Neuhausens Drittliga-Handballer pfeifen personell weiter aus dem letzten Loch – und kassieren gegen die Rhein-Neckar Löwen II eine 28:33-Niederlage.
Wie zuletzt beim 35:38 beim TSB Heilbronn-Horkheim mussten die Drittliga-Handballer des TSV Neuhausen auch gegen die zweite Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen ihrer personellen Schieflage Tribut zollen: Mit 28:33 (14:17) unterlag das Team von Trainer Tobias Klisch am Sonntagabend den Löwen und der Coach war nach der Partie bedient: „Hinten raus hat uns deutlich die Kraft gefehlt. Aber das wundert mich keineswegs angesichts der teils aberwitzigen Bedingungen, unter denen wir zuletzt trainieren mussten. Das ist die logische Folge davon.“
Neben den Langzeitverletzten Simon Kosak und Niklas Prauß ging etwa Torhüter Sören Finn Hamann mit einer Fußverletzung angeschlagen in die Partie und Lukas Fischer, der nach fünf Wochen Pause wieder spielte, ist beruflich bis zum Saisonende stark eingespannt und kann nur ein Mal die Woche trainieren. „Damit fehlt uns unter der Woche ein weiterer wichtiger Schlüsselspieler“, erklärte Klisch. Gegen die Löwen war obendrein aus der JANO-A-Jugend in Torhüter Till Elger gerade mal ein Akteur im Einsatz: Linus Schmid und Julien Sprößig sind ebenfalls verletzt, obendrein musste Kreisläufer Max Heydecke angeschlagen passen. Der nächste Wermutstropfen ist der drohende Ausfall von Marlin Sprößig, der gegen die Löwen heftig an der Schulter gefoult wurde und nicht mehr einsatzfähig war. „Das sah nicht gut aus“, bestätigte Klisch: „Unterm Strich muss man sich dann nicht wundern, wie solche Ergebnisse wie gegen die Löwen zustande kommen.“
Guter Start
Mit der Niederlage tauschen die beiden Mannschaften in der Tabelle den Platz: Die Maddogs sind nun Achter, zwar punktgleich mit den Junglöwen aber mit den schlechteren Karten im direkten Vergleich. Rein rechnerisch ist der Klassenverbleib noch nicht in trockenen Tüchern, trotz der angespannten Lage bleibt Klisch indes zuversichtlich: „Ich glaube nicht, dass das noch knapp wird. Aber es tut weh – ich hatte schon den Ehrgeiz gehabt, besser abzuschneiden.“ Auch die Löwen wären seiner Meinung nach durchaus schlagbar gewesen – aber eben in personeller Bestbesetzung auf Neuhausener Seite.
Zunächst lief die Partie nämlich ganz passabel: Neuhausen erwischte einen guten Start und zog auf 6:3 (8.) davon – großen Anteil hatte dabei Hamann im Tor, der bis zu diesem Zeitpunkt bereits sechs hochkarätige Paraden beisteuerte. Löwen-Coach Holger Löhr nahm in der Folge eine frühe Auszeit und rückte seinen Spielern den Kopf zurecht. „Mir hat es an Körperlichkeit und auch am nötigen Willen gefehlt“, erklärte der ehemalige Nationalspieler Löhr. Sein junges Team – der Altersschnitt liegt bei 20 Jahren – habe sich zunächst von den Neuhausener Routiniers den Schneid abkaufen lassen: „Wir waren immer einen Schritt zu spät – dank der Auszeit habe ich die Jungs doch noch wach bekommen.“ Aber auch Maddogs-Trainer Klisch war mit den ersten paar Minuten nicht ganz zufrieden: „Wir haben zu wenig aus Sörens Paraden gemacht“, monierte er.
Nach der Auszeit glichen die Löwen beim 8:8 (14.) zum ersten Mal aus und ab dem 11:11 (20.) übernahmen sie endgültig das Zepter – zudem lief bei den Maddogs allzu oft nicht mehr viel zusammen. Symptomatisch eine Szene in der 28. Minute: Neuhausens Linkshänder Glen Baumann kam relativ unbehelligt zum Wurf, hämmert den Ball aber deutlich übers Tor. Die Löwen schalten schnell um und Kreisläufer Valentin Willner – das 20-jährige Talent hat bereits einen Zweitliga-Vertrag bei TuSEM Essen für die kommende Saison in der Tasche – trifft per Konter zum 13:17. „Meine Mannschaft hat nach unserer ersten Auszeit eine gute Reaktion gezeigt“, lobte Löhr.
Zwei Löwen-Siege auf den Fildern
Auch in Abschnitt zwei ließen sich die Löwen die Butter nicht vom Brot nehmen – wobei sich hier ihre breitere Bank deutlich bemerkbar machte: Auf bis zu acht Tore (32:24/54.) zogen die Junglöwen davon und fuhren letztlich ihren vierten Auswärtssieg in Folge ein. „In Summe war es eine gute Partie von uns“, freute sich Löhr zu Recht. Auch angesichts der Tatsache, dass sich gleich fünf seiner Spieler bereits am Tag zuvor im Nachbarort Scharnhausen mit der von den Neuhausenern mitbetriebenen A-Jugend der JANO Filder gemessen hatten – und beim 30:28 ebenfalls beide Punkte mitgenommen hatten. „Insofern habe ich gegen Neuhausen nicht immer unbedingt leistungsbezogen gewechselt – es stand teilweise die Belastungssteuerung im Vordergrund“, gab Löhr zu. Ein Luxus, von dem man bei den Maddogs derzeit nur träumen kann. Und als nächstes steht die schwere Partie beim Tabellenzweiten Wölfe Würzburg auf dem Programm – die Bundesliga-A-Jugend spielt am selben Tag in Melsungen. Personelle Alternativen sind also weiter Fehlanzeige.
TSV Neuhausen: Dotzauer, Hamann, Elger; Durst (1), Sprößig, Grundler (7/3), Gross, Reinhardt (2), Baumann, Sommer (4), Fischer (2), Keppeler (4), Zeiler (6), Hoer (2).
Rhein-Neckar Löwen II: Hörnig, Herb; Hartmann, Lennart Karrenbauer (2), Mayer (2), Willner (9), Pabst (4), Ciudad-Benitez, Krauth (5), Usatiuc, Kraft (7), Laurin Karrenbauer (2), Breithaupt, Knaus (2).
Schiedsrichter: Marvin Dannecker / Manuel Volz (Vohringen/Balingen).
Zuschauer: 300.
Zeitstrafen: 2:8 Minuten – zwei Mal zwei Minuten für Usatiuc (Rhein-Neckar Löwen), zwei Minuten für Sommer (Neuhausen), Pabst, Mayer (Rhein-Neckar Löwen).
Rote Karte: Mayer (Rhein-Neckar Löwen / 29. Foulspiel).
Beste Spieler: Grundler, Zeiler / Willner, Kraft, Laurin Karrenbauer.