Die Handball-Verbandsliga der Männer verspricht in der anstehenden Saison wieder viel Spannung, einige Derbys und neue Gesichter– sowohl auf der Platte als auch auf der Trainerbank.
Nach dem souveränen Aufstieg der SG Hegensberg/Liebersbronn in die Oberliga und dem Abstieg des TSV Deizisau aus selbiger treten erneut vier Teams aus dem Raum Esslingen in der Handball-Verbandsliga an. Eine Prognose abzugeben, in welcher Reihenfolge sie die Saison abschließen werden, gestaltet sich wie immer schwierig– wobei Absteiger Deizisau freilich von einigen Experten als Aufstiegsaspirant genannt wird. Deizisaus Neu-Coach Sven Strübin gibt die Favoritenrolle aber gerne erst mal ab und will sich „auf die Entwicklung des Teams“ konzentrieren. Auch der TV Reichenbach – Platz drei in der vergangenen Saison und knapp in den Entscheidungsspielen zur Oberliga gegen den TV Hardheim gescheitert – könnte wieder eine Rolle ganz oben spielen. In einem Punkt sind sich die Trainer aus der Region aber einig: Die anstehende Verbandsliga-Saison könnte – vor allem im vorderen Bereich der Tabelle – sehr ausgeglichen werden.
TSV Deizisau
Wo kommen sie her? Nachdem die Deizisauer Handballer am letzten Oberliga-Spieltag gegen das Schlusslicht TV Oeffingen nur 27:27 unentschieden spielten, war der Abstieg besiegelt – und es herrschte riesige Enttäuschung. Aber der Wille war groß, das schnellstmöglich zu korrigieren. Auch die Trainersuche stockte zunächst, aber in Sven Strübin wurde dann ein Coach gefunden, der das Ruder in Deizisau herumreißen soll. „Zwei Abstiege in Folge, dazu braucht man glaube ich nicht allzu viel sagen“, sagt der neue Trainer Strübin mit einem Lächeln, fügt dann aber ernst hinzu: „Vor allem, wenn du auf der personellen Seite nicht so viel Veränderungen hast, dann gibt es viel zu verändern, denn irgendetwas lief scheinbar in den vergangen zwei Jahren nicht gut.“
Wo wollen sie hin? Zuerst einmal ist es Coach Strübin wichtig, dass das Team „wieder Spaß“ am Handball hat. „So ein Abstieg geht an einer Mannschaft nicht spurlos vorbei und das Selbstbewusstsein muss wieder aufgebaut werden. Wir haben viel verändert und ich habe versucht, meine eigene Spielphilosophie dem Team mitzugeben“, erzählt Strübin, der mit der Vorbereitung zufrieden ist: „Wir haben umfangreich trainiert und im athletischen Bereich eine gute Grundlage geschaffen. Aber die Abläufe müssen noch besser werden und es wird dauern, bis Trainer und Mannschaft den Mix zusammen findet.“ Beim Vesalius-Cup in Köngen, bei dem die Deizisauer Zweiter wurden, funktionierte das Zusammenspiel augenscheinlich zumindest ganz gut. Von einer tabellarischen Zielsetzung nimmt Strübin aber erst mal Abstand: „Unser erstes Meilenstein wird es sein, dass wir es schaffen, dass die Mannschaft wieder am absoluten Limit spielt. Denn die anderen Teams aus der Liga haben sich gut verstärkt und ich rechne mit einer breiten Spitze.“ Eine „Top-Fünf-Platzierung“ soll es laut Strübin dann aber werden.
Wer soll es richten? „Wir müssen es als Mannschaft richten“, beginnt Strübin und fügt hinzu: „Ich glaube, dass andere Teams bessere Einzelspieler haben als wir, aber wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen können, dann werden wir schwer schlagbar sein.“ Der Neuzugang vom TSV Köngen, Florian Touet, wird aufgrund einer Kreuzbandverletzung länger ausfallen. „Wir hatten uns sehr auf ihn gefreut, denn er wird uns im Angriff guttun, wird aber erst mal bis Weihnachten ausfallen“, erzählt Strübin, der froh ist, dass der routinierte Keeper Alin Illi „wieder zurückgekehrt ist, denn so haben wir ein starkes Torhüter-Duo.“
TV Reichenbach
Wo kommen sie her? Die Reichenbacher haben eine starke Saison hinter sich, die sie mit Rang drei und den Entscheidungsspielen zur Oberliga beendeten. „Es war eine unerwartet gute Runde und wir haben unsere Erwartungen übertroffen. Die beiden Aufsteiger waren relativ weit weg von uns, aber gegen die restlichen Teams, die um Platz drei gekämpft haben, haben wir einen guten Job gemacht“, betont TVR-Coach Jochen Masching und fügt hinzu: „Vor der abgelaufenen Saison hätten wir denjenigen für verrückt erklärt, der uns Platz drei prognostiziert hätte.“
Wo wollen sie hin? Das Selbstvertrauen ist bei den TVR-Handballer dementsprechend vorhanden und die Spieler kennen sich sowie sind eingespielt. „Ich glaube schon, dass wir nun von den Gegnern noch ernster genommen werden. Die Liga ist mit einigen neuen Teams zusammengewürfelt worden und da müssen wir auch erst einmal schauen, wo wir stehen“, sagt Masching. Daher möchten sie beim TVR erst einmal kleinere Brötchen backen: „Wir wollen uns wieder zwischen Rang drei und sieben platzieren, also irgendwo im vorderen Mittelfeld.“
Wer soll es richten? Routinier Heiko Glatzel kam zur Freude der TVR-Handballer vom TSV Denkendorf nach Reichenbach zurück, kann aber aufgrund einer Schulterverletzung „erst später einsteigen“ (Masching). Auch Peter Scheffold wechselte aus Deizisau an seine alte Wirkungsstätte. Und in Linkshänder Tristan Gehring haben die Reichenbacher laut Masching einen „guten, jungen Spieler aus der A-Jugend des TV Plochingen bekommen, der schon regelmäßig bei uns mittrainiert hatte“. Masching sieht sein Team als „gut aufgestellt“ an und hebt noch Tim Pussert hervor: „Wir kommen über die Mannschaft, aber Pussert, der überdurchschnittliche Fähigkeiten für die Liga hat, ist schon unser Zugpferd.“ Besonders freut sich Masching darüber, dass der spielende Co-Trainer Daniel Roos wieder fit ist – und er selbst sich „wieder voll und ganz“ dem Trainerjob widmen kann. „Das ist vielleicht auch besser so“, scherzt der 40-jährige Masching, der aber in der vergangenen Saison durch seine Präsenz auf der Platte – und seinen Toren – eine Hilfe für das Team war.
TSV Denkendorf
Wo kommen sie her? „Ich glaube, dass wir eine ganz ordentliche Runde gespielt haben“, sagt Neu-Coach Moritz Müller. Müller wechselte von der zweiten Denkendorfer Mannschaft – die in der Bezirksoberliga antritt – zur ersten und wurde Nachfolger des langjährigen Trainers Ralf Wagner, den es zum Landesligisten TSV Zizishausen zog. Die Denkendorfer spielten in der vergangenen Saison lange in den oberen Tabellenregionen mit, ehe eine Verletzungsmisere sowie Leistungsschwankungen das Team am Ende auf Platz sechs zurückwarfen. „Es waren gute Spiele gegen Teams aus dem ganz oberen Drittel dabei, aber auch Niederlagen, die vermeidbar waren“, sagt Müller.
Wo wollen sie hin? Die Denkendorfer wollen laut Trainer Müller nun diese „Leistungsschwankungen in den Griff bekommen und alles etwas souveräner gestalten“. Aber sie hoffen freilich auch darauf, „von den Verletzungen etwas verschonter zu bleiben, damit wir unser volles Potenzial ausschöpfen können“. Müller ist derweil zufrieden mit der Vorbereitung – und freut sich, dass ihn das Team „so super“ aufgenommen habe: „Wir haben viel und gut trainiert sowie hart geackert. Ich hoffe, dass sich das dann auszahlen wird.“ Tabellarisch wollen die Denkendorfer „den Blick nach oben richten“, auch wenn sich Müller bei der Nennung einer genauen Platzierung schwertut: „Es ist eine brutal ausgeglichene Liga. Unser Ziel ist es, uns stetig weiterzuentwickeln und am Ende auf jeden Fall besser als in der vergangenen Saison dazustehen.“
Wer soll es richten? Im „altbekannten“ Lucas Schmid und in Neil Jäger kamen zwei Spieler aus Deizisau nach Denkendorf, die der Mannschaft des TSV laut Müller „sicherlich guttun“ werden. „Wir können quasi qualitätsfrei auf jeder Position wechseln. Unser Spielerkern aus der vergangenen Saison ist stark, dann haben wir noch zwei gute Handballer aus dem zweiten Team dazubekommen, die auch schon beim ersten dabeigewesen sind“, erzählt Müller und ergänzt: „Ich will da gar niemanden herausheben, denn ich bin froh darüber, dass wir so eine gute Mannschaft haben.“
Team Esslingen
Wo kommen sie her? „Wenn man die vergangene Saison betrachtet, dann muss man sagen, dass wir dem Abstieg knapp entkommen sind“, sagt der neue Trainer Timo Flechsenhar, der seinen Co-Trainerposten bei der HSG Ostfildern aufgab, um beim Team den ersten Job als Chefcoach anzunehmen. Die Esslinger waren mit der abgelaufenen Runde, die auf Rang neun endete, nicht zufrieden – und wollen nun einiges verändern.
Wo wollen sie hin? Erst einmal soll daher laut Neu-Coach Flechsenhar „ein Platz im gesicherten Mittelfeld“ angepeilt werden. „Wir wollen sowohl unseren neuen, als auch den jungen Spieler die Möglichkeit geben, dass sie in der Liga Erfahrung sammeln und sich etablieren können“, betont Flechenshar und denkt schon einen Schritt voraus: „So können wir möglichst früh in die Kaderplanung für die Saison danach einsteigen, denn das ist immer schwierig, wenn man unten herumkrebselt.“ Indes blickt Flechsenhar auf eine „solide Vorbereitung ohne große Vorfälle zurück und wir fühlen uns bereit für die anstehende Saison“.
Wer soll es richten? Die Routiniers Christopher Frohna und Thorben Merk beendeten ihre Karriere, dafür kamen drei Spieler aus der eigenen Jugend sowie Keeper Moritz Schlemmer von der HSG und Simon Mehlitz von der SG Hegensberg/Liebersbronn dazu. „Schlemmer und Mehlitz werden mit Sicherheit eine große Verantwortung tragen müssen“, sagt Flechsenhar und ergänzt: „Die breite im Kader beziehungsweise die Ausgeglichenheit im Team muss es richten, aber auch die Jugendspieler, die wir stetig integrieren, werden eine wichtige Rolle spielen.“
TSV Deizisau: Zugänge: Florian Touet (TSV Köngen), Finn Beichter (SG Pforzheim/Eutingen II), Timo Heinemann (eigene Jugend), Alin Illi (Vereinslos).
Abgänge: Peter Scheffold (TV Reichenbach) , Neil Jäger, Lucas Schmid (beide TSV Denkendorf), Magnus Dierl (SV Fellbach), Paul Lampart (SG Hegensberg/Liebersbronn).
Trainer: Sven Strübin.
TV Reichenbach: Zugänge: Tristan Gehring (TV Plochingen), Heiko Glatzel (TSV Denkendorf), Peter Scheffold (TSV Deizisau).
Abgänge: Sascha Bauer (berufsbedingt), Phil Bühler (Auslandssemester).
Trainer: Jochen Masching.
TSV Denkendorf: Zugänge: Lucas Schmid, Neil Jäger (beide TSV Deizisau), Marcel Beck, Niklas Ockers (beide zweite Mannschaft) .
Abgänge: Joshua Denk (SV Leonberg/Eltingen), Daniel Moritz (Pause), Laurin Rapp (unbekannt), Heiko Glatzel (TV Reichenbach), Adrian Thamm (Studium).
Trainer: Moritz Müller.
Team Esslingen: Zugänge: Moritz Schlemmer (HSG Ostfildern), Simon Nicolai Mehlitz (SG Hegensberg/Liebersbronn), Kuno Vetter, Rapahel Weber, Nils Onuseit (alle eigene Jugend).
Abgänge: Christopher Frohna, Thorben Merk (beide Karriereende), Nicolai Erichs (zurück nach Dänemark), Niklas Müller (unbekannt).
Trainer: Timo Flechsenhar.