Jochen Masching (links) kann es noch. Das haben nicht nur die Spieler seines Ex-Clubs SG Hegensberg/Liebersbronn gemerkt. Foto: / Rudel

Warum bei den Handballern des TV Reichenbach zurzeit der 40-jährige Jochen Masching auf dem Spielfeld steht und Daniel Roos an der Seitenlinie.

Mit Reaktionen hat Jochen Masching gerechnet. Wenn auch nicht mit so vielen. Denn Handballspielen ist für ihn eine normale Tätigkeit. Seit vielen Jahren. „Holger Breitenbacher hat die Stirn gerunzelt und mich gefragt, ob ich mir das wirklich antun möchte“, erzählt Masching von seinem ersten Comeback in dieser Saison. Der ehemalige Bundesligaspieler Breitenbacher ist Trainer des Handball-Verbandsligisten HSG Schönbuch, der frühere Viertligaspieler Masching Coach des TV Reichenbach. Und seit dem Heimspiel am 29. September gegen Schönbuch auch wieder Spieler.

Das kam so: Weil der eigentlich spielende Co-Trainer Daniel Roos verletzungsbedingt ausfiel, tauschten Masching und er einfach die Rollen. Roos an der Seitenlinie, Masching auf dem Spielfeld. „Einfach“ war es, weil „wir auf einer Welle sind und Daniel ja im Handball auch schon einiges gesehen hat – er macht es gut“, wie Masching erklärt. Und weil er selbst mit seinen 40 Jahren noch fit genug ist. „Ich habe in der Vorbereitung einiges mitgemacht“, erzählt er. Allerdings nicht mit dem Hintergedanken, als Backup-Spieler zur Verfügung stehen zu können: „Ich habe es für mich gemacht, um mich ein bisschen zu bewegen.“ Nach dem Motto: Wenn ich schon in der Halle bin, kann ich auch etwas für meine Fitness tun.

Nach Roos’ Ausfall „war die Idee, dass es bei dem ganzen Jugend forscht bei uns im Kader nicht ganz blöd ist, wenn da noch einer dabei wäre, der ein bisschen mehr als drei Jahre Aktivenerfahrung hat“, sagt Masching. Seine Rolle will er nicht zu hoch hängen: „Für den einen oder anderen ist es mehr eine mentale Unterstützung. Ich springe ja auch nicht 60 Minuten lange auf der Platte rum – so lange es hilft . . .“ Wer ihn aber spielen sieht, erkennt, dass er es noch draufhat. Gegen Schönbuch zog er die Fäden und trug zwei Tore zum 27:22-Sieg bei, beim 15:29 gegen den SKV Unterensingen versuchte es Roos noch mal als Spieler, beim 27:28 in Pfullingen und zuletzt beim überraschenden 27:26-Derbyerfolg gegen die SG Hegensberg/Liebersbronn wirkte Masching wieder mit und erzielte zwei Tore. Natürlich war das für den ehemaligen Heli-Coach eine besonderes Sache und es wurde von den Berghandballern freilich auch ein bisschen gefrotzelt.

Am Samstag um 20 Uhr steht das nächste Derby beim Team Esslingen an. Dort hat man Maschings Comeback natürlich registriert. „Ich bin da ganz entspannt“, sagt Team-Trainer Christian Straub, „wir bereiten uns auf ihn vor wie auf jeden anderen Spieler – hoffentlich fällt uns da etwas ein.“ Straub bringt dem Kollegen aber eine Menge Respekt entgehen: „Ich habe ihn selbst nie spielen sehen. Aber auch auf den Videos sieht man, dass er das Spiel verstanden hat – ob er an der Seitenlinie steht oder auf dem Feld.“ Dass Masching seiner Mannschaft mit dem Ball helfen kann, spricht laut Straub „für seine Klasse. Es gibt nicht viele Trainer, die das könnten“. Er jedenfalls, fügt er lachend hinzu, könne das nicht, obwohl er fünf Jahre jünger ist als Masching: „Ich lasse es besser.“

Masching betont derweil, dass seine Rückkehr auf das Feld zeitlich begrenzt sein soll. Da Roos’ lädierter Meniskus erst Anfang November operiert wird, wird man ihn aber zumindest bis zum Jahresende im TVR-Trikot sehen. „Ich merke schon, dass es nicht mehr ist wie mit 23, es ist auch eine Sache der Dosierung“, sagt Masching. Was wiederum eine Sache der Erfahrung ist.

Irgendwann im Januar, vielleicht schon beim EZ-Pokal vom 4. bis 6. im Esslinger Sportpark Weil, will Masching wieder an der Seitenlinie stehen – oder in seinem Fall eher dort auf- und abmarschieren – und Roos aufs Spielfeld schicken. Aber wenn es danach mal wieder nötig sein sollte, wissen die beiden Reichenbacher Trainer – und auch die Gegner: „Es ist kein Problem, die Rollen mal gschwind zu tauschen.“

Schönbuch-Trainer Breitenbacher sagte nach der Niederlage in Reichenbach jedenfalls zu Masching auch noch das: „Ein bisschen von deiner Erfahrung hätte meiner Mannschaft auch geholfen.“