Handball-Drittligist TSV Neuhausen unterliegt der bärenstark verteidigenden HSG Konstanz deutlich mit 33:43.
Das erste und das letzte Wort hatte Hallensprecher Jens Tarnowski. „Wir wollen gegen die favorisierten Konstanzer gut dagegenhalten“, sagte er vor dem Spiel und formulierte damit offensichtlich eine Menge Understatement. Nach der Partie rief er den Zuschauern zu: „Gegen den Favoriten vom Bodensee war nicht mehr drin.“ Tatsächlich stand die HSG Konstanz in der Tabelle der 3. Handball-Liga vor dem Anpfiff dieser Begegnung zwei Plätze hinter dem TSV Neuhausen. Nach der Schlusssirene war die HSG vom 9. auf den 8. Rang geklettert und damit auf einen Platz an die Neuhausener herangerückt. An diesem Abend aber waren diese klar unterlegen und verloren mit 33:43 (18:21). Selten war in der Egelseehalle ein Spiel so früh entschieden.
Neuhausens Trainer Daniel Brack suchte nicht lange nach Erklärungen. „Ich war nach Siegen schon sehr unzufrieden und bin eskaliert“, sagte er, „diesmal bin ich ganz ruhig. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, emotional hat sie alles gebracht.“ Aber: „Konstanz hat ein sensationelles Spiel gemacht, das muss man einfach mal anerkennen.“ Kapitän Philipp Keppeler meinte, auf die Worte seines Coaches angesprochen, nach kurzem Überlegen: „Unzufrieden bin ich schon. In der ersten Hälfte war es noch gut, aber in der zweiten mussten wir dem Körperlichen Tribut zollen.“ Die Neuhausener, die das Hinspiel mit 36:34 gewonnen hatten, hatten personell eine schwierige Trainingswoche. Im Spiel der JANO-A-Jugend am Vortag hatte sich auch noch Max Heydecke am Wadenbein verletzt. Und so saßen die drei U-19-Weltmeister Heydecke, Linus Schmid und Nick Scherbaum nebeneinander sowie nicht einsatzfähig neben dem Spielfeld auf einer Bank.
Das aber erklärte die klare Niederlage nicht alleine. Der Hauptgrund war wohl tatsächlich die Leistung der Konstanzer. Deren neuer – und ehemaliger Neuhausener – Trainer Ralf Bader war einigermaßen überrascht vom Auftritt von seiner Mannschaft. Es war der vierte unter seiner Regie, der zweite Sieg – und er dokumentierte eine klare Leistungssteigerung. Vor allem hatte er nicht damit gerechnet, dass die HSG in der Offensive so stark sein würde, denn damit hatte er zuletzt noch gehadert. Dabei überzeugten nicht nur die Hünen im Rückraum, sondern vor allem die vergleichsweise klein gewachsenen Spielmacher Felix Sproß und Tim Enninghorst. Bader wusste aber auch: Vor allem die bärenstarke Abwehr hatte den Erfolg gebracht. „Wir haben sehr kämpferisch verteidigt und dafür auch die vielen Zeitstrafen in Kauf genommen“, sagte er.
Das sieht man selten: Gleich drei Konstanzer beobachteten die letzten Minuten abseits des Geschehens – zwei waren aufgrund von drei Zeitstrafen ausgeschlossen, einer hatte glatt Rot gesehen. Das Spiel war sehr intensiv, aber keinesfalls unfair.
Viele Zeitstrafen
Unglücklich für die Neuhausener war, dass es kurz vor der Pause noch 17:17 stand, sie dann aber mit einem 18:21-Rückstand in die Kabine gingen. „Das war aber nicht das Entscheidende“, fand Kapitän Keppeler. Denn davor war die Partie zwar sehr ausgeglichen mit ständig wechselnden Führungen, die Neuhausener taten sich da aber bereits wesentlich schwerer, zum Torerfolg zu kommen als die Konstanzer. Sehenswert war es, wenn Luis Sommer abschloss – meistens klug eingesetzt von Lukas Fischer.
Nach dem Wechsel zogen die Konstanzer davon, weil sie weiterhin hinten dichtmachten und vorne viel leichter die Lücken fanden. Die Neuhausener versuchten es im Eins-gegen-Eins, was manchmal auch nach Brechstange aussah. Aber „nachdem sie uns in der ersten Hälfte damit vor Probleme gestellt hatten, haben wir sie dann gut gestellt“, analysierte Bader. Und so schauten in den letzten Minuten einige Fans schon auf ihr Handy, um nach dem Zwischenstand beim EM-Finale in Herning zu schauen. Für die Neuhausener war an diesem Abend gegen die Konstanzer nicht mehr drin – Favoritenrolle hin oder her.
TSV Neuhausen: Prauß, Pol, Hamann; Julien Sprößig, Huss (2), Marlin Sprößig, Haag (3), Reinhardt, Baumann (3), Sommer (7), Fischer (10/7), Sahin (2), Keppeler (1), Kosak (5).
HSG Konstanz: Pauli, Frensel; Stotz (1), Czako (4), Michelberger (6), Sproß (7), Erifopoulos (1/1), Schwormstede (2), Knipp (2), Enninghorst (6), Maxim Pliuto (3), Nikita Pliuto (3), Hadlich (3), Fuhrmann, Dietrich (3), Schlafmann (2).
Schiedsrichter: Dominik Salles / Lars Salles (Pleidelsheim / Karlsruhe).
Zuschauer: 300.
Rote Karte: Knipp (Konstanz / grobes Foulspiel).
Zeitstrafen: 8:22 – drei Mal zwei Minuten und rote Karte für Schwormstede, Michelberger (Konstanz), zwei Mal zwei Minuten für Sproß (Konstanz), zwei Minuten für Kosak, Julien Sprößig, Sommer, Baumann (Neuhausen), Stotz, Dietrich, Knipp (Konstanz).
Beste Spieler: Sommer / Sproß, Enninghorst.