Etwas Besonderes: ein Stangenglas mit Tierkopfnoppen und handgeblasenen Elefantenrüsseln als Griff, mit Girlandenfäden und Scheibenfuß Foto: Eva Herschmann

Bei der 10. Glasbörse in der Murrhardter Festhalle präsentieren Sammler Historisches, Kurioses und Seltenes aus dem zerbrechlichem Material.

Die Besucherin hatte ein Auge auf das hohe Glas mit Deckel geworfen. „Das wäre klasse, um mein Müsli aufzubewahren“, sagte sie. Elmar Helmer, Glassammler aus Hohenwart bei Ingolstadt, schmunzelte. „Das ist ein mundgeblasenes Präparateglas aus dem 19. Jahrhundert, darin waren Knochen und Innereien zur Ansicht eingelegt.“ Mit diesem Wissen nahm die junge Frau doch lieber Abstand vom Kauf. Kurioses, Historisches und Seltenes haben 15 Sammler und Händler am Wochenende bei der zehnten Glasbörse in Murrhardt präsentiert.

Die Tische in der Festhalle standen voller Flaschen, Gläsern, Karaffen und anderen fragilen Behältnissen aus Glas. Aus ganz Deutschland, erzählt Thomas Denzler seien die Händler mit Durchblick gekommen. „Von nördlich von Bremen bis nach München.“ Der Glassammler aus Spiegelberg hat die Börse organisiert und auch selbst einiges mitgebracht. „Es sind ausschließlich Repliken, sonst wären sie viel teurer“, sagte Denzler mit Blick auf seine umfangreiche Sammlung unter anderem mit Stangenglas, Daumenglas, Rippenbecher sowie einem „Scherzgefäß“ in Penisform in Grün, wobei die Farbe durch das im Quarzsand enthaltene Eisenoxid kommt.

Gläser mit Trinksprüchen gab es auch zu sehen. Foto: Eva Herschmann

Die Originale sind zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert im Schwäbischen gefertigt worden. „Das Spannende ist tatsächlich, dass in den Waldglashütten hier bei uns mit ganz einfachen Mitteln schon ganz tolle Sachen hergestellt wurden.“ Die Nachbildungen verkaufe er als Gebrauchsgegenständen für den Alltag, erklärte Denzler: „Nicht, um sie in die Vitrine zu stellen.“

Bei Elmar Heller fing die Sammelei damit an, dass seine Frau Hermine ein Glas aus den 1930er-Jahren mit einem in Emaillefarbe aufgemalten Münchner Kindl wegwerfen wollte. Er wusste das zu verhindern und machte alte Trinkgläser zu seinem Spezialgebiet. Doch er hat auch anderes, wie das Präparateglas gesammelt. „Glas eine sehr realistische Materie, man sieht jede Beschädigung sofort“, sagte Elmar Heller augenzwinkernd. Und mit der Zeit, so seine Frau, lerne man auch, seinen Wert zu erkennen. Ein Zeichen dafür, dass es sich um altes Glas handle, sei beispielsweise das Gewicht, ergänzte der Gatte. „Je leichter es ist, umso älter ist es, denn Glas war früher wertvoll.“

Wie erkennt man ein wertvolles Glas?

Ein weiteres Zeichen für handgefertigtes und damit wertvolles Glas sei der Abriss am Boden, jene Bruchstelle, an welcher durch den Glasmacher bei der Herstellung das Hefteisen abgeschlagen wurde beziehungsweise die Bruchstelle bei formgeblasenem und historischem Pressglas, erklärte Dieter Schaich. Mit seiner Frau Birgit sammelt er seit mehr als vier Jahrzehnten fast ausschließlich Formglas ohne nachträglich angebrachte Dekorationen, seien es Gravuren oder Malereien. „Diese Gläser hat rein nur der Glasmacher geformt, da ist kein Glasschneider mehr dran gewesen“, sagte der Münchner, der zusammen mit seiner Frau schon zahlreiche Bücher zu dem Thema veröffentlicht hat. Fast jeder habe seine Nische und sei auf etwas spezialisiert, erklärte Thomas Denzler. „Der eine fokussiert sich auf Waldglasflaschen, der andere auf Klarglas-Pokale, und einige fahren auf Uranglas ab, das so eine giftgrüne Farbe hat und im Licht fluoreszierend erscheint.“

Ein altes Glas hat schon mal einen Wert von mehreren hundert Euro

Ob englisches Glas aus dem 18. Jahrhundert oder Muranoglas, die zerbrechlichen Kostbarkeiten haben ihren Wert. Ein außergewöhnliches Objekt in Murrhardt war die Pflanzhaube aus dunkelgrünem Glas, die aus Belgien stammt und eine dreistellige Summe kostet. Für die Lauensteiner Gläser, Trinkgläser, die zwischen 1768 und 1827 für den hannoverschen Hof und das Kurfürstentum Hannover in der Glashütte Osterwald hergestellt wurden, werden pro Stück ebenfalls einige Hundert Euro aufgerufen. Auch bei Flaschen könnten die Preise hochgehen, wenn der Erhaltungsgrad stimme und man sie einer Region oder einer einzelnen Glashütte zuordnen könne, sagte Denzler.

Die Händler waren nicht nur zum Verkaufen gekommen. „Man kauft natürlich auch was, wenn man schöne Sachen an einem anderen Tisch sieht“, so Thomas Denzler, der seit dem Wochenende ein paar gläserne Schätze mehr sein eigen nennt. Etwa Logengläser, schwere Gläser mit schwerem Fuß und dem eingravierten Freimaurerzeichen drauf, und ein Salbengefäß aus Mecklenburg aus dem 18. Jahrhundert. „Das wird eher selten verkauft, und es ist ein herrlich krummes, urwüchsiges Glas.“ Einiges davon werden auch bald die Zuschauer des Naturparkzentrums Murrhardt zu sehen bekommen, verriet Thomas Denzler. „Ab dem ersten Quartal 2026 bestücken wir dort ein paar Vitrinen für eine Dauerausstellung.“