Die Vergangenheit erlebbar machen: Gretel Wechsler und Ralf Morsch arbeiten an einem neuen Konzept für die Heimatstube. Foto: /Barbara Scherer

Die Heimatstube Liebersbronn beherbergt die Vergangenheit des Orts in verschiedenen Objekten. Jetzt soll das Museum in neue Trägerhände gehen und sich zu einem kulturellen Treffpunkt am Ort entwickeln.

Das frühere Schulhaus im Gehren 3/1 in Esslinger Stadtteil Liebersbronn ist ein schmuckes Gebäude mit etlichen „Bewohnern“ wie dem Musikverein oder den Kindern der Ganztagsbetreuung. Seine größten Schätze bewahrt das Haus im Dachgeschoss. Dort befindet sich die Heimatstube, dessen Objekte vom Arbeiten und Leben in der Vergangenheit des Esslinger Stadtteils erzählen. Die Sammlung an Arbeitsgeräten, Einrichtungsgegenständen, Schriftstücken, Kleidungsstücken, Fotografien und Haushaltsgegenständen stand bislang unter der Trägerschaft des Vereins Heimatstube und Freunde. In seiner jüngsten Mitgliederversammlung hat sich der Verein wegen der Überalterung der Mitglieder allerdings aufgelöst. Der Liebersbronner Förderverein „Wir vom Berg“ übernimmt nun die Trägerschaft der Heimatstube und will das Konzept gleichzeitig weiterentwickeln. Die Heimatstube soll künftig zu einem kulturellen Treffpunkt ausgebaut werden.

Die Exponate decken 150 Jahre Ortsgeschichte ab

Wer das Museum im Dachgeschoss betritt, der sieht sich von Liebersbronner Geschichte umfangen – auf der rechten Seite erzählen Exponate vom Arbeiten, die auf der linken Seite vom Leben auf dem Berg. Von Beginn an dabei ist Gretel Wechsler vom früheren Trägerverein. „Die ersten Exponate stammen aus einem Schulflohmarkt aus dem Jahr 1983“, berichtet Wechsler. Im Jahr 1987 hat der Verein die Exponate geordnet, katalogisiert, die Stücke mit Informationen versehen und ist 2004 ins ausgebaute Dach des Schulhauses gezogen. Insgesamt sind es rund 700 Ausstellungsstücke, die mehrheitlich einen Zeitraum von etwa 150 Jahren abdecken. Die Vereinsfahne des Liederkranzes aus dem Jahr 1898 ist dabei, Relikte aus der kurzen Zeit des Weinbaus am Berg um die Mitte des 19. Jahrhunderts oder auch eine komplette Schusterwerkstatt mitsamt genageltem Stiefel.

Das vergangene Leben auf dem Berg zeigen Seltenheiten wie eine Brautkrone, die pietistische Predigtsammlung von Pfarrer Immanuel Gottlob Brastberger, stromlose Kühlschränke, einen Kinderwagen oder auch ein Wandtelefon aus dem Jahr 1911. Manch wertvolles Teil ist dabei. So sei eine von Hand bestickte und bedruckte Fahne eines Vereins aus dem 19. Jahrhundert auf rund 3000 Euro geschätzt worden, wie Ralf Morsch, der erste Vorsitzende des Fördervereins „Wir vom Berg“ berichtet.

Der Alltag der Bewohner vom Berg soll verstanden werden. „Uns geht es um die Realität, nicht um Romantik“, betont Morsch. Wie man die Vergangenheit erlebbar macht, schildert Gretel Wechsler, wenn Schulklassen das Heimatmuseum besuchen. Die Kinder dürfen sich dann aus einer Kiste einen Alltagsgegenstand von heute heraussuchen – ein Telefon beispielsweise – und dann das Pendant aus der Vergangenheit suchen. Das schaffe Erstaunen und auch Erkenntnis, so Wechsler. Diesen Ansatz, aus der Vergangenheit einen Bogen in die Gegenwart zu schlagen, wollen Ralf Morsch und Gretel Wechsler stärker herausarbeiten. „Wir stellen uns neben den Führungen auch Vorträge zu bestimmten Themen vor oder auch Workshops zu handwerklichen Techniken“, erklärt Morsch. Es sollen jüngere Interessenten angesprochen werden, junge Familien mit Kindern, Zugezogene wie auch die Nachfahren älterer Liebersbronner. Mit diesem Konzept soll der Raum zu einem kulturellen Treffpunkt für den Berg werden. Innerhalb des Förderkreises „Wir vom Berg“ hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die sich um die Heimatstube kümmern will. „Das muss langsam wachsen“, sagt Morsch.

Der Internationale Museumstag lockt Besucher

Die nächste Besuchsmöglichkeit bietet der Internationale Museumstag am Sonntag, 19. Mai, von 14 bis 17 Uhr. Mitglieder der Interessensgruppe Heimatstube werden vor Ort sein. Der Internationale Museumstag wird seit mehr als 40 Jahren in zahlreichen Ländern gefeiert. Der vom Internationalen Museumsrat (Icom) jährlich im Mai weltweit ausgerufene Tag macht auf die Bedeutung und Vielfalt der Museen aufmerksam.

Ein Kontakt zum Förderverein Wir vom Berg ist über die Internetseiten möglich unter www.wirvomberg.de. Weitere Informationen zum internationalen Aktionstag gibt es unter www.museumstag.de.

Der Internationale Museumstag in Esslingen

Überblick
 Nicht nur die Heimatstube in Liebersbronn öffnet am Sonntag ihre Pforten. Auch weitere Museen in Esslingen empfangen anlässlich des Internationalen Museumstages Besucherinnen und Besucher. Darunter die Städtischen Museen. Der Eintritt ist in allen Häusern an diesem Tag frei, eine Anmeldung ist mit einer Ausnahme nicht erforderlich, teilt die Stadt dazu mit. Das Stadtmuseum im Gelben Haus, das J. F. Schreiber-Museum und das Museum im Schwörhaus sind von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Textilgeschichte
 Im Stadtmuseum im Gelben Haus, Hafenmarkt 7, startet um 14 Uhr ein geführter Rundgange durch die Ausstellung „Ein Abriss. 800 Jahre Gelbes Haus“(Anmeldung bis 18. Mai, 11 Uhr: 07 11 / 35 12 32 40, museen@esslingen.de). Zur Ausstellung „Vom Wert des Textilen“ gibt es eine Spinnvorführung mit Spinnrad und Spindel von 15 bis 16.30 Uhr.

Archäologie
 Eine Taschenlampenführung durch das Lapidarium unter der Inneren Brücke um 13.30 Uhr (Zugang von der Maille; bitte wenn möglich Taschenlampe mitbringen) führt in die Geschichte des früheren Esslinger Karmeliterklosters. Zu den mittelalterlichen Ausgrabungen im Museum St. Dionys werden um 12 und um 13 Uhr Führungen angeboten.

Familien
 Besonders für Familien und Kinder geeignet sind das J. F. Schreiber-Museum, Untere Beutau 8-10, und die Mitmachausstellung „More than Colours. Farbenrausch“ im Museum im Schwörhaus, Marktplatz 12.

Weitere Informationen
 Das vollständige Programm und weitere Informationen beispielsweise zur Barrierefreiheit der Angebote stehen auf der Website unter: www.museen.esslingen.de