Der technisch Versierte: Timo Durst. Foto: Herbert Rudel

Die langjährigen Handballer des TSV Neuhausen, Timo Durst und Hannes Grundler, stehen am Samstag noch mal gemeinsam in der Halle – werden sich aber auch danach oft sehen.

Sie waren in den vergangenen Jahren ohne Übertreibung die prägenden Figuren im Spiel des Handball-Drittligisten TSV Neuhausen und das Kontinuum im Team. Mit dem Ende der abgelaufenen Saison haben Hannes Grundler und Timo Durst ihre Karriere beendet. Am Samstag (16.30 Uhr) laufen sie aber noch ein Mal in der Egelseehalle, jahrelang ihr zweites Wohnzimmer, auf. Zu ihrem Abschiedsspiel tritt das Team „Durst & Grundler“ mit langjährigen Weggefährten wie Grundlers Brüder Steffen und Lukas sowie Timo Flechsenhar, Daniel Roos, Dominik Eisele, Markus Fuchs, Philipp Frey und Alexander Trost gegen das neue Team der Maddogs an. Dursts und Grundlers Auswahl wird von ihrem langjährigen Begleiter Markus Locher betreut, beim Neuhausener Team gibt der neue Trainer Daniel Brack seine Premiere. Vorher haben sich der 32-jährige Grundler und der gleichaltrige Durst daheim bei Grundler zusammengesetzt und über ihre erfolgreiche Laufbahn gesprochen – und über ihre enge Freundschaft.

Wo werden Sie beide sich nach dem Abschiedsspiel zum ersten Mal wiedertreffen?

Grundler: Spätestens beim Abschiedsspiel eine Woche später von Manuel Späth. Aber es kann auch vorher sein, weil wir uns eh schon lange mindestens ein Mal die Woche mit unseren Frauen oder auch ohne sie auf einen Kaffee oder ein Bierchen treffen.

Durst: Oder beim Tennis, denn da wollen wir uns ab jetzt zusammen mit ein paar anderen Kumpels ja auch sehen.

Wer ist denn besser im Tennis?

Grundler: Das haben wir noch nicht herausgefunden.

Durst: Ja, wir müssen uns da endlich mal treffen. Wir haben seit der Tennis-AG in der Schule nicht mehr gegeneinander gespielt.

Was war das größte Erlebnis, das Sie im Handball gemeinsam erlebt haben?

Grundler: Spontan denke ich da an das letzte Heimspiel gegen den HC Oppenweiler/Backnang. Das ist noch sehr aktuell und wird lange in Erinnerung bleiben: Gegen den Tabellenführer mit zwölf Toren zu gewinnen, die Auszeit kurz vor Schluss zu erleben, bei der wir beide uns feiern lassen durften . . . . Aber auch alle Aufstiege waren toll. Andersherum waren wir die Abstiege irgendwann gewohnt. Ich hoffe, dass das mit dem Absteigen in Neuhausen jetzt vorbei ist.

Durst: Die Aufstiege fallen mir natürlich auch ein, aber ich erinnere mich auch an die Klassenverbleibsrunden, die wir mal gespielt haben, als es in jedem Spiel um etwas ging. Es hat einfach Spaß gemacht, dass wir es dann geschafft haben und wir den Erfolg zusammen gefeiert haben.

Was werden Sie in Bezug auf den Handball am jeweils anderen am meisten vermissen?

Grundler: Das ist wirklich schwer zu beantworten. Für das, was uns verbindet, ist der Handball am Ende ja völlig wurst. Wir haben auch im Privaten schon sehr viel erlebt, ich durfte sein Trauzeuge sein. Vielleicht wird mir die gemeinsame Fahrt ins Training fehlen oder der Espresso vor jedem Spiel, den wir gemeinsam hier bei mir getrunken haben.

Durst: Wir spielen mit einer kurzen Unterbrechung seit der Jugend schon immer zusammen. Der Kapitän und der Leitwolf war Hannes auch für mich. Das hat sich auch aufs Private übertragen. Hannes hat zwei Kinder, bei uns steht im August die Geburt an.

Gibt es etwas, was Sie am jeweils anderen nicht vermissen werden?

Durst: Mir fällt dazu gar nichts ein, es war eine gute Zeit zusammen.

Grundler: Aus Timos Sicht vielleicht, dass ich manchmal ein bisschen Mist rausrede, was möglicherweise nicht immer gerecht war – aber der Grundler hat halt gedacht, er hat recht (lacht). Bei Timo fällt mir da nichts ein. Vielleicht wird das auf dem Tennisplatz anders sein, wenn er mich herspielt.

Was wird Ihnen vom Handball generell fehlen?

Durst: Das ist bestimmt die Zeit nach dem Spiel oder nach dem Training, wenn du in der Kabine mit der Mannschaft zusammenhockst. Das hat uns viel gegeben. Und die Erfolge, die wir als Mannschaft hatten, werden mir fehlen, das Adrenalin und die Spiele, in denen es so richtig um etwas geht.

Grundler: Klar, wir sind es gewohnt, dass man vier Mal in der Woche hoch in die Halle fährt und mit 15 anderen Jungs in der Kabine sitzt und mal nicht Familienvater oder Lehrer ist, sondern mit den anderen quatscht und einfach der Hannes ist, der ein Bier aufmacht und motzt, wenn es nicht kalt genug ist. Es ist das Gemeinschaftsgefühl, zusammen zu schwitzen, zusammen zu fluchen und sich dann wieder gemeinsam zu freuen.

Was wird Ihnen nicht fehlen?

Grundler: Eben wenn es 30 Grad hat, hoch in die Halle am Kaffee vorbeizufahren, wo es proppenvoll ist und jeder mit einem Bier oder einem Aperol da sitzt und wir da auch lieber hocken würden. Das werden wir in Zukunft auch machen. Und die Saisonvorbereitung ist auch nicht gerade dazu da, um Spaß zu haben. Oder mal nach einem langen Tag, wenn man auch daheim gefordert ist, nicht in die Halle zu müssen. Wenn wir es jetzt mal nicht zum Tennis schaffen, interessiert das keinen, da ist nicht diese ständige Verpflichtung da. Auch dieser ständige Verzicht, etwa auf Geburtstagsfeiern nicht oder später zu kommen oder bei Hochzeiten nichts trinken zu können, weil am nächsten Tag ein Spiel ist. Das jetzt machen zu können, werde ich am meisten genießen.

Durst: Da stimme ich zu hundert Prozent zu. Man konnte auch nicht so einfach kurzfristig in den Urlaub gehen und hatte generell ein sehr kurzes Fenster, in dem man das tun konnte.

Gibt es etwas, was der jeweils andere handballerisch kann, was man selbst nicht kann?

Durst: Abwehr spielen. Es ist nicht so, dass ich das nicht kann, aber ich habe da in den vergangenen Jahren eher eine untergeordnete Rolle gespielt, habe außen verteidigt, damit ich im Angriff mehr Luft hatte. Ich ziehe meinen Hut vor Hannes, dass er sowohl in der Abwehr als auch im Angriff so eine zentrale Rolle gespielt und das so gewuppt hat. Seine Durchsetzungsstärke hat ihn auch ausgezeichnet. Wir sind ja beide nicht die Größten, aber wie er durchgekommen ist, obwohl da gar keine Lücke war – stark.

Grundler: Timo ist technisch wesentlich versierter als ich. Beim freien Durchbruch einen Dreher zu machen, ist bei mir nicht drin. Ich könnte es schon machen, aber dann hätten die Zuschauer und der gegnerische Torwart ihren Spaß daran. Überhaupt seine Würfe und wie er das Spiel lenkt, das hätte ich nicht gekonnt. Das Lenken und Denken erfordert Hirnleistung. Ich als „blöder“ Halbspieler muss halt machen, was er sagt, und muss mir keine Gedanken machen.

Welche Rolle wird der Handball in fünf Jahren in Ihrem Leben spielen?

Grundler: Sollte sich eins meiner Kinder für den Handball entscheiden, könnte ich mir vorstellen, als Jugendtrainer einzusteigen. Ich bin aber auch offen, wenn der Verein fragt, ob ich irgendwo unterstützen kann. Ich denke, das gilt auch für Timo, wir spielen so lange für den Verein. Ansonsten hoffe ich, dass ich immer noch Fan der Mannschaft bin, dass ich dann noch Jungs sehe, mit denen ich selbst zusammengespielt habe. Dann sind wir großer Fan und großer Kritiker zugleich, mit so schlauen Kommentaren, die wir immer selbst gehört haben.

Durst: Vielleicht sind wir in fünf Jahren ja auch gar nicht mehr up to date, was den modernen Handball betrifft (lacht). Das glaube ich aber nicht. Ich will weiterhin in irgendeiner Form mit dem Handball verbunden sein. Klar, das Trainertum liegt irgendwie auf der Hand. Es wäre schön, wenn wir das weitergeben können, was wir während unserer Karriere gelernt haben. Das kann ich mir schon vorstellen.