Wahlkampf auf den letzten Metern: Klimaschutzslogan auf dem Esslinger Blarerplatz vor dem Wahllokal Musikschule. Foto: von Leesen - von Leesen

Bei den Wahlen kam es vereinzelt zu logistischen Problemen in den Wahllokalen, wer den Zettel aber schon zuhause ausfüllte, konnte entspannt an die Urne treten.

Aichwald/EsslingenWarten auf die Stimmzettelabgabe – das kommt bei Wahlen in hiesigen Breiten eher selten vor. Gestern aber war es häufig der Fall. Vier Wahlen erfordern nun mal einigen Aufwand und Konzentration. Sowohl von den Wählerinnen und Wählern als auch von den Wahlhelferinnen.

Im Rathaus in Schanbach werden die Wähler durch ein kleines Büro geschleust, in dem ihre Wahlberechtigungen geprüft werden. Anschließend geht es in den eigentlichen Wahlraum, in dem gerade mal zwei Wahlkabinen Platz finden. Geduldig stehen die Wahlwilligen an, es wird miteinander geschwätzt, denn auf dem Dorf kennt man sich halt. Im Wahlraum sitzt Stefan Felchle, Hauptamtsleiter und in diesen Tagen Wahlleiter von Aichwald. Er hilft den Wählern beim Stimmzetteleinwurf: „Den grauen Europawahlzettel in die erste Urne, dann den rosa Umschlag in die zweite, und gelb und grün in die dritte.“ So erleichtere man sich das Auszählen, erklärt Felchle. „Erst zählen wir Europa und Regionalwahl, dann Gemeinde und Kreistag.“

Parteien und Personen

Damit sie alle Stimmen richtig abgibt, hat Renate Kern aus Schanbach die Gemeinde- und den Kreistagsstimmzettel am Morgen daheim ausgefüllt. Sie findet dieses Wahlsystem, in dem man Stimmen auf verschiedene Parteien und Kandidaten verteilen kann, recht aufwendig. „Ich habe meine Stimmen verteilt nach Parteien und Personen, die ich kenne. Ich fand das gar nicht so einfach. Eigentlich müsste man sich intensiver damit beschäftigen und nicht nur kurz vor der Wahl“, sagt die Angestellte. Aber ein anderes Wahlsystem wünscht sie sich nicht. Auch die Rentnerin Renate Scharpf hat ihre Stimmen bereits daheim verteilt. Sie ist überzeugt: „Es kommt raus, was heraus kommen muss. Das steuert der liebe Gott.“

Davon geht der Neu-Esslinger Steffen Jakuttek nicht aus. Er hat im Wahllokal in der Musikschule in Esslingen seine Stimmen abgegeben und ist etwas aufgebracht. „Ich habe in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gewählt – so kompliziert wie in Baden-Württemberg ist es nirgends.“ Er findet den Aufwand, der für die Kommunalwahlen getrieben werden muss, zu hoch. „Wahlbenachrichtigungen verschicken, Stimmzettel verschicken, dann eventuell noch Briefwahlunterlagen verschicken und gar nicht zu reden vom Auszählen – das ist finanziell und organisatorisch ganz schön heftig.“ Und 40 Stimmen für den Gemeinderat zu verteilen, sei schwierig. Besonders für jemanden wir ihn, der erst seit einem Jahr in der Stadt wohnt. „Ich kann mir vorstellen, dass zehn Stimmen auch reichen würden. Bei 40 ist die Gefahr, dass Stimmzettel ungültig sind, bestimmt relativ hoch.“

Während der Vorruheständler erzählt, stockt im Wahllokal der Ablauf. Der Grund ist Hanna Frech. Korrekter: Die Wahlhelferinnen finden die Studentin nicht im Wählerverzeichnis für die Europawahl. „Aber ich habe mich am 6. April in Esslingen angemeldet“, sagt die 24-Jährige. Eine der Wahlhelferinnen versucht, im Wahlamt anzurufen – besetzt. Hanna Frech geht selbst ins Wahlamt in der Beblinger Straße. Während sie unterwegs ist, finden die Wahlhelferinnen die junge Frau dann doch in ihren Listen. „Auf der letzten Seite. Das haben wir übersehen“, gesteht eine der Damen etwas zerknirscht. Als die Studentin wieder da ist, hat sie eine Wahlbescheinigung in der Hand und darf wählen. „Immerhin“, sagt sie. Gerne hätte sie auch an den Kommunalwahlen teilgenommen, aber dafür muss man mindestens drei Monate den Hauptwohnsitz in der Stadt haben.

Schon seit Jahren wohnt Thomas Müller-Brandes in Esslingen, also hat er für alle vier Wahlen seine Stimmen abgegeben. Der Theater-Requisiteur findet das Wahlsystem für die Kommunalwahlen in Ordnung und hat seine 40 Stimmen für den Gemeinderat und seine 15 für den Kreistag verteilt. „Ich gehe nach den Parteien und dann auch nach Berufen und nach Geschlecht. Was und wer ist gut für die Stadt und für den Kreis?“ Klar sei das zeitaufwendig, weil man immer wieder nachzählen müsse, doch das findet er nicht entscheidend. „Demokratie ist nun mal anstrengend, aber wichtig.“

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