Solche Szenen werden sie in Neuhausen vermissen: Timo Durst zeigt vollen Einsatz für sein Team. Foto: Herbert Rudel

Die Neuhausener Handballer besiegen Meister Oppenweiler/Backnang mit 37:25. Durst und Grundler zeigen noch mal, warum sie das Gesicht des Teams sind.

Es ist noch knapp eine Minute zu spielen. Trainer Tobias Klisch nimmt eine Auszeit. Timo Durst und Hannes Grundler stehen im Mittelkreis, der Rest des Teams hinter ihnen. Die ganze Halle applaudiert für die beiden Spieler, die mehr als ein Jahrzehnt den Handball des TSV Neuhausen geprägt haben. Sie gehen ein letztes Mal in der 3. Liga in der Egelseehalle vom Feld. Kurz vor dem offiziellen Spielende. Der Abschied der beiden Rückraumspieler war schon länger bekannt. Emotional wurde es dennoch. Auch wenn sich beide auf mehr Familienzeit freuen, flossen Tränen. Und in keinem Drehbuch hätte es besser geschrieben werden können. Beim überraschenden 37:25 (22:10)-Sieg gegen den Meister HC Oppenweiler/Backnang zeigten die Neuhausener Drittliga-Handballer eine hervorragende Leistung – inklusive Grundler und Durst.

Mit schnellen Angriffen und einer aggressiv sowie flinken Abwehr stellten die Maddogs den Meister ständig vor Probleme, auf die der nur selten eine geeignete Antwort fand. „Jeder hat noch einmal ein paar Prozent mehr gegeben“, freute sich Durst nach seinem letzten Heimspiel und betonte: „So hätte ich mir das nicht erträumen lassen, es hätte nicht schöner sein können.“ Seit 2011 ist der Rückraumspieler bei den Neuhausenern und zog gekonnt die Fäden auf der Rückraum-Mitte-Position. Früh übernahm er hier Verantwortung. Vor allem nach dem Weggang von Simon Wohlrabe. Er will es genießen, erst einmal keine sportlichen Verpflichtungen zu haben. Aber im Moment sei das noch sehr unwirklich.

Fit bleiben mit dem kleineren Ball

Grundler werden die Mannschaft und das Kribbeln im Bauch vor den Spielen fehlen, wie er erklärte. Aber auch er freut sich auf den neuen Abschnitt. Gemeinsam haben sich die zwei beim Tennisverein angemeldet und wollen so mit einem etwas kleineren Ball fit bleiben. Ob sie in anderer Funktion zurückkehren werden, haben die Kapitäne offen gelassen – konkret ist erst einmal nichts geplant. „Wir werden auf der Tribüne testen, wie das Bier während einem Spiel schmeckt“, sagte Grundler lachend. Der Führungsspieler folgte seinem Freund Durst 2012 nach Neuhausen und war schnell ein wichtiger Rückhalt. Auf allen Positionen im Rückraum oder auch mal am Kreis und vor allem auf zentraler Position in der Abwehr setzte Grundler Zeichen und war immer dann da, wenn er gebraucht wurde. Nach dem letzten Drittligaspiel werden Grundler und Durst noch einmal in der Egelseehalle auflaufen – zu ihrem Abschiedsspiel am 28. Juni gegen das neu formierte Maddogs-Team. Sie freuen sich auf eine Handball-Party mit alten Weggefährten.

Schon nach 14. Minuten führten die Neuhausener gegen den Favoriten, der sich als Meister für die Aufstiegsspiele qualifiziert hat, aussichtsreich mit 10:2. Bezeichnend für das ganze Spiel waren die Treffer neun und zehn. Nach einer Parade von Neuhausnens Torhüter Sören Hamann (13.) erzielte Grundler das 9:2 und nach einem Ballverlust von Oppenweiler/Backnang ging es ganz schnell und Felix Zeiler warf zum 10:2 ein. „Wenn eine Mannschaft so schnell, so deutlich hinten liegt, wird es für sie schwer, aufzuholen,“ sagte Grundler. Der gegnerische Trainer Stephan Just brachte es auf den Punkt: „Das war eine überragende Leistung, aber nicht von uns.“ Für den Meister heißt es nun volle Konzentration auf die Aufstiegsspiele. Einer wird jedenfalls auch kommende Saison in Neuhausen auflaufen. Der Wechsel von Rückraumspieler Daniel Schliedermann auf die Fildern ist bereits fix.

„Wir wollten von Beginn an zeigen, dass wir hier gewinnen wollen. Ich bin sehr stolz, wie die Mannschaft das umgesetzt hat und freue mich für Hannes und Timo, dass sie ihre Karriere mit so einer Leistung gekrönt haben“, betonte Klisch. Mit einem doppelten Kempa erzielte Grundler im Zusammenspiel mit Durst und Julian Reinhardt das 35:22 (55.). Die Halle tobte. Nach dem Spielende dauerte es Minuten, ehe der Applaus verhallte, Grundler wurde geradezu von jungen Fans eingekesselt – hier noch ein Autogramm, da noch ein Foto. Da waren die Tränen dann bereits getrocknet und der Kapitän strahlte.

TSV Neuhausen: Hamann, Dotzauer; Durst (4/1), Scherbaum, Marlin Sprößig (1), Grundler (6/2), Gross (1), Reinhardt (2), Baumann (1), Sommer (2), Fischer (2), Keppeler (8), Zeiler (9), Hoer (1).

HC Oppenweiler/Backnang: Stasch (1), Boieck; Schliedermann (2), Goßner (1), Buck (5), Fröhlich (2), Dangers (1), Diebel (2), Sousa, Forstbauer (5), Golle (3/3), Eilers (3).

Zuschauer: 700.

Schiedsrichter: Dominik Salles / Lars Salles (Schozach/Bottwatal).

Zeitstrafen: 4:8– zwei Mal zwei Minuten für Grundler (Neuhausen), zwei Minuten für Schliedermann, Fröhlich, Dangers, Sousa (Oppenweiler/Backnang).

Beste Spieler: Zeiler, Hamann, Grundler, Durst / Fortsbauer.