Zahlreiche Zuschauer beobachteten auf den Erlenhöfen, wie Einsatzkräfte mit der Drehleiter der Kirchheimer Feuerwehr einen „Verletzten“ von einem Silo bergen. Foto: Krytzner - Krytzner

Gebrannt hat es nicht wirklich auf dem Bauernhof. Dennoch sind mehrere Feuerwehren und der Rettungsdienst zu den Erlenhöfen in Wernau ausgerückt. Sie abolvierten dort eine Großübung. Besonders herausgeforder hat sie, die Löschwasserversorgung zu gewährleisten.

Wernau Punkt 14 Uhr ging der Feueralarm von der Integrierten Leitstelle in Esslingen an rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehren und des Rettungsdienstes. Das Stichwort hieß „Brand04“, das steht für Aussiedlerhöfe. Für die Einsatzkräfte heißt dies, einen Brand in einem landwirtschaftlichen Betrieb zu löschen und Menschen aus Gefahr zu bergen.

Das Szenario dieser Großübung für die Feuerwehren aus Wernau, Wendlingen, Köngen, Kirchheim und Unterensingen wurde jahrelang geplant. Die Alarmierungs- und Ausrückeordnung (AO) von 1996 wurde 2017 revidiert und auf den neusten Stand gebracht. Sie wurde mit dieser Übung auf den Erlenhöfen bei Wernau und auf Gemarkung Wendlingen getestet. Ausgangslage war ein Feuer aus unbekannter Ursache in einem Gebäude, in dem Stroh und Landmaschinen lagern. In den Stallungen befinden sich Pferde und Schweine.

Rainer Märsch, Kommandant der Feuerwehr Wernau, begrüßte rund 200 Schaulustige in dem landwirtschaftlichen Betrieb und erklärte den Zuschauern den Ablauf der Übung. Gemeinsam mit seinem Wendlinger Kollegen Miroslav Jukic hatte er an der Großübung gefeilt. Noch während der Begrüßung waren von überallher die Martinshörner der Einsatzfahrzeuge zu hören. Sie wurden jedoch ab dem Anliegerweg ausgeschaltet. „Das wird auch im Ernstfall so gehandhabt. Da uns bekannt ist, dass auf dem Aussiedlerhof Pferde und Schweine leben, wollen wir mit den Sirenen keine Panik unter den Tieren auslösen“, erklärte Märsch. Die Anfahrt der Feuerwehrfahrzeuge war dennoch spektakulär: Etliche Einsatzfahrzeuge kamen aus Wernau angefahren, von der anderen Seite rasten die Kräfte aus Wendlingen und Köngen herbei.

Schwierige Löschwasserversorgung

Sieben Mitglieder der Wendlinger Jugendfeuerwehr mimten die Verletzten. Sechs von ihnen verteilten sich auf dem weitläufigen Gelände und der siebte – er ist erst seit zwei Wochen dabei – stieg auf das 18 Meter hohe Silo und spielte dort einen Verletzten mit Rauchvergiftung. Die Rettungskräfte stellten fest, dass die Wasservorräte in den Zisternen auf den Erlenhöfen bei weitem nicht ausreichen würden und richteten umgehend die Wasserversorgung ein. Aus Wernau wurde eine Doppelleitung gelegt und von der anderen Seite fuhren die Feuerwehrkräfte im Pendelverkehr zwischen Wendlingen und den Erlenhöfen Wasser heran. Es galt, schnellstmöglich den 20 000 Liter fassenden Wasserbehälter, den die Feuerwehr Wendlingen aufgestellt hatte, zu füllen.

„Das war auch Teil unserer Übung“, erklärte Rainer Märsch, „wir wollten mit der Wasserversorgung an die Grenzen gehen und feststellen, wie lange wir brauchen, um diese sicherzustellen.“ Bei den Löscharbeiten strömten anschließend bis zu 5400 Liter Wasser pro Minute aus den Rohren, berichtete er zufrieden. In der Zwischenzeit fanden die Einsatzkräfte der Feuerwehr die sechs Verletzten, bargen sie und übergaben sie den Rettungsdiensten aus Wernau und Wendlingen. In der Folge stellte Thomas Klein, Eigentümer des Erlenhofs, fest, dass ein Mitarbeiter verletzt auf dem Silo liegt. Um ihn zu retten, kam die Drehleiter aus Kirchheim zum Einsatz. Als die Wasserzufuhr installiert war und die Feuerwehrleute mit dem Löschen beginnen konnten, wurde der Verletzte vom Silo geborgen.

Lob von den Bürgermeistern

Einsatzleiter Marc Morawsky, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Wendlingen, war von der Übung begeistert. „Die Zusammenarbeit zwischen den Wehren und den Rettungsdiensten hat sehr gut funktioniert.“ Der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl betonte die Wichtigkeit solcher gemeinsamer Übungen: „In der Theorie klingt immer alles großartig. Ich bin froh, dass hier der Ernstfall geübt werden konnte.“ Er lobte den hohen Ausbildungsstand der Einsatzkräfte. Sein Kollege Steffen Weigel aus Wendlingen hält die ständige Zusammenarbeit der Wehren für erforderlich. „Die gemeinsamen Übungen sollen auch auf die verschiedenen Einsatzfahrzeuge ausgeweitet werden.“ Er findet: „Die Feuerwehren in der Region sind der Zeit voraus, die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen ist lobenswert.“

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