Gehegt und gepflegt: Schwarzäugige Susanne, Begonien und Sonnenlieschen am Schelztorturm. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Stadtgärtner setzen am Schelztorturm und der Agnespromenade auf Begonie, Sonnenlieschen und Schwarzäugige Susanne.

EsslingenWoran merkt der aufmerksame Esslinger, dass man wieder mit wärmeren Temperaturen rechnen kann? Wenn das Grünflächenamt die Beete am Schelztorturm, die Blumenkästen an der Agnespromenade und die Tröge in der Ritterstraße wieder befüllt hat. Diese Lokalitäten sind nach diversen städtischen Haushaltskonsolidierungsrunden die einzigen öffentlichen Grünflächen Esslingens, bei der nicht primär die Pflegefreundlichkeit regiert, sondern die einer ausgeklügelten gärtnerischen Choreographie folgen.

Ausgedacht hat sie auch dieses Jahr wieder Ulrike Linge. Für die Frühjahr- und Sommerdeko 2019 hat sie altbekannte Begonien und Petunien, neugezüchtete Sonnenlieschen, dankbare Buntnesseln, krautige Süßkartoffeln und rosig-robuste Gaura-Bänder ansprechend angeordnet, die einem am Schelztorturm und in den Blumenkästen an Agnesbrücke und -promenade ins Auge fallen. Für die Höhenentwicklung in der Rabatte sorgt auch in dieser Saison wieder eine Schwarzäugige Susanne, die es nicht nur in Gelb, sondern auch in Rosa gibt. Sie wird sich in den kommenden Monaten an den Rankhilfen in die Höhe schrauben.

Überhaupt geben sich die Beete und Blumenkästen in diesem Jahr pretty in Pink. Oder noch genauer: in diversen Farbabstufungen von Dunkelrot über Zartviolett, Pink bis ins Rosé.

Keine Oleander mehr

„Für solche Beete ist es immer wichtig, dass man Pflanzen findet, die von ihrem Nährstoff-, Wasser- und Helligkeitsbedarf her zusammenpassen“, schildert Gebhard Räcke, stellvertretender Leiter des Grünflächenamts, die Grenzen rein ästhetischer Kompositionen. Die Gaura, auch Pracht- oder Präriekerze genannt, mit ihren langen Stängeln beispielsweise sei ein robustes Gewächs, das auch gut überwintern könne. Jede Einzelblüte öffnet sich nur für einen Tag. Aber eine Staude bringt es auf so viele, dass die Blütezeit bei optimalen Bedingungen von Juli bis zum ersten Frost dauern kann, wissen die Fachleute.

Das Grünflächenamt selbst gibt all seinen Pfleglingen allerdings nur eine Saison. Mittlerweile sind auch die letzten sechs oder acht prächtigen Oleander weg, die zuletzt noch auf der Maille standen. „Die sind seit 20 Jahren in ihren Kübeln, man hätte sie umtopfen und zurückschneiden müssen“, weiß Fachmann Räcke. Zudem seien zuletzt immer wieder Mütter auf das Grünflächenamt zugekommen, die in Sorge um ihre Kinder auf dem benachbarten Spielplatz gewesen seien. Denn Oleander ist giftig. „Aber wir hatten da nie irgendein konkretes Problem“, so Räcke. Jetzt muss sich der wahre Liebhaber halt mit dem Oleander auf seinem eigenen Balkon begnügen – wenn er dem Gedanken an italienische Autobahnen nachhängen will, die alle mit diesen blühenden Büschen gesäumt sind.

15.000 Euro für Deko

Und auf noch einen Klassiker hat das Grünflächenamt verzichtet: Die Stadt steht nicht mehr zum Buchs. Auch in Esslingen haben Buchsbaumzünsler und Co. die Kugeln im öffentlichen Raum so geschändet, dass das Grünflächenamt in der Bahnhofstraße gerade mit Thuja experimentiert. Auch im Klostergarten hinter der Waisenhofschule ist die Buchsbaumhecke nicht vom Elend verschont geblieben. Räcke: „Dort haben wir jetzt Lavendel gepflanzt.“

Etwa 15 000 Euro im Jahr steht dem Grünflächenamt noch für die Deko zur Verfügung. Auch wenn die Maille ihre einstigen Blumenaugen schon lange zumachen musste und auf der Burg nur noch Stauden stehen, findet Räcke, dass das öffentliche Grün mit seiner Naturnähe und Biodiversität besser dastehe als vor 20, 30 Jahren. Zu oft dürfen die Beete nicht gegossen werden. Etwa zwei Mal pro Woche ist die Regel. „Die Pflanzen müssen dazu gezwungen werden, nach unten zu wurzeln“, begründet der Fachmann für städtische Rabatten seine Zurückhaltung mit dem Wässern. „Wenn sie zu üppig wachsen, sind sie im Sommer nicht mehr schön.“ Gleich beim Einpflanzen bekommen sie den ersten Schuss Starkdünger, auf August dann noch einmal Nachschub. Und wenn Petrus oder der Klimawandel will, müssen sie erst Mitte/Ende Oktober wieder abgeräumt werden. Aber jetzt kommt erst einmal der Sommer ...

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