Der Lidl in Wendlingen ist komplett abgebrannt. Foto: /Ines Rudel

In Wendlingen (Kreis Esslingen) ist in der Nacht auf Freitag die Lidl-Filiale in der Taläckerstraße abgebrannt. Der Schaden geht in die Millionen. Die Stadt und der Discounter suchen nun nach einer Interimslösung.

Wendlingen - Weiträumig ist die Einsatzstelle in der Wendlinger Taläckerstraße am Freitagmorgen abgesperrt, einige Schaulustige stehen mit Regenschirmen hinter dem rot-weißen Flatterband. Ein weißer Kastenwagen der Kriminaltechnik fährt in den abgesperrten Bereich, während ein Polizist das Absperrband mit dem Fuß zu Boden drückt – die Spurensicherung ist eingetroffen. Einkaufen werden die Wendlinger in dem Verbrauchermarkt auf absehbare Zeit wohl nicht. Die Lidl-Filiale in der Wendlinger Taläckerstraße ist in der Nacht auf Freitag komplett ausgebrannt – wir berichteten. Von der verglasten Front ist nicht mehr viel übrig, das Dach ist über dem Kundeneingang zusammengesackt. Das Polizeipräsidium Reutlingen, das auch für den Kreis Esslingen zuständig ist, spricht von einem Millionenschaden. Eine vorläufige Schätzung geht von zwei Millionen Euro aus.

Zwei Personen mit Rauchvergiftung im Krankenhaus

Die Feuerwehr Wendlingen war am Donnerstabend gegen 21.48 Uhr alarmiert worden. Da war von einem Brand in einem Lagerraum die Rede gewesen. Dieser brannte beim Eintreffen der Feuerwehr bereits lichterloh. Der Laden war zu dieser Zeit bereits geschlossen, sodass sich keine Kunden mehr in dem Gebäude befanden. Eine Mitarbeiterin musste mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung vor Ort vom Rettungsdienst behandelt werden. Eine Anwohnerin wurde ins Krankenhaus gebracht – auch sie hatte Rauchgas eingeatmet. Die Wendlinger wurden unterdessen über die Warn-App NINA darum gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Zur Bekämpfung des Vollbrandes, der zu diesem Zeitpunkt kein Löschen im Inneren des Gebäudes mehr zuließ, wurden die Feuerwehren aus Wernau, Kirchheim, Oberboihingen, Unterensingen, Köngen, Esslingen und Ostfildern nachalarmiert. Zeitweise waren 160 Feuerwehrleute mit 30 Fahrzeugen vor Ort, wie die Polizei am Freitag meldete. Mit einer Vielzahl von Löschrohren brachten die Feuerwehren die Flammen schließlich unter Kontrolle gebracht werden. Gegen 15.30 konnte der Einsatz beendet werden. Auch das Übergreifen des Feuers auf angrenzende Gebäude konnte verhindert werden. Das sei eine tolle Leistung der Feuerwehr. „Dass an dem Lidl nichts mehr zu retten ist, war leider schnell klar“, sagte Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel, der in der Nacht vor Ort war. Das Geschäft sei erst vor drei Jahren saniert worden.

Gebäude kann nicht betreten werden

Eine Papierpresse, die in Brand geraten war, wurde zwischenzeitlich mit Schaum abgelöscht. Am Freitagvormittag war nur noch die Wendlinger Feuerwehr vor Ort, um die Glutnester zu löschen. Weil Teile des Daches durch das Feuer eingestürzt waren, musste ein Bagger die Trümmer aus dem Weg räumen. Zum Löschen wurden rund 600 Kubikmeter Wasser verbraucht, bis zu 273 pro Stunde. Sonst würden für das Wohngebiet, in dem der Markt steht, 48 Kubikmeter pro Stunde vorgehalten. „Wenn’s drauf ankommt, können wir aber deutlich mehr Wasser zur Verfügung stellen“, sagt Weigel.

Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, musste die Spurensicherung der Kriminaltechnik am späten Vormittag unverrichteter Dinge wieder abziehen. „Vermutlich werden sie das Gebäude nicht vor nächster Woche betreten können“, sagte Pressesprecher Christian Wörner. Daher lasse sich über mögliche Brandursachen aktuell noch nichts sagen.

In der kommenden Woche will sich die Stadt mit dem Unternehmen über eine Interimslösung austauschen, in der Lidl kurz- oder längerfristig Waren anbieten kann. Ein Wiederaufbau der restlichen Bausubstanz ist  einem Lidl-Sprecher zufolge unmöglich. „Derzeit können wir keine Angaben machen, wann und in welcher Form wir wieder öffnen können“, sagte der Sprecher.

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