Julia Theermann. Foto: Bulgrin - Bulgrin

EZ-Reporterin Julia Theermann hat neulich ein Kompliment bekommen. Das löste aber einen Heimwehschub aus.

EsslingenAkzentfreies Schwäbisch wurde der Schreiberin dieser Zeilen kürzlich attestiert, als sie sich durch Phrasen wie „von ällem ebbes“ oder Ausdrücke wie „kruschteln“ und „Moschtfescht“ quälte. Nach gerade einmal zehn Monaten im Ländle ein ziemlich großes Lob – sagte man ihr doch am Anfang noch, sie solle es lieber gar nicht erst probieren, wie die Schwaben zu reden. Jetzt steht am Wochenende die Fahrt in die ostfriesische Heimat an und die Autorin fragt sich mal wieder, ob sie nicht vielleicht doch schon etwas anders spricht als noch vor einem Jahr. Das „Der“ oder „Die“ vor Eigennamen hat sich zum Beispiel erschreckend schnell eingeschlichen. Und auch das „Dreiviertel“ geht ihr bei Uhrzeiten mittlerweile leicht über die Lippen. Aber sie freut sich auch schon wieder auf das Plattdeutsch, das zum Beispiel ihre Schwiegereltern sprechen. Wenn sie erzählen von „de Fent von Bimm, de d’r achten all wohnt hett“ (Der Kerl aus Bingum, der dort hinten mal gewohnt hat) oder einfach die Redensarten von sich geben, mit denen man hierzulande nicht weit kommt. Wenn die Autorin in ihrer neuen Heimat „hau, so is dat all“ (Ja, so ist das alles) sagt, erwidert niemand „un so blifft dat ook“ (und so bleibt das auch). Gerade zur Weihnachtszeit, muss die Autorin feststellen, kommt das Heimweh auf. Aber zum Glück dauert es nicht mehr lange, bis sie wieder den Bergen – ja, Esslingen ist für sie immer noch voll mit Bergen – für kurze Zeit „Ade“ sagen und durch die freundlich blinkenden Windpark-Alleen gen Heimat fahren kann.

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