Veronika Goldammer wird in der kommenden Saison das neue Nellinger Drittliga-Team coachen. Foto: Rudel - Rudel

Die Handballerinnen des TV Nellingen starten in der 3. Liga neu – Vom aktuellen Bundesligateam „wird nicht mehr viel übrig bleiben“, sagt Geschäftsführer Bernd Aichele.

OstfildernEs ist fix: Die Handballerinnen des TV Nellingen werden in der kommenden Saison nach drei Spielzeiten in der Bundesliga nicht mehr im Oberhaus antreten, sondern in der 3. Liga starten. Dies teilte Bernd Aichele, Geschäftsführerr der Nellinger Handball GmbH, mit. „Wirtschaftlich ist es uns nicht möglich, eine konkurrenzfähige Mannschaft für die Bundesliga zu stellen“, sagt Aichele. In der 3. Liga will sich der derzeit Bundesliga-Vorletzte sportlich als auch wirtschaftlich konsolidieren. Der Deutsche Handball-Bund hat genehmigt, dass der Verein in die 3. Liga absteigen darf. „Es fällt uns absolut nicht leicht“, sagt Aichele. „Nochmal ein viertes Jahr in der Bundesliga schaffen wir finanziell nicht.“

Trainerin des zukünftigen Drittligateams wird Veronika Goldammer, die derzeit das zweite Nellinger Team betreut, das in der Württembergliga als Tabellenzweiter Aufstiegsambitionen hat. Leistungsträgerinnen aus diesem Team sollen zusammen mit Neuzugängen – idealerweise ehemalige Zweitligaspielerinnen und etablierte Drittligaspielerinnen – das neue Team bilden.

Vom aktuellen Bundesligateam „wird nicht mehr viel übrig bleiben“, sagt Aichele. Zu den bereits bekannten Abgängen Lena Degenhardt (TuS Metzingen), Sarah Wachter (Neckarsulmer SU), Alina Ridder (VfL Waiblingen), Szimonetta Gera (SG H2Ku Herrenberg) und Isabel Tissekker (Ziel unbekannt) kommen nun noch Roxana-Alina Ioneac (Frisch Auf Göppingen) und Stefanie Schoeneberg (SG H2Ku Herrenberg).

Zu viel Belastung

Das Team habe auf die Nachricht „bedrückt“ reagiert, erzählt Aichele. „Vor allem die Spielerinnen, die sich noch nicht mit Abwanderungsgedanken getragen haben.“ Im zweiten Team bekommen nun Spielerinnen nun unerwartet die Chance, den Sprung in die 3. Liga zu schaffen. „Die Spielerinnen waren überrascht, aber sie haben versichert, dass wir alle an einem Strang ziehen, um die Ziele für diese Saison zu erreichen“, sagt Goldammer. Wieviele Spielerinnen mit Goldammer mitgehen werden, ist noch nicht klar. Es kommt darauf an, welche Positionen sie mit Neuzugängen aus der Region besetzt. Goldammer macht aber klar: „Für alle ist es Fakt, dass sie eine Zukunft in Nellingen haben.“ In welchem Team, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen. „Es knistert natürlich“, sagt Aichele. „Es wird einen gesunden Wettbewerb geben.“

In der 3. Liga sollen die Strukturen verbessert werden. „Wir haben zu viele Lasten auf zu wenige Schultern verteilt“, sagt Aichele, der die GmbH als ehrenamtlicher Ein-Mann-Betrieb führt.

Der Aufstieg 2016 kam „zu früh und zu überraschend“, sagt Tobias Schramek, Geschäftsführer des Hauptvereins. Die weiten Auswärtsfahrten, Personalkosten, Liga-Abgaben, Sportlergehälter – all das steige kontinuierlich an, so Aichele. Der Nellinger Etat, der unter 400 000 Euro liegt, hat sich aber seit dem Aufstieg nicht erhöht. Bundesliga-Spitzenteams steht mindesten dreimal so viel zur Verfügung. Um in den beiden oberen Ligen mitzuspielen, ist der Nellinger Etat zu gering. Denn auch die 2. Bundesliga macht für Aichele „finanziell keinen großen Unterschied“, der Aufwand ist ebenfalls hoch, die Auswärtsfahrten genauso weit. Trotzdem hat mancher sportlich aufgestiegener Zweitligist in den vergangenen Jahren auf den Sprung ins Oberhaus verzichtet.

Der Neuanfang in der 3. Liga soll wieder sportlichen Erfolg nach den drei Jahren Abstiegskampf bringen. Mit einem jungen Team mit Spielerinnen aus der eigenen, erfolgreichen Nellinger Jugendarbeit sollen wieder Identifikationsfiguren geschaffen werden.

Neue Halle genehmigt

Zuletzt waren die Zuschauerzahlen in der Sporthalle 1 gesunken. Nach jahrelangem Kampf des TV Nellingen für eine bundesligataugliche Sporthalle hat erst Anfang März die Stadt Ostfildern eine neue Sporthalle genehmigt, in der 950 Zuschauer Platz finden. „Wir haben kein schlechtes Gewissen der Stadt gegenüber“, sagt Tobias Schramek. „Wir brauchen eine ordentliche Spielstätte. Die Halle ist für den Gesamtverein TV Nellingen, nicht nur für Handball.“ Auch für die Sponsorenakquise sei eine moderne Halle mit Ausstellungsfläche wichtig, so Schramek, schließlich wollten Sponsoren immer mehr geboten bekommen. Und wer weiß, vielleicht ist die neue Halle genau dann fertig, wenn die Nellinger Handballerinnen wieder bereit für den Aufstieg in die 2. Bundesliga sind. Aichele stellt aber klar: „Ich muss nicht rauf, wenn wir nicht das richtige Umfeld aufgestellt bekommen.“

Erstmal will sich Goldammer mit dem Team in der 3. Liga etablieren. „Ich weiß, was uns erwartet“, sagt die erfahrene Trainerin, die 2013 mit Nellingen II in die
3. Liga aufstieg und demnächst die Trainer-A-Lizenz machen wird. „Das ist eine große Aufgabe, auf die ich mich freue. Als Trainerin will ich mich immer selbst weiterentwickeln. Ich liebe die Arbeit mit jungen Spielerinnen, nun gehen wir den nächsten Schritt.“

Zwei Teams wird es weiterhin geben. „Das wäre der größte Zusammenbruch, wenn wir nur noch mit einem Team antreten“, sagt Aichele. Ob Nellingen II im Falle eines Aufstiegs auch tatsächlich in der Baden-Württemberg Oberliga und damit dirket eine Liga unter dem zukünftigen Drittligateam antreten wird, ist noch nicht klar.

Mit dem Rückzug der Nellingerinnen wird es in der Bundesliga und 2. Bundesliga einen Absteiger weniger geben. Auch wenn der freiwillige Abstieg nun feststeht, wollen die Nellingerinnen den sportlichen Klassenverbleib schaffen. „Wir werden nicht Vorletzter sein nach diesem Auftritt am Samstag“, ist Aichele optimistisch. Beim 23:25 hatte sich der TVN achtbar im Duell mit dem Tabellenvierten Borussia Dortmund geschlagen – und das mit der frischen Nachricht im Hinterkopf, dass es in ein paar Monaten sicher keinen Bundesligahandball mehr in Nellingen geben wird.

Ein Kommentar zum Thema gibt es im EZ-Handballblog.