Klara und Rudi Betz mit einem ihrer Familienbilder. Foto: Werner Kuhnle

Sie haben 1954 geheiratet: Die Ehe von Klara und Rudi Betz aus Erdmannhausen hält bereits sieben Jahrzehnte lang. Die gemeinsame Zeit begann beim Tanzen.

Die Gnadenhochzeit oder auch Platinhochzeit genannt, ist ein Ehrentag, den wohl nicht sehr viele Paare feiern können. Immerhin blickt die eheliche Verbindung an diesem Festtag auf stolze 70  Jahre zurück. Klara und Rudi Betz gehören zu diesen Glücklichen: ihre Ehe hat bereits sieben Jahrzehnte lang gehalten.

Dass die Eheleute außerdem einen rüstigen Eindruck machen sowie gut hören und sehen, ist eine doppelte Gnade. Auch wenn Rudi Betz beklagt, dass es seit einem halben Jahr schwer nachgelassen habe. Aber der Senior, der im Januar eine Herz-OP überstanden hat, ist dennoch froh und dankbar, „dass es uns gut geht. Viele meiner Schulkameraden leben schon gar nicht mehr“. Und so schaut das Jubiläumspaar frohgemut auf die große Anzahl an Jahren, die es gemeinsam verbracht und dabei freilich Tiefen wie Höhen durchlaufen hat.

Gefunkt hat es beim Tanzkurs

Stolz sind sie auf ihre beiden Kinder und auf die vier Enkel und fünf Urenkel. Enkelsohn Sascha Hänig etwa ist Feuerwehrkommandant in Affalterbach. Jener Ort, aus dem seine Großmutter Klara stammt, die ihren Rudi aber bei einem Tanzkurs in Erdmannhausen näher kennenlernen sollte. Klara und ihr späterer Mann kannten sich da schon flüchtig: beide waren in Kornwestheim bei Salamander beschäftigt. Die damals sechzehnjährige Klara ging einmal wöchentlich mit zwei weiteren Mädchen aus ihrer Gemeinde nach Erdmannhausen – zum Tanzen in die Rose. Heimgebracht wurden sie dann von Rudi: „Damit se im Dunkla net alloi heim laufet.“ Daraus hat sich eine Zuneigung entwickelt, die bis heute Bestand hat. Und das, obwohl Klaras Eltern die Wahl ihrer Tochter anfangs gar nicht gern gesehen hatten. Sie sollte vielmehr einen bestimmten Bauernsohn heiraten. Doch die anfänglichen Turbulenzen – Klara wurde auch bald schwanger – hatten sich rasch gelegt. Später hielt der Schwiegervater Rudi dann sogar „für seinen besten Schwiegersohn“.

Klara Betz musste im schwarzen Kleid heiraten

„Wir haben erst ein halbes Jahr nach der Geburt unseres Sohnes geheiratet“, erzählt Klara Betz, die die Tatsache, dass sie wegen des Kindes mit einem schwarzen Hochzeitskleid zum Traualtar geführt wurde, noch heute beschämt. „Aber so war das halt damals“, betont die freundliche Seniorin nachsichtig mit ihrer früheren Umgebung und zeigt dabei ihr humorvolles Lächeln. Eine Eigenschaft, die beide Partner besitzen und „die damit auch gut gefahren sind“, wie Tochter Ursula Hänig bestätigt. „Manchmal ist es aber auch Galgenhumor.“

Dass die Eheleute schon 1965 mit ihren Kindern ein Eigenheim beziehen konnten, „verdanken wir meinem Schulkameraden Alfred“, blickt Rudi Betz freudig zurück. Er, der kurz nach seiner Arbeitsstelle bei Salamander zu Bosch wechselte, blieb dort 39 Jahre lang. Schulkamerad Alfred aber motivierte seinen Freund, mit ihm ein Doppelhaus zu bauen. „Wir haben fast den ganzen Rohbau selber gemacht“, sagt Rudi Betz voller Stolz und fügt hinzu:„Zusammen mit der Familie und Freunden. Das gibt es heute kaum noch.“ Und sie haben es sich auch gut gehen lassen; später, als der Schuldenberg fast abgetragen war.

Die Betz’sche Formel: „Miteinander schwätza!“

„Wir sind viel gereist. Etwa nach Kanada oder nach Norwegen, wo es uns besonders gut gefallen hat.“ Ob sie ein Geheimrezept für beständiges Zusammenleben haben? Klara und Rudi Betz zucken mit der Schulter: „Miteinander schwätza, dem anderen zuhöra und auf ihn eingehen“, lautet schließlich die Betz’sche Formel. Der Ehemann ist aber auch der Meinung: „Wenn jemand beleidigt isch, einfach lassa. Des legt sich scho wieder!“ Und vielleicht haben sich die Gemüter ja bei der Gartenarbeit vor dem Haus und beim „großa Stückle“ wieder abgekühlt. „Das war sein ein und alles“, weiß Tochter Ursula.