Veronika Goldammer verlässt die Handballerinnen des TV Nellingen und wechselt zur HSG Stuttgart/Metzingen, mit der der Verein keine Spielgemeinschaft will. Der TVN möchte am Leistungssport festhalten.
„Es ist mir verdammt schwer gefallen, weil ich bis zum Schluss nicht davon ausgegangen bin, dass ich diesen Schritt gehen muss“, sagt Veronika Goldammer und man hört ihr an, wie sie die Sache bewegt. Die langjährige Trainerin und zuletzt auch sportliche Leiterin wird sich am Ende der Saison nach 19 Jahren in verschiedenen Funktionen von den Handballerinnen des TV Nellingen verabschieden. Niemand neben dem im Jahr 2009 verstorbenen Klaus-Dieter Faustka hat den Handball im weiblichen Bereich auf den Fildern so sehr geprägt wie die 50-Jährige. Wie der Verein die Lücke schließen wird und ob es überhaupt noch Leistungssport beim TVN geben wird, ist nun die große Frage.
Beantworten muss sie Abteilungsleiter Tobias Danner mit seinem Team, das erst seit einem Jahr im Amt ist. „Wir wissen um die Verdienste von Vroni und bedauern ihre Entscheidung, können ihre Beweggründe jedoch nachvollziehen und wünschen ihr für ihren neuen Weg wirklich nur Gutes“, erklärt Danner laut einer Mitteilung des Vereins.
Nachdem es mit dem Frauenteam seit dem Rückzug aus der Bundesliga im Jahr 2019 stetig bergab ging, führte Uneinigkeit über die Zukunftsstrategie in der Abteilungsführung nun zu Goldammers Abschied. Im vergangenen Sommer stieg das Team aus der 3. Liga ab und schwebt mit einem kleinen Kader nun auch in der Regionalliga stark in Abstiegsgefahr. Goldammer und auch die ehemalige Bundesligaspielerin Stefanie Urbisch favorisierten im Gremium eine Integration in die – dann neu benamte – HSG Stuttgart/Metzingen. Eine Mehrheit stimmte jedoch „nach reiflicher Überlegung und Abwägung der Chancen und Risiken“, wie es in der Vereinsmitteilung heißt, dagegen.
Offensichtlich herrschen bei den Gegnern einer Spielgemeinschaft Bedenken, ein gutes Stück der eigenen Identität preiszugeben – zumal, da über allem der einstige Nellinger Zweitligarivale und Bundesligist TuS Metzingen thronen würde. Goldammer jedoch findet: „Wir hätten einen supertollen regionalen Stützpunkt entwickeln und den Talenten in der Region optimale Rahmenbedingungen bieten können.“ Stuttgart/Metzingen war dazu bereit. Nun schließt sich Goldammer der HSG an, bei der ihre Tochter Katharina seit dem vergangenen Sommer spielt. Nellingens C-Jugend-Trainer Gerrit Christ wird sie begleiten. Welche Aufgabe sie dort übernehmen werden, soll in den kommenden Wochen besprochen werden.
„Wir haben da einige Ideen“
„Für mich ist Handball Leistungssport, dafür steht auch mein Name und da muss ich mir treu bleiben“, sagt Goldammer – und macht sich Sorgen um ihren bald Ex-Verein. Das Gros der Spielerinnen des jetzigen Regionalliga-Teams zu halten, wird nicht leicht, ein zweites Team mit möglichen Nachrückerinnen gibt es nicht mehr und auch bei den Jugendspielerinnen und ihren Eltern herrscht offenbar große Verunsicherung. Die A-Jugend ist in der laufenden Bundesligasaison ausgeschieden, die B-Jugend tritt ab dem 9. Februar – mit Goldammer auf der Bank – noch in der Pokalrunde an.
„Es soll weiterhin auch leistungsorientierter Handball in Nellingen angeboten werden“, heißt es in der Mitteilung des TVN. Und: „Der Grundstock ist sehr solide, der Kinderhandball erfährt seit einem guten halben Jahr wieder starken Zulauf.“ Gleichzeitig sei nach den vielen Abgängen von Leistungsträgerinnen des Frauenteams in den vergangenen Jahren „die Verpflichtung neuer, erfahrener Spielerinnen aufgrund der Historie und der fehlenden Attraktivität eine nahezu unlösbare Aufgabe“ gewesen.
Sandra Härtl, die Jugendleiterin und frühere Kapitänin des Nellinger Zweitligateams, hofft, „dass wir es hinkriegen, weiterhin Leistungssport anzubieten“. Sie will nun mithelfen, die Leistungsträgerinnen sowohl im Nachwuchs als auch beim Frauenteam vom Bleiben zu überzeugen. „Es wäre schade, wenn die vielen Kinder keine Perspektive hätten, vor allem für die höheren Altersklassen braucht man sie“, sagt Härtl und ergänzt, ohne konkret zu werden: „Es laufen viele Gespräche und wir haben da einige Ideen.“ Sie wisse aber, „dass es schwer wird“. Goldammer habe sehr viel für den Verein getan: „Aber man kann es auch als Chance für einen Neuanfang sehen.“
Schnell von der Spielerin zur Trainerin
Goldammer war im Jahr 2006 zunächst als Spielerin vom österreichischen Club Wiener Neustadt zum damaligen Zweitligisten nach Nellingen gekommen. Schnell wurde jedoch ihr Talent als Trainerin erkannt. Sie prägte anschließend lange die Nachwuchsarbeit, die ihre Leidenschaft blieb, übernahm später das zweite Team und nach dem freiwilligen Gang von der Bundesliga in die 3. Liga das erste, ehe sie es im Sommer 2023 an den – mittlerweile beurlaubten – Jan Hirschmüller – übergab und den Posten der sportlichen Leiterin annahm. „Ich werde den Weg in Nellingen weiter verfolgen und hoffe, dass ein freundschaftlicher Kontakt bestehen bleibt“, sagt Goldammer – und geht ihren im Leistungssport bei Stuttgart/Metzingen ohne Nellingen weiter.