Küchenpapier zersetze sich zu langsam und habe nichts in der Toilette zu suchen, raten Rohrreiniger. Foto: Harald Flößer

Dass nun verstärkt zu Küchenpapier gegriffen wird, ärgert Vermieter und freut die Rohrreiniger.

Esslingen - Hauptsache, wir haben genug Klopapier zuhause.“ Es gehört zu den Sonderbarkeiten der Corona-Krise, dass wir Deutsche auf Teufel komm raus Klopapier horten. Wo man hinkommt, in fast allen Supermärkten sind die Regale leergekauft. Der Tübinger Psychotherapeut und Psychoanalytiker Gottfried Barth erklärt das damit, dass die Deutschen generell zu einer gewissen Zwanghaftigkeit neigten. Alles müsse funktionieren, auch die Reinigung nach einem Stuhlgang, zumal in harten Zeiten wie diesen. Zum Glück gibt es Alternativen, zum Beispiel Küchenrollen. Man braucht sich nur in den Einkaufswagen umzuschauen: Auch Zewa und Konsorten gehen jetzt weg wie warme Semmeln. Weil man weiß: Auch damit lässt sich das „Geschäft“ sauber abschließen. Genauso, wie es die Werbung verspricht: Wisch und weg. Doch kann das zu erheblichen Problemen führen.

Als Vermieterin einiger Wohnungen habe sie damit schon „böse Erfahrungen“ gemacht, schreibt eine verärgerte Leserin aus Esslingen an die EZ-Redaktion. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, weil ihr das Thema zu heikel ist. Doch wäre sie dankbar, wenn es publik gemacht würde. Bei einem ihrer Mieter sei innerhalb kurzer Zeit gleich dreimal das WC so verstopft gewesen, dass er einen Abflussreiniger kommen lassen musste. Der Grund: Für seinen Toilettengang habe er, warum auch immer, regelmäßig Zewa benutzt. Beim letzten Mal sei die Verstopfung durch verklumptes Papier so stark gewesen, „dass wir nur durch pures Glück darum herum kamen, auch außerhalb des Hauses aufzugraben. Die T.-Schüssel war bereits abmontiert, und das ganze Bad sah aus wie nach einer Schlacht.“

Zu hochgespielt die Sache von einer übergenauen Vermieterin? Ganz und gar nicht. Professionellen Rohrreinigern verschafft die vermehrte Verwendung von Küchenrollen mehr Aufträge, wie eine Nachfrage bei Spezialfirmen ergab. Patrick Sohnle, Technischer Leiter bei der BUG Rohrreinigung GmbH, kennt das Problem zu gut. „Mit Zewa und Ähnlichem verstopfen Klos viel schneller“, erklärt er. Was vielen nicht bewusst sei: Das Papier von Küchenrollen sei so konzipiert, dass es möglichst viel Feuchtigkeit aufnehme, aber trotzdem lange seine Festigkeit behalte. Es zersetze sich viel langsamer als Klopapier. Die unausbleibliche Folge: Irgendwann verstopften Abflussrohre. Damit hätten er und seine Kollegen tagtäglich zu tun, berichtet der Fachmann. Genauso verhalte es sich mit feuchtem Hygienepapier. Das Problem mit den Verstopfungen trete oftmals auch in öffentlichen Toiletten auf. Vor allem dann, wenn überreinliche Zeitgenossen massenweise Papierhandtücher auslegten, um ja nicht mit der Klobrille in Berührung zu kommen. Deshalb kann Sohnle nur raten: Nur normales Klopapier verwenden. Aber auch das in Maßen.

Mehr Klopapier, mehr Reinigung, mehr Schutz vor der Corona-Krise – so eine Denke könnte nach Ansicht des Psychotherapeuten Barth hinter den sonderbaren Hamsterkäufen stecken. Mit einem Augenzwinkern fasst er diese Geisteshaltung zusammen: „Wenn ich schon sterben muss, dann doch wenigstens mit sauberem Hintern.“

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