Das geplante Aus für Öl- und Gasheizungen verunsichert die Menschen im Kreis Göppingen. Manche erwägen, den geplanten Umstieg durch den Kauf eines herkömmlichen Modells noch in diesem Jahr zu umgehen.
Noch ist das neue Gebäudeenergiegesetz nicht beschlossen, aber die Richtung ist klar: Weg von fossilen und hin zu erneuerbaren Energien. Es sind noch viele Fragen offen zu Fristen und Förderung. Die Heizungsfrage treibt die Hauseigentümer längst um. Der Einbau neuer Ölheizungen soll ab dem kommenden Jahr verboten werden, der Einbau einer Gasheizung in Bestandsgebäuden weiter erlaubt sein, wenn sie zu 65 Prozent mit grünen Gasen oder als Hybridheizung betrieben wird. „Die Bürger sind völlig verunsichert“, sagen Volker Breusch und Rainer Häfele, die beiden Obermeister der Innung für Sanitär, Heizung und Klempnerei. Die Telefone stehen bei ihnen nicht mehr still, Beratungsgespräche seien sehr zeitintensiv.
Planungssicherheit für die kommenden 20 oder 25 Jahre
„Viele wollen dieses Jahr noch eine neue Gasheizung“, sagt Rainer Häfele und das seien nicht nur die Älteren. Planungssicherheit für die kommenden 20 oder 25 Jahre soll so geschaffen werden. Viele wollen sich nicht mit teuren Sanierungen und der Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Wärmepumpe, vor allem in Altbauten, herumschlagen. „Vor allem bei den Vermietern wird jetzt noch schnell gehandelt“, beobachtet Häfele. Manche wollen bereits eine erst fünf Jahre alte Gasheizung erneuern lassen. Nach Bundesminister Robert Habecks Plan soll es jetzt sehr schnell gehen, in acht Monaten soll Schluss mit reinen Gasheizungen sein. „Das geht eigentlich in die völlig falsche Richtung“, meint Häfele mit Blick auf die politisch gewollte und für das Klima notwendige Energiewende und fügt an: „Mit einer längeren Frist wären vernünftige Lösungen möglich.“
Guter Rat ist teuer, derzeit aber fast unmöglich, so Volker Breusch: „Eine fundierte Auskunft können wir eigentlich gar nicht geben“, sagt Breusch, der derzeit noch Förderanträge vom vergangenen Jahr abarbeitet. Man schieße mit der kurzen Frist übers Ziel hinaus, ein funktionierendes System werde kaputt gemacht, Ängste würden geschürt, meint Rainer Häfele. Die Heizungsbauer fragen sich, wie bei Gasheizungen, die neu eingebaut werden, 65 Prozent regenerative Energien realisiert werden sollen. Wasserstoff könne nicht die Lösung sein, es gebe zu wenig und zu teuer sei er auch. Fernwärme sei für die meisten mangels Netzanschluss nicht möglich.
Pelletheizungen kosten bis zu 40 000 Euro
Vielen Eigentümern stehen bei den Kosten für eine neue Heizung regelrecht die Haare zu Berge, berichten sie. Während eine Gasheizung mit rund 15 000 Euro zu Buche schlägt, müssen bei Pelletheizungen bis zu 40 000 Euro veranschlagt werden. Sind Wärmepumpen die Lösung? „Wärmepumpen kommen auch in älteren Gebäuden in Frage“, sagen die Fachleute, aber die Voraussetzungen müssten stimmen. Eine genaue Bestandsaufnahme sei nötig, eine Fußbodenheizung nicht zwingend erforderlich, aber meistens größere Heizkörper, dazu sollte Fotovoltaik aufs Dach. „Für günstigen Wärmepumpenstrom brauchen viele Extra-Zähler und damit noch zusätzlich neue Sicherungskästen“, sagt Häfele.
Das System sollte mit Vorlauftemperaturen von 45 bis 50 Grad auskommen, so die Experten. Es gebe auch Wärmepumpen mit höheren Vorlauftemperaturen, die verbrauchen allerdings wesentlich mehr Strom. „40 000 bis 50 000 Euro sind da schnell weg“, sagt Häfele. Die Standortfrage für Wärmepumpen müsse geklärt werden, es gelte Abstände zu Nachbargebäuden einzuhalten. Die Pumpen seien zwar nicht übermäßig laut, das stetige Brummen könne dennoch zur Lärmbelästigung werden. Lösungen brauche es auch für Etagenheizungen und Mehrfamilienhäuser. Um die Nachfrage nach Gasheizungen bedienen zu können, müssen die Heizungsbauer Vorratshaltung betreiben und die sei für die Betriebe kostenintensiv. Die Experten sehen viele offene Fragen.
Jeder zweite Haushalt heizt mit Erdgas
Verbreitung
Jeder zweite Haushalt heizt mit Erdgas. Mit Öl und Fernwärme betriebene Anlagen finden sich in 25 Prozent und in 14 Prozent der Häuser und Wohnungen. Stromdirektheizungen und Wärmepumpen nutzen jeweils knapp drei Prozent der Haushalte.
Bestand
Bereits eingebaute Öl- und Gasheizungen sollen nach den Plänen der Regierung weiter betrieben werden dürfen, eine Reparatur soll möglich bleiben. Für irreparable Heizungen soll es pragmatische Übergangslösungen und mehrjährige Übergangsfristen geben.
Härtefälle
Für über 80-Jährige soll es keine Pflicht zum Umstieg auf regenerative Heizungen geben, Härtefallregelungen sind geplant.