Die Mitarbeiter in Neuhausen bangen im Falle eines Mehrheitsverlustes der Thyssenkrupp AG an der Aufzugssparte um ihre Zukunft. Foto: Archivfoto: Roberto Bulgrin - Archivfoto: Roberto Bulgrin

Weil die Thyssenkrupp AG Geld braucht, soll die lukrative Aufzugssparte veräußert werden. An wen und in welchem Umfang, ist aber noch nicht geklärt.

NeuhausenSeit Mai hängt die Zukunft der Mitarbeiter von Thyssenkrupp Elevator (tkE) in Neuhausen in der Schwebe. Im Frühjahr hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass es mit seiner Aufzugssparte an die Börse gehen könnte. Auch ein Verkauf steht im Raum. Denn: „Die Thyssenkrupp AG braucht Geld“, sagt Jürgen Groß, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen und Mitglied des Aufsichtsrats des Unternehmens. Die Aufzugssparte gilt als Ertragsperle, die deutlich mehr wert sein könnte als der Gesamtkonzern. Daher soll die Aufzugssparte vermutlich als Thyssenkrupp Elevator AG verkauft werden. An wen, das ist noch offen. Am Freitag informierte Thyssenkrupp nun bundesweit an allen Standorten die Belegschaft über den Stand der Dinge. In Neuhausen gab es gleich zwei Betriebsversammlungen, eine für die Beschäftigten der Servicegesellschaft Thyssenkrupp Aufzüge und zum anderen im Aufzugswerk, in dem nach Angaben des Unternehmens 800 Menschen beschäftigt sind.

Gewerkschaft will Jobs sichern

„Wir wollten, dass die Mitarbeiter darüber informiert sind, welche möglichen Auswirkungen die verschiedenen Szenarien für sie haben könnten“, sagt Groß. Derzeit könne man nur spekulieren, welche Entscheidung Ende Januar bei der Hauptversammlung des Mutterkonzerns gefällt werde. „Es herrscht schon eine große Unruhe. Jeder hat irgendwelche Szenarien im Kopf. Wir wollen möglichen Investoren ein klares Signal senden, dass die Belegschaft bereit ist, für ihre Interessen einzustehen.“ Georgios Triantafillidis, Betriebsratsvorsitzender im Neuhausener Aufzugswerk, machte bei den Betriebsversammlungen in Neuhausen deutlich, dass den Beschäftigten nichts geschenkt werde, sondern alle gemeinsam für ihre Zukunft kämpfen müssten. „Deshalb fordern wir zusammen mit der IG Metall einen Tarifvertrag, der uns Sicherheit für alle möglichen Szenarien gibt.“ In diesem Tarifvertrag soll auch geregelt sein, dass alle bisherigen Standorte von tkE erhalten bleiben. Werkschließungen wolle man damit entgegenwirken. Auch die insgesamt 5000 Beschäftigten in Deutschland sollen ihre Arbeitsplätze in Sicherheit wissen. „Das ist ein Knackpunkt, bei dem es noch Reibereien gibt“, so Groß. Bei einem Verkauf oder Teilverkauf seien solche in einem Tarifvertrag festgehaltenen Garantien hinderlich, erklärt er. „Das drückt natürlich den Preis, das will das Unternehmen nicht.“ Groß stellt klar, dass die IG Metall für eine Mehrheitsbeteiligung von Thyssenkrupp an der zukünftigen Thyssenkrupp Elevator AG eintritt, und dass sie sich mit aller Macht gegen eine Zerschlagung von Elevator wehren werde. „Wir verstehen durchaus, dass Geld gebraucht wird. Aber es soll nicht alles versilbert werden, vielleicht 20 oder 30 Prozent“, sagt Groß. Außerdem: „Wir fordern von jedem Kaufinteressenten, dass er ein Zukunftskonzept vorlegt, das die Arbeitsplätze sichert.“ Eine Sprecherin von Thyssenkrupp Elevator sagt: „Eine Änderung der Mitbestimmungsstrukturen oder gar ein Ausstieg aus der Tarifbindung steht nicht zur Disposition. Wir sind zuversichtlich, dass wir auch in den noch ausstehenden Verhandlungspunkten zu einer guten und gemeinsamen Lösung mit unseren Mitarbeitern kommen werden.“ Betriebsrat und IG Metall kündigten an, dass in den nächsten Wochen weitere Aktionen notwendig werden könnten, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

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