Blick von der neuen Feuerwache 5 auf das benachbarte EnBW-Gelände in Möhringen. Hier könnte ein Ausbildungszentrum entstehen. Foto: /Max Kovalenko

Die Stuttgarter Feuerwehr sucht händeringend ein Gelände für ihr Ausbildungszentrum. Infrage kommt einzig eine EnBW-Fläche in Möhringen. Gespräche laufen seit Monaten. Doch offenbar sind die Verhandlungen zäh.

Täglich grüßt das Murmeltier. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn es um ein Grundstück an der Sigmaringer Straße in Möhringen geht. Fortschritte sind da nämlich nicht zu erkennen. Die 15 000 Quadratmeter große Fläche neben der neuen Feuer- und Rettungswache 5 ist der größte und einzige Hoffnungsträger der Stadt Stuttgart. Die sucht seit Jahren vergeblich nach einem großen Areal für das dringend benötigte Aus- und Fortbildungszentrum für die Stuttgarter Feuerwehr.

Die nutzt bisher noch die marode frühere Wache 5 in Degerloch, hätte dort aber eigentlich zum Jahresende ausziehen müssen. Wegen der akuten Notlage ist die Frist bis Ende 2025 verlängert worden. Doch spätestens dann stehen fast 2000 Haupt- und Ehrenamtliche ohne Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten da. Ein absolutes Unding und eine Peinlichkeit für eine Landeshauptstadt. Fatal für die Retter, aber auch für die Sicherheit der Bevölkerung. „Es wäre enorm wichtig, eine Lösung zu finden. Wir brauchen dringend etwas, sonst stehen wir ohne da“, sagte Feuerwehrchef Georg Belge bereits vor knapp eineinhalb Jahren.

Was ein Glücksfall, dass die Energie Baden-Württemberg (EnBW) direkt neben der neuen Wache in Möhringen über ein geeignetes Grundstück verfügt. Die Stuttgarter FDP hat das Areal schon im Sommer 2023 ins Spiel gebracht, mehrfach aus Gemeinderat und Landtag heraus die Stadt zu Verhandlungen aufgefordert. Viele andere Fraktionen im Rathaus zogen nach und stellten entsprechende Anträge. Der Stadtfeuerwehrverband spricht von einem „Sechser im Lotto“ und hat bereits vor einem Dreivierteljahr einen Brandbrief ans Rathaus geschrieben.

Doch die Aussagen der Beteiligten gleichen sich mit schöner Regelmäßigkeit. Man sei über das Gelände im Gespräch, heißt es bei der Stadt. Man stehe im Dialog, so die EnBW. Man wisse nichts Neues und hoffe auf eine baldige Entscheidung, verlautet bei der Feuerwehr. Dort wird der Druck immer größer. Denn selbst, wenn ein Gelände gefunden werden sollte, müsste es ja erst geräumt und dann für die Belange der Retter hergerichtet werden.

Derzeit nutzen die Retter noch die marode ehemalige Wache in Degerloch für die Ausbildung – mit undichtem Dach. /Lichtgut/Max Kovalenko

Was das Grundstück wert ist, darüber gibt es bisher nur Spekulationen. Ursprünglich war einmal von etwa 15 Millionen Euro ausgegangen worden – doch die Bodenrichtwerte sind seither eher gesunken. Klar ist: Die Stadt muss nach fetten Jahren massiv sparen, steht vor einer enormen Neuverschuldung. Da zählt jeder Euro. Und nach Informationen unserer Zeitung geht es bei den zähen Verhandlungen offenbar tatsächlich um einen Preispoker. Dafür soll die Stadt auch ein Gutachten eingeholt haben.

Offiziell herrscht im Rathaus weiter Schweigen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu den laufenden Gesprächen und Verkaufswerten zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen können“, heißt es dort fast eineinhalb Jahre, nachdem das Grundstück in den Blick gerückt ist.

Bei der EnBW geht man etwas mehr ins Detail. „Die Gespräche mit der Stadt dauern an und der Sachstand ist unverändert“, sagt eine Sprecherin. Aktuell nutze die Netze BW das Areal als Bezirksstelle für den Netzbetrieb. „Ab Januar werden die Flächen ausschließlich von Stuttgart Netze genutzt. Die Laufzeit ist bis zum 30.06.2025 vereinbart.“ Zudem unterhalte dort eine Baufirma ein kleines Außenlager für Materialien, die für die Netzinstandhaltung genutzt würden. „Unser Verkaufsinteresse besteht weiterhin“, so die Sprecherin.

Ist die übersichtliche Laufzeit für Stuttgart Netze bis nächsten Sommer bereits der Hinweis darauf, dass die EnBW das Areal dann abgeben will? Im Gemeinderat fürchtet so mancher, dass die Stadt die Chance verpassen könnte. Die FDP hat jetzt erneut einen Antrag formuliert – und Mitstreiter gefunden. CDU, SPD, Volt und freie Wähler haben sich angeschlossen. Man fordert, noch vor Weihnachten auf den neusten Stand gebracht zu werden. „Es gibt ein klares Bekenntnis der Mehrheit im Gemeinderat, das Grundstück für die Feuerwehr zu erwerben. Auch in Zeiten knapper Kassen ist es eine Pflichtaufgabe der Stadt, eine leistungsfähige Feuerwehr zu unterhalten“, sagt FDP-Stadtrat Friedrich Haag.