Clara Schweizer hat ein bisschen „Weltschmerz“. Die 22 Jahre alte Gründerin der Klimataskforce in Nürtingen erzählt, wie sie mit den Enttäuschungen der Weltpolitik, aber auch dem den Grünen entgegenschlagenden Hass umgeht.
Es sind bewegende Tage für Menschen, die sich politisch engagieren. So empfindet es Clara Schweizer angesichts der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und dem Aus der Ampelkoalition im Bund innerhalb weniger Stunden. „Es ist auch irgendwie eine emotionale Achterbahn, wenn man es so miterlebt. Und ich glaube, ich hatte in der Woche auch einfach so ein bisschen Weltschmerz. Es hat mich einfach ein bisschen runtergezogen zu sehen, wie sich die weltpolitische Lage entwickelt“, sagt die Nürtinger Grünen-Stadt- und Kreisrätin. Die 22-Jährige will trotz solcher Enttäuschungen und der zunehmenden Aggressivität gegenüber Mitgliedern ihrer Partei an ihrem Engagement festhalten.
Was tun, wenn einem Hass und Hetze entgegen schlagen? Gerade prominente Grüne wie Robert Habeck, Cem Özdemir oder Ricarda Lang mussten sich diese Frage in den vergangenen Jahren stellen. Doch auch einfache Parteimitglieder ohne Amt sehen sich zunehmend Aggressivität ausgesetzt, dazu zählt nach Überzeugung des Grünen-Kreisverbands ein Vorfall von Sachbeschädigung aus Aichtal vor ein paar Wochen. Es gebe wohl auch Situationen, in denen sich Leute aus ihrem politischen Engagement zurückzögen, sagt Clara Schweizer. Die 22 Jahre alte Nürtingerin hat das in ihrem direkten Umfeld allerdings noch nicht erlebt. „Ganz oft habe ich es eher erlebt, dass Leute eben gerade auch deswegen aktiv werden, weil sie sich sagen: Es kann ja nicht sein, dass Leute angegriffen werden, die sich für unsere Demokratie stark machen.“
Auch Schweizer selbst hat eigenen Aussagen zufolge einige unschöne Begegnungen erlebt, beispielsweise Aggressivität beim Flyer-Verteilen, aber nichts Schlimmes, sagt sie. „Und natürlich, im Netz bekommt man es noch mal mehr zu spüren.“ In Sorge um ihr Leben sei sie deswegen nicht, sagt die 22-Jährige. „Ich persönlich kann mich eigentlich ganz gut abgrenzen. Zum Glück geht mir das nicht so nahe.“ Aber diese Entwicklung hin zu Hass und Hetze sei besorgniserregend. Schweizer wünscht sich bessere Strukturen in den Behörden und Parteien, um Mitglieder, die sich dem ausgesetzt sehen, zu unterstützen und Fälle zur Anzeige zu bringen. Es sei wichtig zu zeigen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei.
Sorge angesichts der Klimakrise
Trotz der zunehmenden Verdrängung aus der öffentlichen Debatte glaubt Schweizer, dass Klimaschutz gerade für junge Menschen ein wichtiges Anliegen ist, wenn auch Umfragen zufolge über die Konsequenzen für das eigene Leben keine Einigkeit besteht. „Es wird immer ganz viel von der Jugend gesprochen, aber man muss sagen, es gibt nicht die eine Jugend. Auch unter jungen Menschen gibt es eben unterschiedliche politische Ansichten.“ Dennoch denke sie, dass es gerade in der jungen Generation eine große Sorge angesichts der Klimakrise gebe. „Trotzdem muss man auch sagen: Es gab mal leichtere Zeiten, um sich für Klimaschutz einzubringen“, räumt Schweizer ein. Doch gerade wenn nicht mehr so viel aktiv darüber gesprochen werde, sei es umso wichtiger, in Erinnerung zu rufen, dass die Klimakrise eben nicht auf sich warten lasse.
Schweizer selbst vertritt die Position, dass Klimaschutz in den Kommunen verankert werden muss. Sie hat die Klimataskforce Nürtingen gegründet, die sich für Aktionen mit allerlei lokalen Partnern vernetzt und auch praktische Initiativen gestartet hat, wie das gemeinschaftliche Dämmen von Häusern. Menschen dafür zu motivieren, gelinge gut, sagt Schweizer. „Dadurch, dass wir Strukturen haben, die ein einfaches Aktivwerden möglich machen.“
Unterstützung im Bundestagswahlkampf
Dennoch ist Schweizer seit dem Sommer auch im Nürtinger Gemeinderat und im Esslinger Kreistag Mitglied – politischen Gremien mit festgelegten Arbeitsweisen und Abläufen, die langen Atem voraussetzen, Die 22-Jährige räumt große strukturelle Unterschiede zur Arbeit in der Klimataskforce ein, schätzt aber die Gestaltungsmöglichkeiten des gewählten Amtes. „Ich glaube, dass es beides braucht. Also eine starke Zivilgesellschaft, aber eben auch Menschen in den kommunalen Gremien, die politische Rahmenbedingungen schaffen. Und ich glaube, es braucht ein Zusammenspiel aus beidem für erfolgreiche Transformation vor Ort.“
Den Ortsverbänden der Parteien auch im Kreis Esslingen steht im kommenden Bundestagswahlkampf viel Arbeit bevor. Sie freue sich, auch wenn es anstrengend werde. Gerade in der Grünen Jugend gebe es viele engagierte Leute. Dass diese auf Bundesebene zuletzt sehr mit dem Parteikurs haderte und Mitglieder aus dem Vorstand ausstiegen, scheint Schweizer nicht zu beunruhigen. „Ich glaube, da gab es einfach so große Meinungsverschiedenheiten, dass das einfach nicht mehr zusammengefunden hat. Diese Kritik muss die Partei auch sehr ernst nehmen und aufarbeiten.“ Sie selbst habe für sich gesagt, sie bleibe weiterhin Teil der Grünen Jugend. Es sei wichtig, eine starke Jugend zu haben, die immer wieder mit der Partei Positionen aushandele.
Über ihre politischen Ziele und weitere Themen spricht Clara Schweizer im Podcast unter: https://ez-talk.esslinger-zeitung.de
Politischer Werdegang
Anfänge
Clara Schweizers Weg in die Politik begann mit 14, als sie in den Jugendrat Nürtingen gewählt und dessen Vorsitzende wurde. Später gründete sie die Ortsgruppe der Klimaaktivisten-Bewegung Fridays for Future mit. Seit ein paar Jahren ist Clara Schweizer Parteimitglied der Grünen, nachdem sie zuvor schon in deren Jugendorganisation engagiert war.
Gegenwart
Die 22-Jährige studiert derzeit Politikwissenschaften und Jura und wechselt tageweise zwischen ihrem Uniwohnort Tübingen und ihrer Heimatstadt Nürtingen. 2022 hat sie die Klimataskforce Nürtingen gegründet. Schweizer ist im Vorstand des Dachverbands Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) und Sprecherin des Nürtinger Ortsverbands der Grünen. Im Sommer wurde Schweizer in den Nürtinger Gemeinderat und den Esslinger Kreistag gewählt.