US-Präsident Trump präsentierte im April in einer denkwürdigen Pressekonferenz eine verwirrende Liste von Staaten, die mit Zöllen belegt werden sollten. Der Streit um die Abgaben wird sich im Fall der EU mindestens bis in den Spätsommer ziehen. Foto: Mark Schiefelbein/dpa

US-Präsident Trump wird weiter mit Europa verhandeln. Europa darf nicht einknicken, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent.

Donald Trump hat Europa erneut verschont. Der US-Präsident wird in dem von ihm vom Zaun gebrochenen, immer absurder werdenden Streit mit der Europäischen Union weitere drei Wochen über die angedrohten Zölle verhandeln. Sofort mit Abgaben überzogen werden allerdings einige südostasiatische Länder wie Japan und Südkorea. Die Botschaft ist klar: Diese Staaten sollen die Ankündigung als Warnung verstehen, nicht weiter mit China zu kooperieren. Trumps Abneigung gegen Europa wird offensichtlich nur von seinem Hass auf Peking übertroffen.

Trump setzt auf das Recht des Stärkeren

Der US-Präsident setzt auch dieses Mal rücksichtslos auf das Recht des Stärkeren. Diesem archaischen Prinzip will sich die EU aber zurecht nicht beugen. Europa pocht weiter auf die Einhaltung von geltenden Regeln, kommt dabei aber immer deutlicher an eine Grenze. Inzwischen ist man in Brüssel etwa bereit, den angedrohten Basiszoll von zehn Prozent zu akzeptieren. Jeder weiß, dass Donald Trump zwar sehr großspurig auftritt, in diesem Fall aber selbst unter Druck steht. Er ist auf die zusätzlichen Zolleinnahmen dringend angewiesen, um seine kostspieligen Steuergeschenke an die Reichen in den USA zu finanzieren.

Allerdings wird die Forderung aus Europas Wirtschaft immer lauter, den Streit zu beenden. Die deutschen Exporte in die USA sind angesichts der zunehmenden Unsicherheit zuletzt stark gesunken. Das ist ein alarmierendes Zeichen, dennoch darf die EU gegenüber den Drohungen von Donald Trump nicht einfach einknicken. Das würde der US-Präsident nur als Aufforderung verstehen, den nächsten Erpressungsversuch zu starten.