Der frühere Drittliga-Handballer Timo Flechsenhar übernimmt im Sommer beim Verbandsligisten Team Esslingen seinen ersten Job als Cheftrainer.
Rationale Überlegungen spielen bei Personalentscheidungen eine wichtige Rolle. Wo will man hin und mit wem kann das gelingen? Und auf der anderen Seite: Was will ich erreichen und wo kann ich das am besten? Aber die sogenannten weichen Faktoren dürfen nicht unterschätzt werden. Wenn es um Besetzungen im Sport geht, gilt das ganz besonders. Dass der Handball-Verbandsligist Team Esslingen und Timo Flechsenhar für die kommende – und laut Vertrag auch übernächste – Saison zusammenkamen und das auch noch sehr schnell, liegt also nicht nur an Flechsenhars Expertise und an dem, was das Team zu bieten hat. „Nach meinem Gefühl war es der richtige Zeitpunkt“, sagt Flechsenhar zu seinem ersten Job als Chefcoach. „In den Gesprächen hatten wir ein gutes Bauchgefühl“, erklärt Esslingens Handballchef Nils Fehrlen.
„Der richtige Zeitpunkt“
Der Reihe nach: Der 38-jährige Flechsenhar hat eine Menge Erfahrung als Spieler, unter anderem aus vielen Spielzeiten beim Drittligisten TSV Neuhausen. Vor fünf Jahren wechselte er zunächst als Spieler zur HSG Ostfildern und wurde dort zwei Jahre später Co-Trainer unter Marco Gaßmann. Jetzt will er den nächsten Schritt machen. Bei der HSG und deren sportlichem Leiter Magnus Gründig fiel dieser Wunsch auf viel Verständnis, weshalb der Funktionär dies via Buschfunk die Szene wissen ließ. Und zwar just in dem Moment, als die Esslinger aufgrund der Abschiedsankündigung von Christian Straub auf der Suche waren.
Erfahrung und Netzwerk
Ein Gespräch zwischen Flechsenhar und dem sportlichen Leiter Bastian Mazzoli, einen Tag später noch eins, bei dem Fehrlen und Finanzchef Nils Jakobi mit am Tisch saßen. „Binnen 48 Stunden war das über die Bühne“, erklärt Flechsenhar, „warum warten, wenn es passt?“ Vonseiten der Esslinger sprach für Flechsenhar dessen Erfahrung, seine Persönlichkeit „und sein Netzwerk“, wie Fehrlen erklärt. Vonseiten des Coaches sprach für das Team „dass es ein Name im Handball in der Region ist, dass die Funktionäre in einem ähnlichen Alter sind wie ich, dass es gute Charaktere in der Mannschaft gibt und dass sie einen Handball spielt, der mir schon immer gefallen hat.“
Der Kader muss verbreitert werden
Das mit dem Netzwerk soll der Mannschaft zugutekommen, was freilich auch dem Trainer beim Start hilft. Die Gespräche mit den Spielern sollen nun intensiviert werden, da der Name des Coaches feststeht. Die Chancen stehen gut, dass es wie in den vergangenen Jahren viel Kontinuität gibt. Das klappt aber nur, wenn sich die Hoffnung erfüllt, „dass der eine oder andere, der vielleicht über ein Karriereende nachgedacht hat, nun noch mal ein Jahr dranhängt“, wie es Fehrlen ausdrückt. Aus der Mannschaft sei ihm jedenfalls Begeisterung ob der Verpflichtung entgegengeschlagen. Flechsenhar wäre das sehr recht, „damit der Übergang leichter fällt“. Allen ist aber gleichzeitig klar, dass der Kader dringend verbreitert und verjüngt werden muss. Die etwas schwierige laufende Saison mit derzeit Platz neun von zwölf Mannschaft zeigt das deutlich. Hier könnten Flechsenhars Kontakte zur JANO Filder, der Jugendspielgemeinschaft aus Ostfildern und Neuhausen, helfen. Denn nicht jedes der vielen JANO-Talente wird es ins Dritt- oder Viertligateam der beiden Partner schaffen. Warum dann nicht zum Team mit Flechsenhar? „Das könnte ein kleiner Hintergedanke gewesen sein“, gibt Fehrlen zu. Dem künftigen Trainer, der als Lehrer für Deutsch, Geografie und Sport arbeitet, hat aber auch die Ankündigung gefallen, dass schon einige Nachwuchsspieler aus der Team-Jugend nachkommen.
Der Zeitpunkt für den ersten Cheftrainerposten in Flechsenhars Karriereplanung („Ich mache im Handball keine halben Sachen“) könnte passen. Die Liga könnte es seiner Auffassung nach auch. „Ich habe von Marco Gaßmann und im gesamten JANO-Trainerteam wahnsinnig viel gelernt, die Verbandsliga ist super“, fasst er zusammen. Dazu hat er wie die Team-Macher ein gutes Gefühl.