Kommunen können einiges dazu beitragen, dass Familien zufrieden sind. Foto: dpa/Frank Hammerschmidt

Erdmannhausen sichert sich bei den Teilnehmern der Heimat-Check-Umfrage den ersten Platz in Sachen Familienfreundlichkeit. Das dürfte auch daran liegen, dass an Kindergartenplätzen und Erzieherinnen kein Mangel herrscht – wie es andernorts häufig der Fall ist.

Die Kinderbetreuung ist in den Kommunen in der Regel eines der größten Aufregerthemen, weil Eltern ohne adäquate Angebote oft aufgeschmissen sind. Und in Zeiten des Erzieherinnenmangels wissen sich Städte und Gemeinden oftmals nicht anders zu helfen, als Öffnungszeiten in den Kitas zusammenzustreichen. Oder sie können gar nicht erst genügend Plätze zur Verfügung stellen. Angesichts dieser eher diffizilen Rahmenbedingungen stellen die Teilnehmer der Heimat-Check-Umfrage den Kommunen im Landkreis Ludwigsburg alles in allem in puncto Familienfreundlichkeit im Schnitt mit der Note 6,19 ein ordentliches Zeugnis aus. Die Bewertungsskala reichte von eins für schlecht bis zehn für sehr gut.

Den Platz an der Sonne nimmt Erdmannhausen ein. Das kommt wohl nicht von ungefähr. „Wir tun viel für Familien“, betont Hauptamtsleiterin Verena Fischer. „Wir haben zum Beispiel eine Betreuungsquote von 100 Prozent“, erklärt sie. Heißt: Selbst wer frisch in die Gemeinde gezogen ist, muss nicht oder zumindest nicht lange warten, bis sein Nachwuchs im Kindergarten aufgenommen wird. So sei erst unlängst bei der Halle auf der Schray ein neues Kinderhaus errichtet worden. Wobei die Bautätigkeiten ins Leere laufen würden, wenn am Ende kein Personal akquiriert werden könnte. Doch auch in der Hinsicht hat man in Erdmannhausen offenbar an den richtigen Stellschrauben gedreht. „Wir machen viel für unsere Mitarbeiter“, sagt Verena Fischer. Als Bonbon bekämen Erzieherinnen zum Beispiel zum Geburtstag einen halben Tag Urlaub geschenkt, den sie an ihrem Wiegentag oder drum herum einsetzen könnten. Außerdem sind für das Personal zwei pädagogische Tage obligatorisch, um sich besser auf das Kindergartenjahr vorbereiten zu können. Ferner würden offene Stelle umgehend ausgeschrieben, Bewerbungsgespräche rasch arrangiert.

Ganztagsbetreuung tageweise buchbar

Ein weiterer Schlüssel dafür, dass Erdmannhausen als familienfreundlich wahrgenommen wird, dürfte im flexiblen Betreuungsangebot liegen. Man könne sich im Kindergarten- und Kleinkindbereich einzelne Tage herauspicken, an denen die Jungs und Mädchen ganztags betreut werden sollen, erklärt Fischer. Auch an der Schule kann die außerunterrichtliche Beaufsichtigung für bestimmte Tage gebucht werden.

Fischer macht zudem deutlich, dass viele Ehrenamtliche ihren Teil dazu beitragen, dass Familien sich wohlfühlen können. Der Verein Kuja war zum Beispiel die Triebfeder für den Bau eines Freizeitgeländes mit Abenteuerspielplatz und Hügelbahn für Radler. Nicht alltäglich für einen 5000-Einwohner-Ort ist zudem ein eigenes Jugendhaus. Wobei dieses Mangels Personal ein Jahr lang geschlossen war. Inzwischen wurde allerdings eine neue Leiterin gefunden, im Herbst soll die Neueröffnung gefeiert werden.

Privater Träger gibt keinen Rabatt für weitere Kinder

Mit einem Jugendhaus kann auch das größere Großbottwar punkten. Platz 17 und die Note 6,39 bei der Familienfreundlichkeit sind ebenfalls respektable Werte. Dennoch monieren Teilnehmer der Umfrage den Status quo bei der Kleinkindbetreuung. 20 kommunale Plätze seien schlicht zu wenig, der private Anbieter am Ort, also Itzebitz, für viele Eltern zu teuer. Die Großbottwarer Hauptamtsleiterin Mona Trinkner betont jedoch, dass sich Itzebitz mit seinen Gebühren gar nicht so sehr von den städtischen abhebe. Es werde nur, anders als bei der Stadt, keine Ermäßigung für weitere Kinder aus einem Haushalt gewährt – was dann schon einen finanziellen Unterschied mache. Gleichwohl wolle man nicht an dem bisherigen System rütteln, wonach Itzebitz den Großteil der U3-Plätze stellt.

Enttäuschung in Sachsenheim über Bewertung

Mehr Grund, sich über die Angebote für Familien Gedanken zu machen, hätte vielleicht Sachsenheim, das die Teilnehmer des Heimat-Checks in der Hinsicht mit der Note 4,8 und dem vorletzten Platz abkanzeln. „Wir sind von dem schlechten Ergebnis überrascht und enttäuscht“, so Stadtsprecher Arved Oestringer. Man habe doch sogar einen Jugendreferenten, der die Belange der Heranwachsenden im Blick behalte. Die Kommune habe auch einiges umgesetzt sowie Weiteres geplant. So könnten sich die Kids im September zur anvisierten Dirtbahn/Pumptrackanlage äußern. Und ja: In den Kindergärten könnten nicht alle Stellen umgehend besetzt werden. Betreuungszeiten hätten zeitweise reduziert werden müssen. „Die Stadtverwaltung legt jedoch größten Wert darauf, diese Ausnahmen zu reduzieren und sich weiterhin für eine gute Betreuungsqualität in Sachsenheim einzusetzen“, erklärt Oestringer.