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Bei großen Goldmengen verlangt Antonio D’Aleo gewisse Nachweise - das verlangt das Geldwäschegesetz.Gold ist eine gute Versicherung gegen starke Inflation und bei Katastrophen, sagen die beiden Experten.

Von Lorena Greppo

Esslingen - Wenn man an die Kunden eines Goldhändlers denkt, stellen sich die meisten vermutlich eine reiche alte Dame im Pelzmantel vor, selbst mit viel Schmuck behängt, eventuell noch ein Hündchen unterm Arm. Mit dieser - zugegeben reichlich klischeehaften - Vorstellung hat die Frau, die in Antonio D’Aleos Edelmetallgeschäft eintritt jedoch wenige Gemeinsamkeiten. Und ist auch nicht gekommen, um Goldschmuck oder gar Barren zu kaufen. „Der Zahnarzt hat mich ein wenig erleichtert“, erklärt sie und hält D’Aleo die Zahnkrone hin, die man ihr entfernt hat.

In seinem Edelmetallhandel in Esslingen kauft und verkauft Antonio D’Aleo Gold und Silber nicht nur in Form von Barren, vor allem Schmuck werde in seinen Laden gebracht, und eben auch Zahngold. „Schöne Schmuckstücke, die zum Wiederverkauf geeignet sind, bereite ich auf“, sagt er. Ansonsten werde das meiste Gold eingeschmolzen. Seine typischen Kunden sind ältere Leute, die Erbstücke, lange nicht getragenen oder kaputt gegangenen Schmuck verkaufen.

Etwa zwei bis dreimal im Monat käme es vor, dass jemand gezielt zu ihm kommt, um Goldbarren zu kaufen. Jedoch nicht die großen, kiloschweren Klötze, wie sie die Bundesbank hortet. „Meistens kaufen die Kunden Barren von bis zu 50 Gramm“, sagt D’Aleo. Das sei aus seiner Erfahrung auch praktikabel. Zwar gibt es Gold auch in Einheiten von nur einem Gramm zu kaufen, die seien jedoch im Verhältnis teurer, weil die Nachfrage nach kleinen Einheiten größer sei. Zudem werde hier oft auch das Argument der Prägekosten vorgebracht. Bei großen Mengen des Edelmetalls verlangt D’Aleo von Käufern gewisse Nachweise - etwa einen Kontoauszug, der belegt, dass das Geld bei der Bank abgehoben wurde. Das schreibe das Geldwäschegesetz vor. Das komme aber selten vor.

Auch als Geschenk werde Gold beliebter. Inzwischen könne man sogar in einen Barren seinen Namen eingravieren oder ihn mit Motiven verzieren lassen. D’Aleo weist hier jedoch darauf hin, dass solche Veränderungen des Barrens wertmindernd sein können. „Statt des üblichen Ankaufspreises für Barren, bekommt der Besitzer dann oftmals nur den niedrigeren Schmelzpreis.“ Das liege daran, dass der Barren mit seiner Gravur nicht weiterverkauft werden könne, sondern noch mal eingeschmolzen werden müsse. Wenn das Gold also kein Geschenk, sondern eine Wertanlage sein soll, sollte der Käufer auf solche Dekorationen verzichten.

Das liebe Gold gilt als die Krisenwährung schlechthin. Wenn alles andere an Wert verliert und man auf der Bank kaum noch Zinsen auf sein Erspartes bekommt - der Goldpreis bleibt stabil. Gold ist ein Rohstoff, dessen Vorkommen begrenzt ist, er kann nicht in beliebiger Menge abgebaut werden, denn neue Goldminen können heutzutage kaum noch erschlossen werden. Die Nachfrage nach Gold steigt außerdem stärker als das Angebot. Dadurch steigt auch der Preis. Außerdem bekommen Anleger in Niedrigzinsphasen auch auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten kaum Geld, deshalb ist der Verzicht gering, wenn sie in Gold investieren. So weit die Theorie. Jedoch ist auch im Markt für Edelmetallle Bewegung drin. Lag der Preis pro Feinunze (etwa 31,1 Gramm) lange Zeit bei unter 500 Dollar, so stieg er in den vergangenen zehn Jahren teilweise rasant an, kletterte 2011 auf ein Rekordhoch von 1900 Dollar, um dann 2015 wieder auf unter 1100 Dollar zu sinken. Ist Gold also doch keine sichere Anlage?

„Im Falle einer Krise ist Gold sicherlich eine gute Anlage“, sagt Antonio D’Aleo. Er schränkt jedoch auch ein: Von einer Krise könne man derzeit nicht sprechen, „so weit sind wir noch nicht“. Denn nicht jede politische Entwicklung beeinflusst den Markt für Edelmetalle. Eine ganze Reihe von Kriegen - etwa in Afghanistan, dem Irak oder in Syrien, haben den Goldkurs nicht in die Höhe treiben können. Auch auf den Brexit oder die Wahl Trumps zum US-Präsidenten haben die Märkte bei Weitem nicht so stark reagiert, wie von vielen Experten vermutet. Was also gälte als Krise? „Wenn beispielsweise die EU auseinanderbrechen würde, könnte das eine Krise auslösen“, sagt D’Aleo. Ein gutes Beispiel sei auch die Finanzkrise 2008 gewesen. Da habe es eine wahren „Goldrausch“ gegeben - es wurde viel in Edelmetalle investiert. Allerdings wählten viele Anleger den falschen Zeitpunkt, oder verkauften kurz darauf wieder, als der Goldpreis bereits wieder am Sinken war - sie machten beim Geschäft mit dem Gold Verluste. „ Das hat viele Leute abgeschreckt“, weiß D’Aleo.

Dass die Deutschen bei Investitionen momentan trotzdem gerne auf Gold setzen zeigt eine Studie des Edelmetallhändlers Reisebank. Demnach planen 77,7 Prozent der befragten Bürger, weiter Gold zu kaufen. 2010 waren es lediglich 42 Prozent. Auch die Deutsche Bundesbank hortet Gold - mit etwa 3400 Tonnen hat sie nach den USA den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Damit besitzt die Bundesbank jedoch nicht den Großteil des Goldes im Land - laut der Reisebank Goldstudie befinden sich etwa 8700 Tonnen Gold in Deutschland im Privatbesitz.

93,3 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, Gold wegen des „sicheren Werterhalts“ zu schätzen. Auch Rolf Drees und Alexander Karbstein vom deutschen Fondsverband BVI heben im Rahmen der EZ-Telefonaktion zum Thema Geld anlegen diesen Aspekt des Edelmetalls hervor. „Gold hat sich langfristig als „Wertaufbewahrungsmittel“ bewährt. Es ist eine gute Versicherung gegen starke Inflation und bei Katastrophen.“

Das kann aber auch fehlschlagen. Etwa wenn jemand 2011 Gold gekauft haben sollte. Diese Person muss entweder ausharren, bis der Goldpreis wieder so weit gestiegen ist, oder mit Verlust verkaufen. Zwar bewegt sich der Goldpreis langfristig gesehen auf einem relativ hohen Niveau, bleibt aber deutlich unter der Rekordmarke von 1900 Dollar. Könnte dieser Wert bald erneut erreicht werden? „Möglich, das ist schwer vorherzusagen“, meint Antonio D’Aleo. Womöglich brauchen die Besitzer aber einen längeren Atem. Seine Kundin muss mit dem Verkauf nicht so lange warten. Nachdem Antonio D’Aleo ihr Zahngold untersucht und Gewicht sowie Goldgehalt bestimmt hat, kann sie das Edelmetall sofort bei ihm verkaufen. Bei einem durchschnittlichen Gewicht (ungefähr zwei Gramm) und Goldgehalt der Legierung (an die 70 Prozent) kann sie für ihre Zahnkrone etwa 40 Euro bekommen.

Zahlen und Fakten

Goldschürfer und professionelle Minenbetreiber haben rund um den Globus 170 000 Tonnen Gold aus dem Boden geholt.

Größte Goldförderländer sind China (428 Tonnen im Jahr 2013), Australien (266 Tonnen), die USA (230 Tonnen), Russland (209 Tonnen), und Südafrika (169 Tonnen).

Die Förderung von Gold in Europa - beispielsweise in Finnland und Schweden - ist international eher unbedeutend.

Gold wurde über Jahrtausende als Währung eingesetzt. In Deutschland war die Goldmark während des Deutschen Reichs (1871-1918) das gesetzliche Zahlungsmittel.

Das meiste Gold wurde zu

Schmuck verarbeitet.

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