Während bei der CDU und SPD die Machtfrage ungeklärt ist, haben die Grünen gleich zwei Vorsitzende im Angebot, denen die eigene Basis alles zutraut. Ein Kommentar von unserem Redakteur Thorsten Knuf.
Bielefeld - Wenn am Sonntagnachmittag der Grünen-Parteitag in Bielefeld zu Ende sein wird, dürfte in der Partei selbst und um sie herum eine Debatte an Fahrt gewinnen, die die Parteistrategen eigentlich so lange wie möglich vermeiden wollen: Gehen die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl mit einem eigenen Kanzlerkandidaten ins Rennen – und wenn ja, mit wem?
Beim Bielefelder Treffen sind die beiden Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck mit sensationellen Ergebnissen jenseits der 90 Prozent im Amt bestätigt worden, die 39-jährige Baerbock sogar noch mit einem deutlich besseren als der 50-jährige Habeck. Die Parteibasis scheint beide für kanzlertauglich zu halten. Eine Vorentscheidung in der K-Frage hat Bielefeld aber nicht gebracht. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der in der Bevölkerung populärere Habeck zwar ein starker Grünen-Chef ist, es für einen Durchmarsch in der eigenen Partei aber nicht reicht.
Die Grünen zeigen Geschlossenheit
Die Grünen gibt es inzwischen seit fast 40 Jahren. Sie sind seit jeher eine streitlustige Partei. Im Bund stehen sie vor den Toren der Macht, das legen zumindest die Umfragen seit Monaten nahe.
In dieser kritischen Phase legen die Grünen eine erstaunliche Geschlossenheit an den Tag, ganz besonders an der eigenen Spitze. Während in den traditionellen Volksparteien CDU und SPD die Machtfrage ungeklärt ist, haben die Grünen gleich zwei Vorsitzende im Angebot, denen die eigene Basis alles zutraut. Die Fragen und Probleme, die sich den Grünen gerade stellen, hätten die anderen Parteien auch gerne.