Die Fertigung bei dem Getriebehersteller HGears ist weitestgehend automatisiert. Foto: HGears/Hasselblad

Der Getriebehersteller HGears aus Schramberg will sein Wachstum mit neuen Investoren absichern. Das Unternehmen ist nicht nur technisch innovativ.

Frankfurt - Als im September 2018 die Herzog GmbH in Schramberg ihr 60. Firmenjubiläum feierte, standen vor allem die Innovations- und Anpassungsfähigkeit des Familienunternehmens im Mittelpunkt. Viele Arbeitsplätze habe das Unternehmen seit seiner Gründung geschaffen, lobten die Redner.

Helmut Herzog hatte zusammen mit seinen Brüdern auf dem elterlichen Hof mit einer Drehmaschine begonnen, Metallteile herzustellen. Die 1958 gegründete Firma wuchs dann rasch und beschäftigt heute rund 350 Menschen am Stammsitz. Vor allem aber habe Herzog schon früh erkannt, dass man auch über die Grenzen hinausblicken müsse – eine typische Eigenschaft der baden-württembergischen Mittelständler, die gerade in der heutigen Zeit immer mehr Investoren anlockt.

Übernahme eines Spezialisten in Italien

Schon vor gut zehn Jahren war die Herzog-Gruppe der Investorengruppe Finatem aus Frankfurt aufgefallen, einer nach eigenem Bekunden unabhängigen, partnergeführten Beteiligungsgruppe, die sich mehrheitlich an kleineren Unternehmen mit größeren Perspektiven beteiligt. Gemeinsam mit den Strategen von Finatem wurde die Expansion angegangen, 2015 folgte zuerst die Übernahme eines Spezialisten in Italien.

Mit der Übernahme von MiniGears kamen nicht nur 900 zusätzliche Mitarbeiter an Bord, sondern auch ein Werk in China. In den Gesprächen mit potenziellen Investoren sei das ein wichtiges Argument gewesen, sagen Insider heute. Der zweite große Vorteil der heutigen HGears AG sei die Fokussierung auf die Zulieferung von Teilen für Elektromobilität, die ein Jahr nach der Erweiterung der Unternehmensgruppe in Angriff genommen wurde.

Das Unternehmen habe sich inzwischen einen Vorsprung vor anderen Komponentenherstellern erarbeitet, heißt es in dem Börsenprospekt. Man arbeitet mit nahezu allen namhaften Unternehmen im Bereich E-Mobilität, Automotive und Powertools zusammen. Aber auch die Lean-Production, die schlanke Produktion, sei ein wichtiger Aspekt, wobei es besonders wichtig sei, dass die Mitarbeiter eng in die Entwicklung einbezogen seien, wie ein Sprecher erklärt.

26 Euro pro Anteilsschein

Ohnehin legt das Management – auch mit einem Finanzinvestor – großen Wert auf die Zufriedenheit der Belegschaft. Gemeinsam mit drei anderen größeren Unternehmen aus Schramberg hat man eine Impfinitiative gegründet, die die ohnehin schnell eingeführten Schutzmaßnahmen ergänzen soll. Es gehe dabei vor allem um die Gesundheit der Mitarbeiter, betonten die vier Firmenchefs.

Und nun soll der nächste Schritt kommen – der Gang an die Börse. Am Mittwochabend wurde der Ausgabepreis für den Börsengang am Freitag festgelegt, mit 26 Euro pro Anteilsschein liegt man da ziemlich genau in der Mitte des Preisrahmens, den man gemeinsam mit den Banken ausgehandelt hatte.

Die Nachfrage sei sehr gut gewesen, das Angebot mehrfach überzeichnet. Gut zehn Millionen Aktien werden zum Handel freigegeben, 2,4 Millionen davon stammen aus einer Kapitalerhöhung, 3,4 Millionen aus dem Bestand der Altaktionäre. Rund 200 Millionen Euro könnten dem Unternehmen zufließen. Sowohl Finatem als auch die Familie würden aber weiterhin an dem Unternehmen beteiligt bleiben, betont eine Sprecherin, knapp zwei Drittel des Kapitals werden sich allerdings in Streubesitz befinden.

Organisches Wachstum in der E-Mobilität

„Wir sind stolz darauf, den Sprung an die Börse erfolgreich geschafft zu haben“, erklärt Pierluca Sartorello, der Chef des Unternehmens. Die hohe Nachfrage nach den Aktien habe die Stärke der zukunftsorientierten Wachstumsstrategie gezeigt. Die Chancen, die sich für HGears als Anbieter von Hochpräzisionsgetriebeteilen und -komponenten für E-Bikes sowie Elektro- und Hybridfahrzeuge im Rahmen der zunehmenden Bedeutung der E-Mobilität ergeben, wurden wahrgenommen. Allein von 2019 bis 2020 ist der Umsatz in diesem Bereich um 59 Prozent gestiegen – nicht zuletzt durch den Boom bei Elektrofahrrädern. In immerhin rund zwei Millionen von rund 4,6 Millionen verkauften E-Bikes seien Teile von HGears verbaut, erklärt das Unternehmen.

Mit dem Erlös könne man nun das organische Wachstum in der E-Mobilität ausbauen, unterstreicht Finanzchef Daniel Basok. „Nun widmen wir unsere Aufmerksamkeit wieder ganz dem Erreichen unseres mittelfristigen organischen Wachstumsziels, den Konzernumsatz auf 250 Millionen Euro zu verdoppeln und den Umsatz des Geschäftsbereichs E-Mobility auf 150 Millionen Euro mehr als zu verdreifachen.“