Elsa Wenzel liebt die Arbeit als Modenäherin – und geht nun den nächsten Schritt. Foto: Ines Rudel

Die Nürtinger Hauber Gruppe (Kreis Esslingen) ist stolz auf ihren Spitzen-Azubi: Elsa Wenzel hat die Ausbildung zur Textil- und Modenäherin mit dem bundesweit besten Prüfungsergebnis abgeschlossen.

Eigentlich, sagt Elsa Wenzel lächelnd, wollte sie Naturwissenschaften studieren. Doch nach all dem Lernstress vor dem Abitur hatte sie erst einmal genug von grauer Theorie. „Ich wollte lieber etwas Praktisches machen.“ Also begann sie vor zwei Jahren eine Ausbildung zur Textil- und Modenäherin bei der Hauber Gruppe in Nürtingen – die sie unlängst als „Bundesbeste“ des Jahrgangs 2024 abschloss.

Diese Auszeichnung verleiht die Deutsche Industrie- und Handelskammer alljährlich an jene Auszubildende, die in ihren Abschlussprüfungen die höchsten Punktzahlen in ihren Berufen erreichen. Insgesamt gibt es 207 Bundesbeste des Jahrgangs 2024, davon stammen 35 aus Baden-Württemberg.

„Man sieht sofort ein Ergebnis.“ Foto: Ines Rudel

Der Titel ist nur Nebensache

Elsa Wenzel schaffte 97 von 100 möglichen Punkten – und ist damit ganz offiziell ein Spitzen-Azubi. „Das ist schön fürs Selbstbewusstsein. Aber der Titel ist nur Nebensache“, sagt die 20-Jährige bescheiden. „Ich habe einfach Freude an meiner Arbeit.“

Schon als Zehnjährige, erzählt Elsa Wenzel, habe sie an der Nähmaschine ihrer Mutter gesessen. „Weil ich unbedingt so eine tolle Anzugweste wie sie haben wollte“, erinnert sie sich an die Anfänge. Auch wenn es mit diesem Kleidungsstück nicht so recht geklappt hat, ist sie dran geblieben und hat sich nach und nach das Nähen selbst beigebracht.

Azubi bei Modelabel Luisa Cerano: „Man sieht sofort ein Ergebnis“

„Richtig gelernt habe ich es aber erst jetzt“, stellt sie schmunzelnd fest, dass sie Zuhause doch so manchen handwerklichen Fehler gemacht hat. „Ich habe noch nie so viele Nähte wieder aufgetrennt, wie in meiner Ausbildung.“ Overlock, Rollsaum, Stretchstich, Fadenspannung, Fadenlauf, Saumkante – all das muss schließlich perfekt sein, wenn in Nürtingen Chic für das Modelabel Luisa Cerano entsteht. Gerade dieses exakte Arbeiten reizt Elsa Wenzel an diesem Beruf. „Man sieht sofort ein Ergebnis.“

Handwerk statt Hörsaal. Nein, sagt Elsa Wenzel zutiefst überzeugt, sie hat ihre Entscheidung nicht bereut. „Wenn die Nähmaschine richtig schnurrt und man am Ende des Tages etwas in den Händen hält, das man selbst produziert hat, ist das sehr erfüllend und belohnender als Forschungsarbeit.“

Doch noch ein Studium geplant – es geht um Mode

Konsequenterweise setzt die aus Tübingen stammende junge Frau jetzt noch ein weiteres Lehrjahr drauf, um Modeschneiderin zu werden. So kann sie künftig noch besser ihre Kreativität und Leidenschaft für Mode und Stoffe in den Herstellungsprozess einbringen. In diesem Sommer wird sie ausgelernt haben. Und was kommt dann? „Dann will ich doch noch studieren – Design oder Textil- und Bekleidungstechnik“, verrät Elsa Wenzel.

Jürgen Leuthe, einer von drei Geschäftsführern der Hauber Gruppe, hört das zwar nicht gern. Denn: „Wir sind sehr stolz auf unsere Auszubildende und hätten sie sehr gern übernommen.“ Aber er unterstützt ihre Ambitionen. „Da ist ganz viel Talent da.“ Und vielleicht, so hofft er, „kommt sie wieder zurück in unser Familienunternehmen“. Elsa Wenzel schließt das eigenem Bekunden nach nicht aus. „Ich strebe keine Selbstständigkeit an.“

Handwerkliche Exzellenz gefragt

Die 20-Jährige ist eine von derzeit sechs Auszubildenden im gewerblichen Bereich bei der Hauber Gruppe. „Wir legen noch sehr viel Wert auf das Handwerk“, betont Jürgen Leuthe, der die Marke Luisa Cerano verantwortet. „Als Hersteller im Premiumsegment haben wir einen hohen Anspruch an Design und Qualität“, sagt er.

Jedes Jahr werden vier Modekollektionen für Frauen entwickelt – und gerade bei der Anfertigung von Schnittmustern und der Prototypenkollektion ist das Können und Geschick der Näherinnen und Schneiderinnen besonders wichtig.