Die Uhlandschule soll mehr Energie erzeugen als verbrauchen. Foto: Bernd Zeyer - Bernd Zeyer

Die Fraktionen und die Verwaltung ringen um einen Vorstoß, der Klimaneutralität im kommunalen Bauwesen vorschreiben soll.

StuttgartWas jetzt gebaut wird und energetisch nicht hohen Standards genügt, könnte den Klimaschutz lange Zeit erschweren – und den Kampf gegen das Treibhausklima auf der Erde auch. So denken die Grünen und das Linksbündnis. So haben sie nun beantragt, nur noch städtische Gebäude planen zu lassen, die klimaneutral sind. Am Freitag wollen sie darüber im Klimaausschuss abstimmen lassen. Doch in einigen Fraktionen gibt es Bedenken, im Hochbauamt auch.

Man wäre überfordert und würde Zusatzkosten von rund 140 Millionen Euro verursachen, wollte man alle Bauprojekte der Stadt noch auf klimaneutral trimmen, sagt Hochbauamtsleiter Peter Holzer. Insgesamt seien gut 250 Projekte mit einem Volumen von 1,4 Milliarden Euro bekannt. Alle Vorhaben klimaneutral zu machen, würde nicht nur rund zehn Prozent mehr Geld erfordern. Im Moment fehle auch das erforderliche Personal.

Was im Klimaschutzprogramm an Zusatzmitteln dafür verfügbar wäre, 35 Millionen Euro, reiche nicht einmal zum Nachbessern dessen, was von der Vorplanung in die Entwurfsplanung soll. Da spricht man von rund 40 Projekten mit einem Volumen von derzeit 250 Millionen Euro. Wollte man alles „klimaneutral“ machen, müsse man an den Gebäudehüllen noch deutlich mehr Energieeinsparung umsetzen, auch den Spitzenlastverbrauch mit regenerativen Energien abdecken, viel mehr Regel- und Messtechnik einsetzen. Holzer: „Wie viele Hausmeister können das dann beaufsichtigen?“ Man betreibe schon heute viel Aufwand und übertreffe die Energieeinsparverordnungen. Weiter hochfahren solle man den Standard „schrittweise“, sagt Holzer.

Manchmal sei es tatsächlich klug, nicht immer auf das Etikett „klimaneutral“ zu bestehen, stattdessen Geld dort einzusetzen, wo man pro Euro mehr Kohlendioxid-Vermeidung erreiche, meint auch die CDU. Sie will die Überprüfung auf Klimaneutralität bis einschließlich der vorgeplanten Projekte mittragen. Alle Projekte bis einschließlich Entwurfsplanung zurückzuholen, fände sie überzogen. Gar nichts hält die CDU davon, alles bis einschließlich der Ausführungsplanung auf den Prüfstand zu holen.

Und genau dieses Segment der Leistungsphasen 1 bis 5 nehmen die Grünen ins Visier. Sie würden damit nur Projekte weiterwinken, deren Bau beschlossen oder ausgeschrieben ist. Den Grünen geht es nur um Neubauten. Mit deren Klimaneutralität solle man kompensieren, dass man sich bei Altbauten in Sachen Klimafreundlichkeit schwer tue. Und nun? Die SÖS innerhalb des Linksbündnisses hat sich schon einmal dafür ausgesprochen, Projekte „mindestens bis Leistungsphase 4“ – nach Abschluss der Entwurfsplanung – zu überprüfen. Dennoch ist offen, ob die Grünen eine Mehrheit bilden können. Die SPD findet nämlich ähnlich wie die CDU, man solle nicht viel „Geld rausballern“, um das letzte Quäntchen Klimafreundlichkeit zu realisieren.

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