Ostfilderns CDU möchte näher dran sein an den Sorgen und Nöten der Wirtschaft. Deshalb möchten die Kommunalpolitiker einen Wirtschaftsbeirat in der Großen Kreisstadt etablieren.
Parkplatznot belastet die Unternehmen im Gewerbegebiet am Ortsrand von Ostfildern-Scharnhausen. „Ein Problem sind die vielen Dauerparker, die mit dem Bus zum Flughafen weiterfahren“, sagt Thomas Durst, der dort ein Autohaus hat. Er wünscht sich von der Stadt diesbezüglich Unterstützung. „Parkplätze sind auch in anderen Stadtteilen knapp.“ Dem Unternehmer ist es wichtig, Lösungen zu finden. Um künftig Themen wie dieses mit allen Akteuren besprechen zu können, möchte die CDU Ostfildern einen Wirtschaftsbeirat etablieren.
Im ersten Quartal 2025 will die CDU-Fraktion dieses im Gemeinderat beantragen. „An vielen Stellen fehlt es einfach an der Kommunikation“, findet der CDU-Stadtrat David Preisendanz. Der Kommunalpolitiker möchte ein Forum schaffen, das allen Beteiligten die Möglichkeit bietet, wichtige Themen zur Sprache zu bringen. „So erfahren die Stadtverwaltung und die Kommunalpolitiker aus erster Hand, wo die Probleme liegen“, sagt Axel Deutsch, der hier Nachholbedarf erkennt. Um gute Lösungen für alle zu finden, bedarf es aus seiner Sicht des ständigen Austauschs. „Wir müssen versuchen, die Probleme gemeinsam zu lösen.“ Nicht zuletzt für die Finanzlage der Stadt sei es wichtig, die Wirtschaft zu fördern und den Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, ist Deutsch überzeugt: „Sie zahlen auch unsere Gewerbesteuer.“
Ein großes Thema sind für David Preisendanz in Ostfildern Zukunftsperspektiven für das Gewerbe. „Wenn wir jetzt über den neuen Flächennutzungsplan diskutieren, steht das weit oben.“ Doch zunächst sei es wichtig, überhaupt erst zu erfahren, wo die Bedarfe liegen. Gerade die mittelständischen Unternehmen in der Großen Kreisstadt müssten aus seiner Sicht mehr ins Bewusstsein der Entscheider rücken. „Immer wieder werden Flächen für die Erweiterung gebraucht“, sagt Preisendanz. Und die gebe es in Ostfildern, ist er überzeugt.
Mit Engpässen tun sich Unternehmen schwer
Wie schwer es ist, mit solchen Engpässen umzugehen, hat Thomas Durst in seinem Autohaus erlebt, als es eine Rückrufaktion für Mercedes-Fahrzeuge gab. „Da hatten wir kaum noch Platz.“ Um jeden Preis müsse verhindert werden, sagt Preisendanz, „dass Firmen abwandern, weil sie hier keine Perspektiven sehen“. Aus seiner Sicht gibt es noch Gewerbeflächen, auch durch Nachverdichtung. Potenziale für das Gewerbe auszuschöpfen, ist für den Juristen ein wichtiges Thema in den Beratungen zum Flächennutzungsplan.
Mit dem neuen, nachhaltigen Modell-Gewerbegebiet Scharnhausen-West erhofft sich die Stadt zwar neue und finanzkräftige Steuerzahler. Angesprochen werden in erster Linie innovative Unternehmen, die zum Beispiel in den Bereichen erneuerbare Energien, neue Mobilität oder Nachhaltigkeit arbeiten. „Unsere alt eingesessenen, mittelständischen Unternehmen profitieren davon nicht“, ist Axel Deutsch überzeugt. Der CDU-Stadtrat will das Ohr künftig „näher an den Sorgen dieser Unternehmer dran haben, um mit ihnen Lösungen zu finden“.
Ein Wirtschaftsbeirat könnte aus Sicht der Kommunalpolitiker auch die Gewerbetreibenden untereinander besser ins Gespräch bringen als bisher. In Nellingen, Ruit, Kemnat und der Parksiedlung gibt es jeweils einen Bund der Selbstständigen (BdS). Wie erfolgreich diese stadtteilbezogenen Verbände arbeiten, hat jüngst die Schließung des Netto-Marktes im Stadtteil Kemnat gezeigt. Dort hielten die Geschäfte zusammen und starteten eine Werbeaktion. Sie erweiterten sogar ihr Sortiment, um die Nahversorgung für alle Menschen in dem Stadtteil mit rund 5400 Einwohnern sicherzustellen. Gastronomen, Einzelhändler und mittelständische Unternehmen aus der ganzen Großen Kreisstadt an einen Tisch zu bringen, ist das Ziel der Kommunalpolitiker.
In den kommenden Wochen möchte die CDU-Fraktion nicht nur bei den Gemeinderatskollegen und bei der Stadtverwaltung dafür werben, einen Wirtschaftsbeirat einzurichten. Preisendanz: „Wir wollen gezielt die Unternehmen ansprechen und herausfinden, was sie sich von einem solchen Gremium erhoffen.“ Wichtig sei, „dass alle Fraktionen im Gemeinderat mitarbeiten“. So könne man die lokale Wirtschaft in Ostfildern „zukunftsfähig machen“.
Wirtschaftsförderung in Ostfildern
Chefsache
Die Wirtschaftsförderung in Ostfildern ist in der Zuständigkeit von Oberbürgermeister Christof Bolay angesiedelt. Manuela Kreuzer und Steffen Rohloff sind Ansprechpartnerinnen für Handel und Gewerbe in Ostfildern. Sie kümmern sich um die Anliegen der Gastronomen, Einzelhändler und Firmen.
Bund der Selbstständigen
In Kemnat, Ruit, Nellingen und Scharnhausen gibt es jeweils einen Bund der Selbstständigen. Die Gewerbetreibenden sind sehr aktiv. Sie veranstalten in den Stadtteilen gemeinsame Aktionen, verkaufsoffene Sonntage und vieles mehr. Die Kirben in Nellingen, Kemnat und Ruit wären ohne die vielen aktiven Mitglieder des BdS nicht denkbar.