Prost mit einem Glas Sekt oder anderen alkoholischen Getränken – das gehört für viele zum „Heiligen Vormittag“ in Esslingen dazu. Foto: Roberto Bulgrin

Tausende haben sich am Dienstagvormittag in der Esslinger Innenstadt zum „Heiligen Vormittag“ getroffen. Angesichts kritischer Stimmen bringen Besucher eine alkoholfreie Variante ins Spiel. Andere halten das für keine gute Idee.

Wenig still besinnlich, dafür aber lustig und gesellig – viele Esslingerinnen und Esslinger, aber auch Menschen aus den umliegenden Städten und Gemeinden sind am Vormittag des 24. Dezember wieder in die Esslinger Innenstadt zum „Heiligen Vormittag“ gekommen. Vor allem am Marktplatz war wieder viel los, wo Kessler und die Bar Mehl’s Old Fashioned Getränke ausgaben.

Aber auch in anderen Innenstadtbereichen trafen sich zahlreiche Freundes- und Familiengruppen, um anzustoßen. Einige hatten auch ihr eigenes Fläschle und Snacks dabei. Zu sehen waren lustige Kopfbedeckungen in Form einer Weihnachtsmannmütze oder eines funkelnden Weihnachtsbaumes. Am Rathausplatz tanzten Paare wie in den Vorjahren Salsa und Bachata.

Weniger Menschen als üblich waren in diesem Jahr am Roßmarkt zu sehen – das liege wohl daran, dass die „Krokodil Bar“ keinen Ausschank machte, aufgrund eines Trauerfalls, vermuteten die wenigen auf dem Platz. Zu ihnen zählen Christian, Michael, Martin, Tina, Sevil und Volkan – sie feierten ihr 30-jähriges Abitur, das sie 1994 am Mörikegymnasium absolviert hatten.

Zahlreiche Gruppen haben sich im Esslinger Innenstadtbereich getroffen. Foto: Roberto Bulgrin/Bulgrin

Viele von ihnen leben noch im Kreis Esslingen, zwei Gruppenmitglieder sind aber aus dem Schwarzwald und München angereist. „Wenn man weiter weg wohnt und an Weihnachten zur Familie zurückkommt, weiß man, dass man beim Heiligen Vormittag eine Anlaufstelle hat, wo man spontan jemanden trifft, den man kennt“, sagte Martin. Das sei eine schöne Institution.

Nicht alle finden alkoholfreien Heiligen Vormittag gut

Mit dem Alkohol übertreiben, wie es früher vielleicht mitunter der Fall war, wollten es die ehemaligen Schulkameraden aber nicht. Schließlich ging es noch heim zu den Familien. Am Roßmarkt stieß die Gruppe mit einer Flasche Sekt an. Sevil regte sogar an, die Veranstaltung alkoholfrei zu gestalten. Sie ging damit auf Kritik ein, die Kirchenvertreter in unserer Zeitung geäußert hatten und sich vor allem auf den starken Alkoholkonsum bezogen hatten und Störungen für das Weihnachtsfest in den Familien und religiöser Veranstaltungen. „Meiner Meinung nach kann das auch zu einer alkoholfreien Veranstaltung werden. Wir kommen ja nicht wegen des Alkohols“, sagte Sevil.

Für Nurdin, Lara, Natalie, Jasmin, Lars und Max klang das nach keiner attraktiven Option. Die Freunde, die alle 25 und 26 Jahre alt sind und aus dem Esslinger Raum kommen, stießen am Marktplatz mit Sekt an. Sie könne sich zwar vorstellen, dass sich Leute, denen eine stille, besinnliche Weihnacht wichtig sei, womöglich gestört fühlen, sagte Natalie. Und es sei nicht gut, wenn religiöse Veranstaltungen gestört würden. Aber die Veranstaltung und auch das gemeinsame Anstoßen ist den Freunden wichtig.