Wie zufrieden sind die Menschen im Kreis Esslingen mit ihrem direkten Lebensumfeld? Das erhob der Heimat-Check unserer Zeitung. Die Redaktion wertete alle 14 Kategorien aus. Ein Rückblick und eine Zusammenschau.
Es war ein gigantisches Unterfangen: In allen 140 Kommunen der Landkreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr wurden per Umfrage die Menschen aufgerufen, ihren Wohnort zu bewerten. Zu 14 Themenbereichen – von der gefühlten Lebensqualität über den Verkehr bis zum Wohnungsmarkt – wurden beim Heimat-Check jeweils zwei Fragen gestellt. Mehr als 15 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben ihre Stimme ab, allein im Kreis Esslingen waren es 5000 Menschen. Die Umfrage lief außerdem in Stuttgart – hier machten mehr als 11 000 Menschen mit.
Die Bewertung erfolgte jeweils auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut). Im Gesamtergebnis, über alle Kategorien hinweg, schnitt Kirchheim/Teck mit einem Wert von 6,99 im Landkreis am besten ab. Entsprechend groß war dort die Freude. Rathauschef Pascal Bader: „Kirchheim ist einfach eine tolle Stadt.“
Wohlfühlthemen und Aufregerthemen
Die Umfrage ist nicht repräsentativ, vermittelt aber ein in dieser Form einmaliges Stimmungsbild. Der Heimat-Check ist eine Art Temperaturfühler. Klar ist: Die Orte in der Region sind allein von der Größe her kaum vergleichbar. Zudem war die Beteiligung an der Umfrage an den Rändern der Region teilweise gering. Vor allem für die großen Kommunen baut das Ergebnis aber auf habhaften Rückmeldezahlen auf. In Esslingen waren es alleine 1666 Teilnehmer. Ein Vergleich der Orte war also möglich.
Herausgestellt hat sich: Es gibt Wohlfühlthemen und es gibt Aufregerthemen. Zu Letzteren gehören – in dieser Reihenfolge – Einzelhandel, Verkehr und Wohnen. Wohl fühlen sich die Menschen, wenn es – ebenfalls in dieser Reihenfolge – um Sport und Vereine ging oder um Sauberkeit und Lebensqualität.
Wohnen: Hier geht es vorrangig darum, wie zufrieden die Bevölkerung mit der Höhe der Mieten und der Kaufpreise ist. Die Bewertungen fielen so gut wie in allen Orten durchweg schlecht aus. Der Landkreis Esslingen ist zwar wirtschaftlich stark und landschaftlich reizvoll. Der Wohnraum aber ist knapp. Und der Kreis Esslingen ist ein teures Pflaster: Der durchschnittliche Mietpreis liegt laut dem Online-Portal Mietspiegeltabelle deutlich über dem Landesdurchschnitt – und das nicht nur in den Großen Kreisstädten, sondern auch am Rand des Ballungsraums Stuttgart. Der Kauf eigener vier Wände, sofern man kein Erbe hat, sind für viele Kreisbewohner unerschwinglich, auch wenn die Immobilienpreise derzeit leicht fallen.
Wohnen gehört zu den schwierigen Themen
Wie sich die Preise entwickeln, lässt sich auf den Immobilienportalen verfolgen. Auf Homeday beispielsweise ist erkennbar, wie sich die Preise in den vergangenen Jahren verändert haben. Die dort aufgeführten Preise gingen in den vergangenen Jahren durchweg immer nach oben, besonders steil im Jahr 2021, bis es Ende 2022 einen Knick gab, der sich in diesen Jahres fortsetzte. In einer sehr guten Wohnlage in Esslingen-Neckarhalde wurden im Herbst des Vorjahres dem Portal zufolge Quadratmeterpreise von mehr als 5200 Euro aufgerufen – inzwischen sind sie auf etwa 5000 Euro gesunken.
Wer aber schon in seinen eigenen vier Wänden wohnt und keine untragbaren Schulden mit sich herumschleppt, kann unter das größte Ärgernis im Kreis einen Haken setzen und sich den positiven Seiten des Lebens widmen. Zu denen gehört das Vereinswesen im Kreis. Sport und Vereine bekamen durchweg die besten Bewertungen im Kreis Esslingen. Rund um Esslingen schnitt die Gemeinde Deizisau am Besten ab, gefolgt von Köngen und Neuhausen. Sehr gut, aber im Vergleich dann doch schlechter abgeschnitten haben hier Plochingen und Esslingen.
Auch Reichenbach schnitt hier vergleichsweise weniger gut ab, wobei dies ein gutes Beispiel dafür ist, dass es sich bei solchen Umfragen auch immer um einen Momentaufnahme handelt. Dort wird gerade die Brühlhalle für 18 Millionen Euro neu gebaut, was an sich eine gute Sache ist. Aber aus diesem Grund ist der Sportplatz mitten im Ort seit eineinhalb Jahren nicht verfügbar. „Das wird sich allerdings ändern, wenn die neue Halle fertig und die alte abgebrochen ist, also in etwa zwei Jahren“, so der Bürgermeister Bernhard Richter. Bürgermeister Kollege Thomas Matrohs aus Deizisau dagegen ist die Welt im Ort natürlich in Ordnung und der Stolz ist unüberhörbar: „Ich glaube auch sagen zu können, dass die kommunale Unterstützung und die hohe Wertschätzung unserer Vereine und unseres Ehrenamts nahezu einzigartig sind.“