Thuraya Haidar kommt aus Syrien und lebt in Benningen (Kreis Ludwigsburg). Die 18-Jährige will Ärztin werden. Unterstützung dafür gibt es über ein Stipendium von „Talent im Land“.
Dass Thuraya Haidar Ärztin werden will, wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. Beide Eltern sind Ärzte, und Thuraya sagt: „Ich liebe Biologie und alles, was mit Gesundheit zu tun hat.“ Deshalb will sie kommendes Frühjahr ein Einser-Abi hinlegen und dann Medizin studieren.
Die 18-Jährige, die in Benningen lebt und das berufliche Gymnasium der Mathilde-Planck-Schule am Ludwigsburger Römerhügel besucht, hat also ein klares Ziel vor Augen. Ihr Weg dorthin war und ist aber nicht so einfach, wie er auf den ersten Blick scheint.
Als sie zehn Jahre alt war, musste die Familie fliehen
Thuraya hat palästinensische Wurzeln und ist in Aleppo in Syrien aufgewachsen. Als sie zehn Jahre alt war, flohen ihre Eltern mit ihr und ihren drei Geschwistern vor dem Krieg in ihrem Heimatland. Zunächst ging es in die Türkei, dort lebte die Familie vier Jahre lang. Thuraya ging dort zur Schule, lernte Türkisch, fand viele Freunde. An Syrien hat sie kaum noch Erinnerungen, die Zeit in der Türkei „war wirklich schön“, sagt die junge Frau. „Ein schönes Land, wir sind viel gereist.“
Den Anfang in Deutschland vor fünf Jahren hingegen war „richtig schwer“. Sie vermisste ihre Freunde aus der Türkei, und hatte ihre Probleme mit der Sprache. Jetzt ist es gut, sagt sie. Sie hat Freunde gefunden und Deutsch gelernt. In der Schule läuft es gut. Mathe, Informatik, Chemie – alle naturwissenschaftlichen Fächer liegen Thuraya. Mit Deutsch hadert sie etwas. Obwohl die 18-Jährige annähernd perfekt spricht, sagt sie bescheiden: „Mein Deutsch ist nicht so gut.“
Was der Schülerin aktuell wichtig ist, ist ihr Abitur, das kommendes Jahr ansteht. „Darauf muss mich konzentrieren“, sagt sie. Denn für ihr Medizinstudium braucht sie einen Schnitt von mindestens 1,2. Dass sie, wie sechs weitere junge Menschen aus dem Landkreis Ludwigsburg nun ein Stipendium von „Talent im Land“ bekommen haben, hilft ihr da durchaus weiter.
Ihre Lehrerin hatte Thuraya Haidar empfohlen, sich bei „Talent im Land“ zu bewerben. Nun ist die 18-Jährige eine von 56 jungen Talenten, die von der Baden-Württemberg Stiftung und der Josef- Wund-Stiftung gefördert werden. Die Schüler, allesamt auf dem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife, bekommen so zum einen finanzielle Unterstützung, etwa für Bücher.
„Das sind alles junge Leute, die ähnlich ticken“
Zum anderen gibt es aber auch Hilfe bei Fragen oder Problemen sowie zahlreiche Workshops zu verschiedenen Themen. Thuraya genießt am meisten die Kontakte, die sie über „Talent im Land“ knüpft. „Das sind alles junge Leute, die ähnlich ticken.“ Da die Stipendiaten alle aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen stammen, lernt man zudem sehr viel, findet sie. Wie Thuraya hatten auch die anderen jungen Talente aufgrund ihrer sozialen Herkunft nicht „den perfekten Start“ für ihre Zukunft. Für die junge Benningerin ist dennoch klar: „Ich will ich weitermachen.“ Auch, wenn sie in einem Kriegsgebiet aufgewachsen ist und flüchten musste, will sie nie die Hoffnung verlieren. „Ich werde stärker. Ich finde Lösungen in schwierigen Situationen.“
Deshalb hat sie auch schon einen Plan, wenn es mit dem Abischnitt knapp nicht reichen sollte. Dann macht sie ein freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst. Beim Roten Kreuz in Benningen engagiert sie sich ohnehin schon. Später als Ärztin ist, will sie anderen helfen, auch in Palästina oder Syrien.
Talent im Land
Die Stipendiaten
Maria La Greca, Stefano Miraglia und Gloria Petrac aus Ludwigsburg, Sadaf Badr, Anna Wittauer und Marya Ez Eddin aus Möglingen sowie Thuraya Haidar aus Benningen erhalten seit diesem Jahr ein Stipendium im Rahmen des Programms „Talent im Land“ (TiL). Sie sind sechs von 56 jungen Talenten, die von der Baden-Württemberg-Stiftung und der Josef-Wund-Stiftung gefördert werden.
Das Stipendium
TiL richtet sich an besonders engagierte und begabte Schülerinnen und Schüler, die auf ihrem Weg zum Abitur oder der Fachhochschulreife wegen ihrer sozialen Herkunft Hindernisse und besondere Herausforderungen zu überwinden haben. sl