Leyla und Arif Yunus. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Für ihren politischen Mut und ihre Aufrichtigkeit wurde Leyla Yunus mit dem Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen ausgezeichnet.

EsslingenIhre schärfste Waffe ist das Wort. Unerschrocken setzen sich Leyla und Arif Yunus für Freiheit und Menschenrechte und gegen die Unterdrückung Andersdenkender in Aserbaidschan ein. Dafür mussten sie einen hohen Preis bezahlen: Sie wurden bedroht, verfolgt und inhaftiert, und trotzdem ließen sie sich nicht mundtot machen. Das hat ihnen internationale Aufmerksamkeit eingebracht. 2013 erhielt Leyla Yunus in Esslingen den Theodor-Haecker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit. Zur Eröffnung der LesART kehren Leyla Yunus und ihr Ehemann Arif nun nach Esslingen zurück – mit ihrem Buch „Vom sowjetischen Lager zum aserbaidschanischen Gefängnis“ (Loecker-Verlag, 19.80 Euro), in dem sie vom Kampf gegen die Korruption und Willkürherrschaft in ihrem Heimatland berichten.

Aserbaidschan steht selten im Fokus des öffentlichen Interesses, dabei gäbe es über die Situation in der einstigen Sowjetrepublik einiges zu sagen. Amnesty International beschreibt die Entwicklungen der jüngeren Zeit so: „Die Behörden verschärften ihr Vorgehen gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung, insbesondere nach Enthüllungen über politische Korruption, in großem Stil. Unabhängige Medienkanäle wurden gesperrt und ihre Inhaber festgenommen. Regierungskritiker wurden nach wie vor aus politischen Gründen angeklagt und nach unfairen Verfahren inhaftiert. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche wurden willkürlich festgenommen und misshandelt. Verdächtige Todesfälle in staatlichem Gewahrsam wurden noch immer nicht wirksam untersucht.“

Leyla und Arif Yunus wissen, was es heißt, in Aserbaidschan für Freiheit und Menschenrechte zu kämpfen. Sie wurden inhaftiert, durften sich jahrelang nicht sehen und leben nun gemeinsam in Amsterdam. In der Gefangenschaft begannen sie, ihre Erfahrungen festzuhalten. Ihr Buch besteht aus zwei Teilen: Der erste, von Arif Yunus geschrieben, heißt „Aufzeichnungen eines Gefangenen in Einzelhaft des Ministeriums für Nationale Sicherheit“. Leyla Yunus schrieb den zweiten Teil mit dem Titel „Glaube nicht, fürchte dich nicht, frag nicht!“. Dass die Autoren die Repressionen der Sowjetzeit mit denen im heutigen Aserbaidschan vergleichen, macht dieses Buch für die aktuellen Machthaber so gefährlich. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Autoren den Leser spüren lassen, was es heißt, wegen seiner Überzeugungen eingesperrt zu werden und sich irgendwann entscheiden zu müssen zwischen Heimat und Freiheit. Auch das gehört zum unmenschlichen Antlitz solcher Regime.

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