Diese Gebäude sollen bis Ende 2024 revitalisiert, der Eingang zur Königstraße aufpoliert sein. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Immobiliengesellschaft der LBBW will beim Hauptbahnhof den ganz großen Umbau angehen. Der Rückhalt dafür beim Gemeinderat ist groß. Doch die Fraktionen hätten da noch einige wenige Wünsche.

Stuttgart - Die Immobiliengesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat im Gemeinderat einen großen Rückhalt für ihren neuesten Plan, um das unschöne Entrée vom Hauptbahnhof zum Stuttgarter Stadtzentrum aufzupolieren. Vor zwei Jahren hatte sie den Gebäudezug Königstraße 1-3 zwischen Schillerstraße und Pusteblumenbrunnen nebst dem Hotel am Schlossgarten noch komplett abreißen wollen, doch jetzt will sie den Gebäudekomplex „revitalisieren“. Das gefällt nun auch einstigen Kritikern des totalen Abräumens deutlich besser, wie sich im Ausschuss für Stadtentwicklung zeigte.

Was genau hat das Unternehmen vor?

Loslegen will es im Abschnitt mit dem früheren Kaufhaus Karstadt Sport, das seit rund zwei Jahren leer steht. In das Gebäude soll ein Lichthof eingepasst werden, der künftige Büros in den Obergeschossen mit Tageslicht versorgt. Die Statik des Gebäudes lasse das zu, das wisse man schon, sagte Frank Berlepp, Geschäftsführer der LBBW-Immobiliengruppe. Unten im Gebäude ist zur Königstraße hin kleinteiliger Einzelhandel geplant, zum Schlossgarten hin Gastronomie, die eine Terrasse in der dritten Etage erhalten soll. Dort sei eine Art Terrasse baulich schon angelegt und könne für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Warum ist das ein wichtiges Teilprojekt?

Für den Umbau im Abschnitt Königstraße 1c gilt besonders, was Berlepp über das Gesamtvorhaben sagt: Es werde eine große Herausforderung, diesen Gebäuden eine gute Zukunft zu verschaffen. Für den Abschnitt will das Unternehmen Anfang 2022 den konkreten Bauantrag einreichen. Nicht minder eilig ist ihm ein Antrag, die dunkle, den Passanten besonders in den Abendstunden sehr unheimliche Theaterpassage neben dem Gebäude 1c abreißen zu dürfen. Doch schon die umgehenden Reaktionen der Stadträte auf Berlepps Vortrag im Gemeinderatsausschuss zeigten: Je früher das Dach dieser Passage verschwindet, desto lieber ist es den Stadträten. Für das ganze übrige Vorhaben hat die Stadtverwaltung bereits eine Bauvoranfrage positiv beschieden, das alles ist auch mit dem bestehenden Bebauungsplan zu vereinen.

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Wie geht es nach dem Umbau von 1c weiter?

Danach soll das Hotel am Schlossgarten innen und außen umgebaut werden. Da spricht Berlepp neuerdings von einem „Charme“ des Gebäudes, den man herausarbeiten könne. „Das kann schick werden“, hat der Firmenchef inzwischen erkannt. Die Statik sei zwar „etwas wackelig“, dennoch glaubt man das Gebäude ertüchtigen, den Eingangsbereich nach oben erweitern zu können. Die Gastronomie soll, in Richtung Schlossgarten ausgerichtet, auch nicht nur auf einer Etage untergebracht werden, die Außengastronomie soll an jene des künftigen Gebäudes 1c anschließen. Zielrichtung: „ein junges, modernes, hochwertiges Hotel“. Und an den Hotelumbau soll sich dann der Eingriff im Gebäudeabschnitt Königstraße 1b anschließen, wo es noch Mieter gibt. Die Passage zwischen Hotel und Gebäude 1b verschwindet ebenfalls.

Was sind die Grundprinzipien der Pläne?

Gegenüber den Stadträten versuchte Berlepp die Kontinuität der verfolgten Ziele zu betonen. Es gehe jetzt wie vor zwei Jahren um die Freistellung einzelner Gebäude, um eine bessere Verbindung von Königstraße und Schlossgarten, um dessen Belebung und um die Aufwertung der Gebäudekanten zum Park hin durch Außengastronomie. Unverändert ist auch Berlepps Erkenntnis, dass die bauliche Situation an der Königstraße „wirklich katastrophal“ sei. Eine Adressenbildung sei da nicht möglich, Kunden und Besucher müssten in dem Gebäudezug die richtige Eingangstür suchen.

Warum der Strategiewechsel der LBBW-Immobilien?

Früher wollte das Unternehmen mit Neubauten nach komplettem Abräumen des Areals und einem städtebaulichen Wettbewerb zum Ziel kommen. Doch die Pandemie habe nicht nur für den Einzelhandel viel verändert, sagte Berlepp. Dass man vor zwei Jahren den Abriss des Hotels am Schlossgarten und zwei neue Hotels plante, sei „aus heutiger Sicht keine wirklich gute Idee“ gewesen. Zudem stehe das Unternehmen wegen der Mietsituation „wirtschaftlich unter Druck“. Dazu kommt der zeitliche Druck. Von der Revitalisierung verspricht man sich viel größere Chancen, wenigstens mit den eigentlichen Umbauten zur Jahreswende 2024 /2025 fertig zu werden. Das könnte mit der von der Bahn AG erhofften Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofes zusammenpassen und eine Großbaustelle just neben dem neuen Bahnhofsbauwerk vermeiden. Überdies gilt der neue Plan als ressourcenschonender und umweltfreundlicher. Berlepp versprach größtmögliche und zertifizierte Nachhaltigkeit.

Wie gefällt das dem Gemeinderat?

Als Pluspunkt verzeichneten es die Fraktionen, dass graue Energie nicht verschwendet wird – und die Stadträte hoffen, dass der künftige Anschluss an die Schillerstraße gleich zwei Tiefgaragen erschließen und Verkehr auf der Bolzstraße und der Marstallstraße vermeiden wird. Die SPD drängte auf Architektenwettbewerbe über einen Fassadenwettbewerb hinaus, nämlich auch für das Umfeld der Gebäude. Berlepp kann sich das für die Freiraumgestaltung und für das Gebäudeteil Kö 1b vorstellen, aus Zeitgründen aber nicht für das Gebäude 1c. Im Fall eines großen offenen, europaweiten Wettbewerbs würde sich die Baufertigstellung bis 2030 verzögern, warnte er.

Was ist mit einer Kulturnutzung?

Die war vor zwei Jahren von Ratsfraktionen gewünscht worden. Das gilt auch jetzt wieder. Tatsächlich befindet sich LBBW-Immobilien derzeit „in gutem Gespräch mit der Architektenkammer“, um das angepeilte „Haus der Baukultur“ in das Vorhaben zu integrieren. Und man spreche auch über eine Interimsnutzung des Gebäudeabschnitts 1c.

Gibt es sonst noch Wünsche?

Das Linksbündnis, das vor zwei Jahren viel Kritik hatte, beurteilt die neuen Pläne als „deutlich differenzierter und angemessener“. Es wünscht nun aber, dass das komplette Gebäude 1c von der Stadt übernommen und von ihr als offenes Haus ohne Konsumzwang und ohne Renditezwang für die Eigentümerin bespielt wird. Die Stadt habe ja als LBBW-Trägerin in jüngster Zeit 960 Millionen Euro in die Bank gesteckt, dann könne sie doch das Gebäude erhalten. Doch Berlepp fertigte das Linksbündnis ab: Das Eigentum liege bei der – mit der LBBW verbundenen – Bahnhofsplatzgesellschaft und da gebe es Fremdaktionäre. Insofern erledige sich das Ansinnen von selbst.