In der Schlussphase vernagelte Team-Keeper Tim Boss seinen Kasten. Foto: /Robin Rudel

In einem echten Handball-Krimi schlägt das Team Esslingen den Bis-Dahin-Verbandsliga-Spitzenreiter TV Reichenbach überraschend, aber nicht unverdient, mit 27:26.

Das Verbandsliga-Derby zwischen dem Team Esslingen und dem TV Reichenbach hatte eine ganze Reihe von wichtigen Faktoren – und drei entscheidende Momente. Der Erste: Zweieinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff des ebenso souverän wie unaufgeregt agierenden Schiedsrichtergespanns Joos/Klose sorgte Thorben Merk mit seinem fünften Treffer für das 27:26 und damit – nach dem 1:0 – für die zweite Führung der Gastgeber in dieser Partie überhaupt. Der Zweite: Im Gegenzug entschärfte Team-Torwart Tim Boss zum wiederholten Male einen Wurf der TVR-Angreifer.

Der Dritte: Als kurz darauf vorne der Ball vertändelt wurde, angelte sich Nicolai Mehlitz, der ansonsten häufig mit sich selbst und seiner Leistung gehadert hatte, unter letztem Einsatz und mit großem Willen einen weiten Gegenstoß-Pass, der ansonsten Yannik Heetel erreicht und wohl zum Ausgleich geführt hätte. So blieb es beim durchaus überraschenden, aber schlussendlich nicht unverdienten Erfolg der Esslinger, an den beim 12:18 zur Pause in der Schelztorhalle keiner ernsthaft geglaubt hatte.

Der Faktor Tim Boss kommt zum Tragen

Und so weit auch zu den besagten Momenten, denn ebenso entscheidend waren die wichtigen Faktoren im Laufe der insgesamt fair geführten Begegnung, die ein Spiel der Auszeiten war. Als es nach acht Minuten bereits 3:7 stand, zückte Team-Trainer Christian Straub den grünen Karton. Fünf Minuten später hieß es 7:7. Jetzt unterbrach TVR-Coach Jochen Masching die Partie, woraufhin seine Mannschaft bis zur 18. Minute auf 7:11 stellte – und ihren Vorsprung im Anschluss weiter ausbaute.

Als es nach dem Seitenwechsel beim 19:20 (41.) wieder eng wurde, griff Masching erneut ein, was dem TVR abermals half und zu einem Drei-Tore-Abstand führte. Just bei diesem 20:23 (46.) nahm das Team seine zweite Auszeit – und einmal mehr fand Straub offenkundig die richtigen Worte. Esslingen schaffte den 23:23-Ausgleich (51.). An dieser Stelle kam für die Hausherren der Faktor Tim Boss zum Tragen. Der Team-Keeper „vernagelte“, wie es dessen Trainer später ausdrückte, seinen Kasten und wurde damit zum „Man of the Match“. In der entscheidenden Phase habe er zwar ganz gut gehalten, meinte der Torwart nach der Partie bescheiden, lobte aber vor allem „den Willen und den Kampfgeist“ seiner Mitspieler.

Masching: Nach der Pause fanden wir nicht mehr statt

Hoch zufrieden war natürlich auch Christian Straub: „Unfassbar“ fand er die Leistung seines Schlussmanns, vor allem angesichts der Tatsache, dass dieser zwei Wochen lang kaum trainiert habe. „Ohne ihn hätten wir’s heut’ nicht geschafft, zwei Punkte zu holen, mit denen wir nicht rechnen konnten“, war sich der Trainer sicher. Und was ihn ebenfalls freute: „Immer wenn sich die Jungs an den Matchplan gehalten haben, im Angriff geduldig zu agieren und in der Abwehr hoch zu stehen, hat es funktioniert.“

Sein Pendant auf Reichenbacher Seite stimmte zu: „Wir hatten es in der ersten Hälfte in der Hand, fanden aber nach der Pause nicht mehr statt“, analysierte Masching. Es sei einfach zu wenig gewesen, was er ebenfalls „unfassbar“ fand. „Wenn du das Team ins Spiel kommen lässt, wird es schwer und was Tim Boss leisten kann, wissen alle“, fügte er hinzu. Als „clever ausgespielt“ und „letztlich verdient“ bezeichnete er den Erfolg der Hausherren – mit dem der TV Reichenbach auch die Tabellenführung los ist.

Team Esslingen: Rehberger, Boss; David Frohna (8/7), Adelt, Merk (5), Jakob Guhl (2), Braune (2), Mehlitz (3), Felix Guhl (2), Fischer, Christopher Frohna (3), Benedikt Frohna (1), Erichs, Reitzle (1).

TV Reichenbach: Braun, Breuning: Haase, Schaupp (1), Heetel (5/1), Dannenmann, Glatzel (8), Lustig, Tonn (1), Stammhammer (2), Roos (2), Bühler (2), Mäntele (3), Pussert (2).

Schiedsrichter: Joos/Klose (Weinstadt/Gablenberg-Gaisburg).

Zuschauer: 300.

Zeitstrafen: 4:14 – zweimal zwei Minuten für Pussert (Reichenbach), einmal zwei Minuten für David Frohna und Christopher Frohna (Team) sowie für Schaupp, Glatzel, Stammhammer, Roos und Mäntele (Reichenbach).

Beste Spieler: Tim Boss, Thorben Merk, David Frohna / Heiko Glatzel.