v.l.: Rapper Haftbefehl mit Maske, seine Frau Nina Anhan und VfB-Stürmer Ermedin Demirovic – kam es in Stuttgart zu einem Treffen? Foto: Christophe Gateau/dpa/Pressfoto Bauman/Collage STZN

Rapper Haftbefehl und seine Frau waren in Stuttgart unterwegs. Nun gibt es neue Details zu einem schrillen Video mit einer Politikerin – aber auch neue Fragen.

Seit der Netflix-Doku „Babo – Die Haftbefehl-Story“, die den tiefen Fall des Rappers zeigt, ist sein Name wieder in aller Munde. Kein Wunder also, dass ein Besuch in Stuttgart vor wenigen Tagen für großes Aufsehen sorgte, als der Rapper, der bürgerlich Aykut Anhan heißt, zusammen mit seiner Frau Nina Anhan auf Instagram Spuren hinterließ. Grundsätzlich ist es nicht ungewöhnlich, dass die Anhans in Stuttgart anzutreffen sind. Denn sie wohnen in der Region, Nina Anhan ist hier familiär verwurzelt.

Dennoch bot der erste Auftritt des Paares seit Veröffentlichung der Doku einige interessante Einblicke. Denn offenbar suchen die beiden wieder verstärkt die Öffentlichkeit. So traf sich Moderatorin Frauke Ludowig mit Nina Anhan und schrieb auf Instagram dazu: „Heute haben wir uns in ihrer Heimat Stuttgart getroffen und haben uns sehr viel Zeit genommen für ein wirklich ausführliches, sehr offenes und ehrliches Gespräch.“ In einem kurzen Videoausschnitt des Interviews, das am Sonntag bei RTL in voller Länge ausgestrahlt werden soll, versicherte Nina Anhan, dass ihr Mann „clean“ sei – also weg von den in der Doku stark thematisierten Drogen.

Haftbefehl wieder deutlich schlanker

In der Tat wirkte Haftbefehl in den Reels, in denen er während seines Stuttgart-Trips jetzt zu sehen war, deutlich aufgeräumter als der drogenabhängige Rapper, der noch in dem Film zu sehen war. Zwar verdeckte eine Atemschutzmaske teile seines Gesichts – seine Nase war am Ende der Doku von exzessivem Kokainkonsum optisch gezeichnet –, aber „Hafti“, wie viele Fans den 39-Jährigen nennen, hat ganz offensichtlich wieder viele Kilos abgenommen; Aufnahmen in der Doku zeigten ihn noch regelrecht aufgedunsen.

Aykut Anhan posierte mit dem Personal, in den Läden, in denen er aß, sandte Mersedeh Ghazaei, der Linken-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Baden-Württemberg im März, wohl über eine Bekannte Grüße. Ghazei, manchen besser bekannt unter ihrem Insta-Alias „Sucukmama“, kreischte in einem Beitrag in dem sozialen Netzwerk vor Glück und sagte: „Ich hab jetzt alles im Leben geschafft. Ab jetzt geht es nur noch bergab, oder?“

Auf Instagram erläuterte die Politikerin wenig später, dass Rapper wie Haftbefehl für „so viele junge Migras“ wichtige Personen seien; sie rappten „über die Realität von Rassismus und Ausgrenzung in diesem Land, Armut, Drogen, Polizeigewalt.“ Es gehe um „Empowerment“ von Minderheiten: „Und deshalb ja, als ich das Video von meiner Freundin bekommen habe, hab ich mich unnormal gefreut (und tu’s immernoch).“

Auf Nachfrage unserer Zeitung unterstreicht Ghazaei, Haftbefehl-Fan zu sein. Den Instagram-Jubel-Post habe sie als Mensch, nicht als Politikerin abgesetzt. Dass manche den Beitrag einer Spitzenkandidatin für unwürdig halten könnten, stört sie überhaupt nicht. „Wenn OB Nopper sich über den VfB freuen und jubeln darf, darf sich eine migrantische Frau auch über die Grüße eines Deutschrappers freuen“, findet sie. Außerdem würde Partei Die Linke ohnehin darauf setzen, im Wahlkampf nahbarer aufzutreten als andere Parteien. An der Haftbefehl-Doku, die auch sie gesehen habe, sei besonders hervorzuheben, dass sie das Thema Depression thematisiere. „Das kommt in diesem Milieu sonst eher nicht vor.“

Rätsel um den Stuttgart-Besuchs der Anhans gibt unterdessen eine Instagram-Story auf, die wohl am Mittwochabend entstanden ist. Nina Anhan hält in dem inzwischen nicht mehr abrufbaren Clip ein VfB-Trikot unterschrieben von Ermedin Demirović in die Kamera, während sie im Auto sitzt. „So, jetzt fahren wir nach Hause. Für meine Mama habe ich hier noch eine Unterschrift. Von...“, „Demirović“, sagt Haftbefehl, der im Bild nicht zu sehen ist, offenbar sicherer als seine Frau, was den VfB-Kader angeht.

Kein offizielles Treffen mit VfB-Profi

Kam es zum Treffen zwischen Haftbefehl und dem VfB-Profi? Eine am selben Tag entstandene Instagram-Story des Barbiersalons Babylon im Stuttgarter Westen liefert immerhin ein Indiz dafür. Dort zu sehen: Demirović, wie er Kindern vor dem Salon Autogramme gibt. Der Barbiersalon Babylon ist bekannt dafür, viele VfB-Stars zu frisieren.

Allerdings legt man hier auch Wert auf Diskretion. Aus dem Umfeld das Salons war lediglich zu erfahren, dass Aykut Anhan und Demirović gemeinsame Freunde haben sollen. Der VfB Stuttgart teilte auf Nachfrage mit, dass es keinen offiziellen Anlass gab, in den VfB-Profis und der Rapper aus Offenbach involviert waren. Ob es am Mittwoch also wirklich zur Trikotübergabe zwischen Demirović und Nina Anhan in Stuttgart kam, bleibt darum Spekulation.