Anderswo geht es um den Erhalt von Brücken, in Remseck (Kreis Ludwigsburg) will man schon seit Jahren eine neue Querung über den Neckar bauen. Das Großprojekt ist Teil einer Neuordnung der Stadt, kommt aber anscheinend nicht wirklich voran. Warum?
„Sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen, will ich das gewinnen“, sagte Remsecks Oberbürgermeister Dirk Schönberger am Dienstagabend. Im Gemeinderat stand das Großprojekt neue Neckarquerung auf der Tagesordnung und der Schultes warb um Verständnis für das lange Verfahren.
Schon seit 30 Jahren plant man in Remseck an einer neuen Mitte. An der Schnittstelle zwischen den Stadtteilen Aldingen, Neckargröningen und Neckarrems soll ein Quartier für gesamtstädtische Einrichtungen entstehen und so die Stadt weiter zusammenwachsen lassen. Um den Verkehrsfluss weg vom Zentrum zu halten, soll westlich davon eine Umfahrung und eine neue Brücke gebaut werden – die Westrandbrücke.
Bis es zum Brückenbau kommt, werden allerdings noch viele Jahre vergehen, die Vorprüfung soll erst Ende 2025 abgeschlossen sein. Grund ist das Verfahren. Eigentlich hatte man im Rathaus gedacht, man könne den Brückenbau wie andere Projekte in der Stadt angehen mit einem Bebauungsplan, muss nun aber in Planfeststellungsverfahren starten. Grund ist die Bedeutung des Projekts und Vorgaben des Landes. Das sei in der Vergangenheit bei ähnlichen Projekten schon auf die Nase gefallen und Planungen vom Verwaltungsgericht gekippt worden. Deshalb gebe es laut Schönberger eben die Vorgabe, ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten. „Für uns in der Stadt ist das Neuland“, sagte Baubürgermeisterin Birgit Priebe.
Bürgerentscheid für Bau der Brücke
Vor knapp vier Jahren gab es schon einen Bürgerentscheid in der Sache gegeben und die Remsecker haben sich für den Bau der Brücke entschieden. Seither ist aber wenig geschehen, dass für die Öffentlichkeit sichtbar ist. „Wir sind eben nicht in China, wo man einfach einen Bagger nimmt und loslegt“, sagte Schönberg. Die Verwaltung treibe aber im Hintergrund das Projekt emsig voran.
Zum Beweis präsentierte Jens Trowe vom Planungsbüro Krebs+Kiefer am Dienstagabend im Gemeinderat die ersten Ergebnisse der Vorprüfung. Um den Formerfordernissen des Planfeststellungsverfahrens gerecht zu werden, prüfte das Büro im Auftrag der Stadt sechs unterschiedliche Varianten zur Neckarquerung, darunter auch welche, die nicht zum Ergebnis des Bürgerentscheids passen. Man wolle eben auf Nummer sicher gehen in Remseck. Ausführlich erklärte Trowe wie die Varianten miteinander verglichen worden seien. Dabei wurden die städtebaulichen Auswirkungen mit 40 Prozent priorisiert betrachtet. Je 20 Prozent erhielten die Aspekte Umweltverträglichkeit, Kosten und Verkehrliche Beurteilung.
Ausbau der bestehenden Brücke abgelehnt
Am schlechtesten schnitt die Varianten der Bürgerinitiative „wir für morgen“ ab. Die sah vor, keine neue Brücke zu bauen, sondern das Zentrum künftig überörtlich groß zu umfahren. Auch nicht in die weitere Planung schaffte es eine Variante, die statt eines Neubaus den Ausbau der bestehenden Brücke vorsah. Vor allen Dingen aus städtebaulichen Gesichtspunkten fiel diese Variante bei den Planern durch.
Drei Varianten, die alle einen Brückenneubau beinhalten, aber die Anbindung an die Neue Mitte und den Busbahnhof unterschiedlich lösen haben es in die weitere (Vor-)Planung geschafft. Spitzenreiter bei der bisherigen Untersuchung ist die Variante 5, die auch Gegenstand des Bürgerentscheids war. „Obwohl die Variante 5 sich im direkten Vergleich deutlich positiv abhebt, ist es für die rechtliche Verfahrenssicherheit erforderlich, mehrere Varianten vertieft zu untersuchen. Erst nach Abschluss des nächsten Planungsschrittes kann die Vorzugsvariante endgültig festgelegt werden“, heißt es dazu im Beschluss des Gemeinderats.
Nicht jedem im Gremium schmeckte die lange Verfahrensdauer. Karl Burgmaier (Grüne) erinnerte daran, dass man 2014 die grundsätzliche Zusage vom Verkehrsministerium erhalten habe, 2017 habe er sich notiert, dass bei optimalem Verlauf die Fertigstellung der Brücke 2023 möglich sei. Steffen Kirsch (CDU) warb hingegen für Verständnis für das Verkehrsministerium und die Vorgehensweise. Klagen einzelner Interessengruppen hätten in Vergangenheit eben Projekte schon gekippt,die nicht minutiös geplant worden seien.
Zu den Kosten wollten weder Stadt noch Ingenieurbüro etwas sagen. Das sei in dieser Planungsphase noch viel zu früh, weil es viele Variablen gebe. Die Kostenbewertung habe man anhand Erfahrungswerten vorgenommen, ohne genaue Zahlen. Bis zum Spatenstich wird es noch Jahre dauern.
Das ist bei der Neuen Mitte in Remseck geplant
Idee
Die Stadt Remseck besteht aus sechs Stadtteilen, die gewachsene Ortskerne haben. Ein gemeinsames Zentrum an der Schnittstelle zwischen den Stadtteilen Aldingen, Neckargröningen und Neckarrems soll Flächen für die künftige Entwicklung gesamtstädtischer Einrichtungen ermöglichen.
Teil 1
Der erste Teil der Neuen Mitte, bestehend aus Stadthalle, Kubus (mit Mediathek und Archiv) und Rathaus sowie Marktplatz wurde 2021 fertiggestellt. Das neue Rathausgebäude umfasst nun alle Verwaltungsmitarbeiter der Kernverwaltung, die zuvor auf vier Verwaltungssitze verteilt waren.
Teile 2 und 3
Die weitere Planung der Neuen Mitte sieht im Teil 2 einen zentralen Versorgungsbereich mit Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie vor. Im Teil 3 soll im Bereich nördlich der Endhaltestelle U12 überwiegend Wohnbauflächen ausgewiesen werden. All das ist Teil des Konzepts „Remseck 2035“.