Iris-Tunnel sind inzwischen abgeschlossen, nur die Signal- und Funktechnik befindet sich noch in der Vergabe. Die Arbeiten an den Bestandstunneln sollen nach den Plänen des Zweckverbands noch dieses Jahr weitergeführt werden – daher auch der Antrag beim Regierungspräsidium Karlsruhe. Diese Bestandstunnel waren in die Schlagzeilen geraten, weil sich dort infolge der Stilllegung zahlreiche Fledermäuse angesiedelt hatten. Der Naturschutzbund hatte daher gegen eine Reaktivierung geklagt. Eine „Fledermauskammer“ soll alle Beteiligten zufriedenstellen.

Eine davon entsteht im Tunnel bei Hirsau. Sie wird künftig etwa ein Drittel der Tunnelröhre der Länge nach so abtrennen, dass die Fledermäuse, die den Tunnel als Winterquartier und Schwärmraum nutzen, sich in ihrem Teil des Tunnels ungefährdet tummeln können, erklärt Holger Schwolow, Technischer Geschäftsführer des Zweckverbandes. Die Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn und der Nabu Calw hatten vor wenigen Wochen zu einer Besichtigung des Tunnels eingeladen, um mehr über das Projekt zu erfahren.

Im Inneren des Tunnels... Foto: Simon Granville

Die Erwartung der Planer ist, dass die Tiere sich von ihrem angestammten, wenn auch jetzt schmaleren Winterdomizil stärker angezogen fühlen als von der Zugröhre. „Wir haben das schon vor rund fünf Jahren zunächst mit einem Provisorium erprobt, da hat das schon sichtbar geklappt“, so Schwolow. Die Fertigstellung ist für die erste Jahreshälfte 2025 vorgesehen.

Zwei Endbahnhöfe

An den Bahnhöfen in Renningen und Weil der Stadt sind und waren größere Umbauten notwendig, damit die Hesse-Bahn dort halten kann. In Weil der Stadt sind die Arbeiten am sogenannten „Hausbahnsteig“ soweit abgeschlossen, berichtet Valerie Nußbaum. Zwar soll die Hesse-Bahn nach Möglichkeit am S-Bahnsteig halten. Ist dieser jedoch belegt, hält sie einige Meter entfernt an einem eigenen Bahnsteig. „Der steht und ist gepflastert. Dort fehlt nun nur noch die Ausstattung mit Mülleimern, Wartehäuschen und so weiter.“

...bieten sich den Teilnehmenden interessante Einblicke. Foto: Simon Granville

In Renningen, wo sogar ein ganz eigener Gleisabschnitt gebaut werden musste, stehen noch unterschiedliche Arbeiten aus, beispielsweise fehlen noch Oberleitungen und drei Weichen, die aber erst nächstes Jahr angelegt werden.