Von Dezember an sollen wieder mehr Nachtzüge fahren. Baden-Württemberg profitiert davon allerdings kaum. Foto: ÖBB/Max Wegscheider

Die von Politik und Bahngesellschaften beschworene Renaissance europäischer Nachtzugverbindungen nimmt konkrete Forman an. Der Südwesten wird dabei aber größtenteils links liegen gelassen – mit einer erstaunlichen Begründung.

Stuttgart - Wenn von kommenden Dezember an wieder Nachtzüge die europäischen Metropolen Wien und Paris miteinander verbinden, rollen die Wagen zwar auch durch die Region Stuttgart. Mögliche Reisende können aber nur hinterherschauen.

Einen Halt in Stuttgart wird es nicht geben. Das bestätigt ein Sprecher der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die die neue Verbindung anbieten. „Stuttgart und Ulm werden aufgrund hoher Stationspreise und ungünstiger zeitlicher Lage nicht bedient“, erklärt ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder. Im Klartext: Die Gebühren, die bei einem Halt in Stuttgart und Ulm für die Zugbetreiber anfallen würden, stehen in keinem Verhältnis zu den Passagierzahlen, die angesichts der Abfahrtszeiten zu erwarten wären. In Karlsruhe hingegen hält der Zug – um die Lokomotive zu wechseln. Aber auch Aus- und Einstiege sollen dort möglich sein. Allerdings darf dann das Schlafbedürfnis nicht allzu ausgeprägt sein. Von Wien kommend erreicht der Zug die badische Metropole um 3.30 Uhr, weiter in Richtung Paris geht’s um 4.12 Uhr. Die französische Hauptstadt wird um 9.40 Uhr erreicht.

Angebot in Karlsruhe für Frühaufsteher

Damit bleibt die im Dezember vergangenen Jahres vom Bundesverkehrsministerium im Verbund mit den Staatsbahnen aus Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz verkündete Renaissance der Nachtzüge für den deutschen Südwesten zunächst einmal ohne größere Auswirkungen. In einem Stufenkonzept sollen nach und nach neue Linien etabliert oder bestehende Verbindungen verlängert werden. In einer ersten Stufe startet im Dezember 2021 die genannte Linie zwischen Paris und Wien – fünf Jahre nachdem sich die Deutsche Bahn aus dem Geschäft mit den Nachtzügen verabschiedet hat.

Mit „attraktiven Nachtzugangeboten auf der Schiene sind wir künftig in Europa noch klima- und umweltfreundlicher unterwegs. Das ist ein ganz konkretes Ergebnis unseres Schienengipfels und unserer EU-Ratspräsidentschaft“, hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) noch im Dezember bei der Vorstellung des Konzepts gesagt.

Für einen dichteren Fahrplan fehlen Fahrzeuge

Dass das Wiederbeleben der Idee, nachts auf Schienen zu reisen, nicht ganz trivial ist, zeigt auch das Angebot von kommenden Dezember an. Die Züge zwischen Donau und Seine fahren nur drei Mal die Woche. „Wir fahren nicht täglich, da wir im Jahr 2022 noch nicht ausreichend Fahrzeuge für einen täglichen Betrieb zur Verfügung haben“, so der ÖBB-Sprecher. Eine tägliche Verbindung sei geplant „und sollte spätestens 2024 umgesetzt werden“.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Städte im Südwesten könnte sich indes noch ergeben. Der Fahrplan sei so bei der Netztochter der Deutschen Bahn beantragt, sagt der ÖBB-Sprecher. Eine Bestätigung stehe noch aus, sie solle im Juli erfolgen. Ob dann doch noch Halte in Stuttgart oder Ulm möglich werden, bleibt abzuwarten.